Den Tag der Erde am 22. April nahm der weltweit grösste Einzelhändler Wal-Mart zum Anlass, seinen speziellen Beitrag zum Schutz des Planeten zu leisten. In den Regalen fanden die Kunden einen Monat lang 50 verschiedene Ökoprodukte. Alle seien umweltfreundlich produziert, und wer sie nutze, könne ein gesünderes Leben führen, warb Wal-Mart-Chef Lee Scott für die Aktion.

Die Börse honoriert die Ergebnisse des grünen Kurswechsels. Seit Jahresanfang legte die Aktie um 28% zu – trotz Subprime-Krise und sinkendem US-Konsumentenvertrauen. «Ohne Umsteuern hätte Wal-Mart weiter an Börsenwert verloren», glaubt Volker Weber, Direktionsmitglied der Fondsgesellschaft Swisscanto. «Nun aber begreift das Management, dass Ökologie nicht im Widerspruch zu ökonomischer Wertschöpfung steht, sondern vielmehr diese fördert.»

Rechte der Mitarbeiter stärken

Noch aber erfüllt das Unternehmen nicht die für die Aufnahme ins Portfolio des Nachhaltigkeitsfonds Swisscanto Green Invest geforderten Bedingungen. «Wal-Mart muss noch die Rechte seiner Mitarbeiter stärken und auch bei den Zulieferern auf die Einhaltung von Umweltstandards drängen», fordert Weber. Erst dann sei ein Einstieg möglich.

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Bis dahin könnte der Verzicht zulasten der Rendite gehen. Allerdings: Strenge Kriterien und ihre sorgfältige Beachtung schützen die Nachhaltigskeitsfonds auch vor schweren Verlusten. Das zeigt das Beispiel UBS. Die Manager des Swisscanto Green Invest hatten ihre Positionen bei der Investmentbank stark reduziert, weil sie die Anforderungen hinsichtlich der Corporate Governance verfehlte. «Anstatt verantwortungsvoll die langfristigen Interessen der Anleger zu beachten, konzentrierte sich ein enger Führungszirkel auf riskante Engagements im Subprime-Bereich, ohne die dabei notwendigen Kontrollmechanismen einzubauen», erklärt Weber.

«Wir haben das UBS-Management immer wieder zu mehr Transparenz aufgefordert, aber nie erfolgte eine Reaktion», sagt Weber. Deshalb habe man sich von UBS-Anteilen getrennt. Eine weise Entscheidung. Innerhalb eines Jahres verlor die Aktie rund 50%.

Im Gegensatz zur UBS sehen Swisscanto und weitere Nachhaltigkeitsfonds den Aspekt der Corporate Governance, also einer auf ethisch-sozialen Werten orientierten Unternehmensführung, bei dem deutschen Waschmittelproduzenten Henkel in nahezu idealer Weise als erfüllt an. «Die hohe Sozialkompetenz des Unternehmens zeigt sich unter anderem an der konsequenten Mitarbeiterförderung», sagt Weber. Auch die Bereitstellung von Betriebskindergärten und flexible Arbeitszeitregelungen erhöhten die Motivation. Und diese sei letztendlich entscheidend für den langfristigen Unternehmenserfolg.

Wie Henkel steht auch Adidas bei Nachhaltigkeitsfonds hoch im Kurs. Die Manager loben die «Workplace Standards» des Sportartikelherstellers. Der Verhaltenskodex verbietet extreme Überstunden, gesundheitsschädigende Tätigkeiten sowie Kinderarbeit. Ein eigenes Expertenteam überprüft, ob die Bedingungen auch von ausländischen Zulieferern erfüllt werden. Dabei lässt sich Adidas auch von Nichtregierungsorganisationen vor Ort kontrollieren. Dank der globalen Durchsetzung seiner Arbeitsplatzkriterien ist Adidas relativ sicher vor Reputationsverlusten und damit einhergehenden Kurseinbrüchen.

Der Spielzeughersteller Matell hatte sich dagegen nie dafür interessiert, wie seine Zulieferer produzieren. Hauptsache, sie stellten die Waren kostengünstig her. Ein Fehler. Der Konzern musste vergangenes Jahr wegen möglicher Gesundheitsrisiken 18 Mio Spielzeugartikel made in China vom Markt nehmen. Dies löste einen gewaltigen Kursrutsch aus. Nachhaltigkeitsfonds waren davon allerdings nicht betroffen. Sie hatten den Titel wegen seiner Zuliefererpolitik nicht angefasst.

Die klaren Vorgaben kommen bei den Anlegern an. Allein im vergangenen Jahr stieg das Volumen der in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertriebenen Nachhaltigkeitsfonds um 90% auf 34 Mrd Euro.

Die grosse Nachfrage motivierte auch die dänische BankInvest für ihre nach sozial-verantwortlichen Kriterien gemanagten Investmentfonds. «Wir investieren grundsätzlich nicht in Firmen, die einen Teil ihres Umsatzes mit Tabak, Alkohol, Glücksspiel, Rüstung oder Pornografie verdienen», erklärt Stefan Stobbe von BankInvest. Nicht akzeptabel seien auch Firmen, gegen die Bestechungsvorwürfe erhoben werden. «Korruption zur Erlangung von Aufträgen hemmt die Innovationskraft und die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens», sagt Stobbe.

Brasilien auf gutem Weg

Sie gefährdet auch die langfristige Entwicklung eines Schwellenlandes. Deshalb verzichtet beispielsweise der BI Global Emerging Markets Debts auf Anleihen aus Russland. Dort gehe das hohe Mass an Bestechung klar zulasten des Wirtschaftswachstums, meint Stobbe. Gegen Brasilien-Bonds bestehen dagegen keine Einwände. «Das Land erfüllt zwar noch nicht westliche Wertvorstellungen von Demokratie und Rechtssicherheit. Der Reformeifer, die Liberalisierung der Wirtschaft und die Bekämpfung der Inflation reduzieren jedoch schon jetzt die Ausfallrisiken», sagt Stobbe. Die Ratingagentur S&P sieht das ähnlich. Sie stufte Brasilien in der vergangenen Woche auf Investment-Grade hoch.