Eine Rekordzahl von Unternehmen in den USA überbot die Gewinnerwartungen im 3. Quartal. Jedoch beruhte ein grosser Teil ihrer Profite auf Kostensenkungen. Das enttäuschte Investoren, die auf Umsatzsteigerungen gehofft hatten. Fast alle im S&P 500 notierten Unternehmen haben ihre Quartalszahlen vorgelegt. Laut Thomson Reuters machten 80% von ihnen mehr Gewinn, als von den Analysten prognostiziert.

Die Umsätze fielen, wie von den Analysten erwartet, um 10%. Die Sorge ist, dass die Gewinne ohne einen bedeutenden Anstieg der Umsätze nur kurzfristig steigen könnten. «Das zielt in das Herz der Frage nach dem Aufschwung», sagt Equity-Markt-Stratege David Kostin von Goldman Sachs. Die gute Nachricht ist aber, dass die US-Unternehmen auf so niedrigem Niveau wirtschaften, dass sich die Umsätze in den nächsten Monaten wieder beleben und damit folgerichtig auch die Gewinne noch steigen werden. Nach neun schlechten Monaten in Folge erwarten die Analysten im letzten Quartal des Jahres wieder deutliche Zuwächse.

Wal-Marts Zahlen sind beispielhaft für die Dialektik von guter und schlechter Nachricht in diesem Quartal. Das Unternehmen profitierte von Schnäppchenjägern und übertraf die Gewinnerwartungen mit Rekordzuwächsen. Die Geschäftsführer von Wal-Mart machten Effizienzsteigerungen und den Abbau von Lagerbeständen für den Gewinnzuwachs verantwortlich. Zudem sprachen sie vom «permanenten Preisverfall in unserem Geschäft», so im Lebensmittel- und im Elektronikbereich.

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Die Umsätze konnten indes mit den Gewinnsteigerungen des letzten Quartals nicht mithalten. Laut Goldman Sachs schaffte es nur ein unterdurchschnittlicher Anteil der im S&P 500 notierten Unternehmen, auch die Umsatzerwartungen zu überbieten. David Kostin nannte diesen Wert «schwach».

Fokus liegt jetzt auf Umsätzen

«Die Zukunft des Markts wird stark von den Gewinnen abhängen. Diese setzen sich aus Umsätzen und Margen zusammen», sagte Kostin von Goldman Sachs und fügte an, dass sich die Margen vergrössern lassen, weil sich Preiserhöhungen nicht durchsetzen lassen werden. «Und deshalb liegt der Fokus auf den Umsätzen, die enttäuschend waren.»

Positive Nachrichten leitet der UBS-Aktienmarktstratege Thomas Doerflinger aus den Quartalszahlen ab. Er sah einen «gesunden Anstieg» der Umsätze um 3,8% im Vergleich zum schwachen 2. Quartal und erwartet für das kommende Quartal sogar einen Umsatzzuwachs von 9%, der auch von den vom schwachen Dollar begünstigten Märkten ausserhalb der USA profitieren könnte. Daraus resultierend sagt Doerflinger eine «v-förmige Erholung der Gewinne in einer u-förmigen Wirtschaftsentwicklung» voraus.