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Geldfrage
«Nach wie vor spricht viel für Gold»

Alex Durrer ist Chefökonom bei der liechtensteinischen LGT Gruppe in Vaduz. Den jüngsten Kurseinbruch beim Gold hält er für ein paradoxes Phänomen.

Von Roberto Stefano
am 17.04.2013

Wie erklären Sie sich den Einbruch beim Gold auf unter 1400 Dollar pro Feinunze angesichts der anhaltenden konjunktu­rellen Unsicherheiten?
Alex Durrer: Gold glänzt umso stärker, je akuter eine Krise ist. Heute sind wir in keiner akuten Krise, doch Gefahrenherde gibt es genug. Die Märkte haben den ­Verdrängungsmodus eingeschaltet. Die Maxime lautet: Don’t worry, be happy. Die strukturellen Gefahren werden ignoriert. In einer solchen Situation meinen die Anleger kein Gold zu benötigen. Hinzu kommt, dass die Stütze bei 1520 Dollar seit längerem unter Druck war. Es war zu erwarten, dass, wenn die Stütze bricht, es zu einem stärkeren Einbruch kommt. Das ändert aber nichts daran, dass fundamental nach wie vor viel für den Kauf von Gold spricht. Die heutige Situation ist paradox.

Zumal die Wirtschaftsdaten aus China die Erwartungen nicht erfüllen konnten.
Man darf die Daten aus China nicht dramatisieren. Was die Konjunktur in den Schwellenländern betrifft, so ­mache ich mir kaum ernsthafte Sorgen. Die Weltwirtschaft dagegen profitiert von monetären Drogen…

… die den Märkten so weit die Sinne ver­nebeln, dass sie die Gefahren ausblenden?
Weder die Krise in Zypern noch das Wahlpatt in Italien haben an den Märkten für allzu grosses Aufsehen ­gesorgt. Noch vor einem Jahr hätten ähnliche Ereignisse zu einem Crash geführt. Die Wahrnehmung hat sich abgestumpft. Daneben wurde positiv registriert, dass die USA die fiskalische Klippe vorerst umschiffen konnten. Es geht vergessen, dass die nötige Sparpolitik in einer Demo­kratie kaum durchsetzbar ist und Treiber für einen kräftigen Aufschwung fehlen.

Dennoch legen die Börsen weiter zu.
Solange das monetäre Doping wirkt, scheint dies tatsächlich der Fall zu sein. Der japanische Aktienmarkt zumindest bestätigt dieses Muster erneut.

Der Kauf von Aktien zahlt sich aus?
Derzeit sehen wir kaum akute Gefahren, die der Hausse arg zusetzen könnten. Denn die Märkte reagieren auf hässliche Überraschungen geradezu cool. Die Markttrends sind robust und wir ­sehen aufgrund einer gesunden Skepsis im Markt auch kaum Anzeichen von Übertreibung. Solange die konjunkturelle Bodenbildung noch so fragil ist, werden sich die Politiker hüten, die Drogen ­abzusetzen, sprich die Zinsen wieder zu erhöhen. Der Kater kommt später.

Wann?
Laut US-Notenbankchef Ben Bernanke dürfte die lockere Geldpolitik noch bis weit ins Jahr 2014 andauern.

Wie sollen sich die Anleger positionieren?
Wir setzen klar auf Aktien, ins­besondere aus Amerika und Japan. Was ­Europa betrifft, so sind wir neutral ­ein­gestellt, was durchaus Mut braucht. Doch wir sind der Meinung, dass der ­globale Aufwärtstrend auch Europa mitzieht. ­Zudem sind die Risiken grösstenteils ­bereits in die Märkte eingepreist.

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