Die Schweizer Börse hat am Montag einen kleinen Teil der jüngsten Verluste wettgemacht. Nach zwei Handelstagen mit massiven Kursabschlägen legte der Markt kräftig zu. Händler bezeichneten die Kurseinbussen, die von der überraschenden Abkehr der Schweizerischen Nationalbank (SNB) vom Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken am vergangenen Donnerstag ausgelöst wurden, als stark übertrieben. «Der Absturz des Euro gegenüber dem Franken sollte nun genügend in die Kurse eingearbeitet sein», sagte ein Händler.

Der SMI legte um 3,2 Prozent auf 8153 Punkte zu. In den zwei vorhergehenden Sitzungen war der Leitindex nach dem SNB-Entscheid um gut 14 Prozent gefallen. Der Euro hat seitdem 15 Prozent seines Werts eingebüsst. Die Hoffnung auf weitere Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) sorgte für zusätzlichen Auftrieb. Die Anleger feierten bereits das bevorstehende Anleihenkaufprogramm, hiess es im Kommentar der Basler Kantonalbank.

Julius Bär legt um 6 Prozent zu

Nach einer Reuters-Umfrage rechnen 18 von 20 Geldhändlern damit, dass die EZB am Donnerstag ein umfangreiches Programm zum Kauf von Staatsanleihen (QE) vorlegt. Erwartet würden rund 600 Milliarden Euro. «Anleger fragen sich jetzt nicht mehr, ob das QE kommt, sondern wie die Details des Programms aussehen werden», sagte ein Händler.

Eine Aussicht auf die Entwicklung der Börsen in den kommenden Monaten ist entsprechend schwierig, solange unklar ist, wo die Wechselkurse sich einpendeln. Die Zürcher Kantonalbank aktualisierte heute jedoch ihre Prognose: Statt einem Gewinnwachstum im breiten Aktienindex SPI für 2015 von 5.5 Prozent erwarten die Banker jetzt ein Minus von 5.3 Prozent. «Insgesamt ergibt sich dadurch ein Rückgang im Jahr 2015 gegenüber unserer vorherigen Prognose von etwas weniger als 14 Prozent.»

Bellevue Group verdoppelte Gewinn offenbar

Den stärksten Kursgewinn unter den Bluechips verbuchte die Aktie von Julius Bär mit einem Plus von 6 Prozent. Der Vermögensverwalter hat nach eigenen Angaben die heftigen Ausschläge an den Finanzmärkten nach dem SNB-Schritt gut überstanden. Die Privatbank habe keine Verluste verzeichnet. Bär werde geeignete Massnahmen treffen, um die Profitabilität der Gruppe trotz der starken Währung aufrecht zu erhalten.

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Der Titel der Grossbank UBS gewann vier Prozent. Die Aktie von Rivale Credit Suisse hinkte mit einem Plus von 1,4 Prozent deutlich hinterher. Kepler Cheuvreux und UBS haben das Kursziel für die Aktie der Credit Suisse gesenkt. Der Titel der Bellevue Group gewann knapp sechs Prozent. Der Asset Manager hat den Gewinn 2014 einer Hochrechnung zufolge auf elf Millionen Franken praktisch verdoppelt. Der Gewinn soll vollständig ausgeschüttet werden. «Es winkt wieder eine attraktive Dividende», sagte ein Händler.

Versicherer und Pharmafirmen verbuchen Börsenplus

Die Versicherungen verbuchten Kursgewinne von um vier Prozent. Helvetia legten gar knapp sechs Prozent zu. Goldman Sachs stufte die Aktie auf Buy von Neutral hoch und hob das Kursziel an.

Den stärksten Beitrag zum Anstieg leisteten die als relativ krisenresistent geltenden Schwergewichte. Die Pharmawerte Novartis und Roche gewannen 3,5 und 2,5 Prozent. Lebensmittelwert Nestle stieg 3,5 Prozent.

Baunahe Firmen verlieren

Bei den zyklischen Firmen verbuchten Aktien, die stark unter die Räder gekommen waren die grössten Anstiege. Dazu zählten unter anderen die Papiere der Bauausstatter Geberit und Forbo sowie die Titel des Zahnimplantate-Herstellers Straumann mit einem Kursplus von über sechs Prozent. Sie hatten in der Vorwoche gegen einen Fünftel ihres Werts eingebüsst. Richemont schlossen knapp fünf Prozent höher. Kühne&Nagel gingen mit einem kleinen Kursverlust aus dem Markt.

Die Anteile der beiden baunahen Firmen Arbonia-Forster und Zehnder sackten gegen den Trend rund sechs Prozent ab. Die Analysten von Kepler Cheuvreux und der Bank Vontobel setzten die Kaufempfehlung aus und senkten das Kursziel.

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(reuters/moh)

 

SNB-Entscheid: Gewinner unter den Riesen im SMI

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Die SNB hat den Mindestkurs abgeschafft, die Schweizer Börse sackte ab. Dabei gibt es durchaus Firmen, die nicht ins Mark getroffen werden. Das sind die Gewinner im SMI: Lebensmittelgigant Nestlé produziert und verkauft oft lokal, also in den jeweiligen Abnehmerländern. Dadurch exportiert der Konzern kaum aus der Schweiz und muss nicht um seine Margen fürchten.