Die wichtigsten börsennotierten Unternehmen in Deutschland haben im dritten Quartal so viel verdient wie noch nie. Der operative Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) der Dax-Konzerne stieg zwischen Juli und September auf einen Rekordwert von 27,7 Milliarden Euro, wie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY errechnet hat. Das sind 17 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Die Umsätze der 29 erfassten Unternehmen - Infineon hat noch keine Zahlen vorgelegt - kletterten um vier Prozent auf 308 Milliarden Euro. Dabei profitierten die Firmen vor allem vom Asien-Geschäft und vom sinkenden Kurs des Euro. In den Quartalen davor hatten Umrechnungseffekte die Umsätze noch um einen hohen einstelligen Milliardenbetrag dezimiert.

China wird immer wichtiger

In Asien wuchsen die Umsätze der deutschen Grosskonzerne im Quartal allein um elf Prozent, in den USA um acht Prozent. «Es sind nach wie vor die aussereuropäischen Märkte, die massgeblich zum Wachstum beitragen. Vor allem China wird - nicht nur für die Autoindustrie - immer wichtiger», sagte EY-Partner Thomas Harms. Deutschland falle dagegen als Konjunkturlokomotive aus, weil die Spannungen mit Russland zur Zurückhaltung bei Investitionen führten.

Für das vierte Quartal ist Harms daher skeptisch: Dann dürfte sich die abflauende Konjunktur bei den Umsätzen und Gewinnen niederschlagen. Nach Lufthansa, Adidas und Linde könnten in den kommenden Wochen weitere Firmen ihre Prognosen nach unten korrigieren, sagte der EY-Manager. Er erwarte aber nur eine kurze Flaute: «Ab dem kommenden Frühjahr dürfte die weltweite Nachfrage und damit auch die Konjunktur in Deutschland wieder anziehen - sofern es nicht zu einer weiteren Eskalation des Konflikts mit Russland kommt.»

Volkswagen mit höchstem Umsatz

Umsatz-Spitzenreiter blieb im dritten Quartal der Autobauer Volkswagen mit 49 Milliarden Euro. Gemessen am Ebit verwies der Stuttgarter Rivale Daimler die Wolfsburger aber mit 3,7 Milliarden Euro auf Platz zwei.

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Auch der Arbeitsmarkt profitiert vom Aufwärtstrend bei den Dax-Konzernen: Sie beschäftigten trotz eines Stellenabbaus bei den Energieversorgern 3,72 Millionen Mitarbeiter, 2,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. In Forschung und Entwicklung steckten sie 9,6 Milliarden Euro, ein Plus von neun Prozent. Und die Kriegskassen bleiben gut gefüllt: Die 29 Unternehmen sassen am 30. September zusammen auf 83,5 Millionen Euro, fast so viel wie zwölf Monate vorher.

(reuters/ise/ama)