Wenn die UBS bei vielen Ankündigungen ein unglückliches Händchen hatte, hinsichtlich der Vorveröffentlichung des 1.-QuartalsErgebnisses 2010 zeigten die Kommunikationsverantwortlichen und das in der Kritik stehende Top-Management ein gutes Timing. Zwei Tage vor der GV bestätigte die Bank die bereits Ende März durchgesickerten Eckdaten, ohne jetzt noch einmal zu überraschen. Zudem sind keine weitere Abschreiber auf illiquide Anlagen mehr zu befürchten. Vor Steuern soll der Gewinn der Bank bei mindestens 2,5 Mrd Fr. liegen. Der konzernweite Geldabfluss ist mit 18 Mrd Fr. tiefer ausgefallen, als von den Analysten befürchtet. Bei der Bank Vontobel ging man von 39 Mrd Fr. aus. «Wir erwarten, dass die Ankündigung positive Auswirkungen auf die Aktie haben wird», hiess es.

Erhöhung der Gewinnschätzung

«Das positive 1. Quartalsergebnis und die besser als erwartet ausgefallene Entwicklung beim Geldabfluss dürften positive Anpassungen der Gewinnschätzung nach sich ziehen», kommentierten die Analysten der WestLB. Allenthalben wurden Kaufempfehlungen bestätigt. In einem freundlichen Marktumfeld legte die Aktie, getragen von positiven Analystenkommentaren, um 3% zu. «Wir sehen weiteres Upside-Potenzial», so die Analysten von JP Morgan.

Skeptischer sind die Analysten von Keefe, Bruyette & Woods: «Wenn man die Analystenempfehlungen über alle Sektoren vergleicht, sind Banken der am wenigsten empfohlene grosse Sektor.» Es gebe weiterhin gute Gründe, die Banken zu meiden: Ungewisse Regulationen, einseitige Geschäftsmodelle, die nur noch vom Bondemissionsgeschäft leben, und drohende weitere Probleme bei den Anleihen von staatlichen Schuldern sind nur die wichtigsten.

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Laut dem jüngsten Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) haben die Schweizer Banken beispielsweise 58 Mrd Euro griechische Staatsanleihen in ihren Büchern, gleich viel wie die französischen Banken und fast doppelt so viel wie die deutschen. Wenn man die Finanzierungsgeschäfte herausrechnet, reduziert sich der Betrag laut den Analysten von Raymond James etwa um ein Drittel. Und auch dieser lässt sich über CDS-Derivate absichern.Dennoch gibt es auch in diesem Sektor Favoriten. Die Analysten von Morgan Stanley etwa zählen die Aktien der Credit Suisse neben denen von Barclays, der Bank of America, JP Morgan und Société Générale zu den Top-Picks der Branche in Hinblick auf die kommende Quartalsergebnissaison. Laut einer Statistik von Deallogic, einer Marktforschungsfirma für die Kapitalmärkte, zum Emissionsgeschäft im 1. Quartal 2010 hat insbesonders die britische Barclays an Marktanteilen gewonnen. Zugelegt hat aber auch die UBS. Noch dürfen sich die UBS-Anleger aber nur an den Kursgewinnen erfreuen. Dividenden sind laut den Morgan-Stanley-Experten bei der UBS erst 2012 zu erwarten.