Ausgeknockte Produkte, gerissene Barrieren, Klumpenrisiken in Kleinanleger-Portefeuilles, Klagen über unzureichende Beratungsgespräche, die Lehman-Pleite und wertlose Garantieprodukte: Strukturierte Produkte und ihre Emittenten hatten in den letzten Monaten einen schweren Stand.

Die Branche reagierte auf diese Herausforderungen eher zögerlich. Zwar werden jetzt die Emittentenratings der Derivate-Anbieter auf der Webseite des Schweizerischen Verbandes für Strukturierte Produkte (SVSP) veröffentlicht. Zusätzlich finden sich einschlägige Merkblätter und Details zu den Risiken auf der Webseite des Verbandes.

Zwei Drittel hören auf Berater

Und die kürzlich publizierte Studie zu strukturierten Produkten und Derivaten in der Schweiz zeigt, dass drei Viertel der Befragten zwar strukturierte Produkte und insbesondere Optionen kennen. Auch die Nutzung nimmt zu. Aber viele Anleger haben Wissenslücken bei der Funktionsweise: So weiss ein Drittel der Anleger nicht, dass man sich mit solchen Produkten gegen Kapitalverluste absichern kann. Und für 34% der Befragten sind die Produkte zu kompliziert, weitere 10% sagen, die Produkte sind zu intransparent.

Anzeige

Eine Schlüsselrolle kommt dem persönlichen Anlageberater zu. Er wird als wichtigste Informationsquelle genannt, 58% der Anleger vertrauen beim Kauf auf seine Empfehlung.

Nachholbedarf ist gross

Das Mitte September gegründete Swiss Derivative Institute (SDI) will jetzt für Abhilfe sorgen. Angeboten werden seit November Lehrgänge für eine «anspruchsvolle und professionelle» Zielgruppe.

«Bereits jetzt haben wir festgestellt, dass die Basisseminare teilweise etwas zu viel voraussetzen», stellt Martin Meier, der operative Leiter des SDI, fest. «Es gab Schwierigkeiten mit dem Verständnis von Termsheets und den Auszahlungsprofilen.» Vor allem die Risiken müssten stärker beachtet werden, denn weil beispielsweise die Barrier-Reverse-Produkte auch einen Coupon hätten, würden sie fälschlicherweise mit Obligationen assoziiert - obwohl sie laut Meier eigentlich die Charakteristik von Aktienanlagen hätten.

Im Gegensatz zu anderen Anbietern, wie beispielsweise Swissquote, richtet sich das Angebot des SDI vor allem an Berater und Vermögensverwalter. «Natürlich können auch Privatpersonen teilnehmen», sagt Meier weiter, «aber wichtig erscheint uns, dass die Teilnehmer im Alltag mit strukturierten Produkten in Kontakt kommen. Im Seminar selber lernen Sie dann mehr über die Konstruktion, die Funktionsweise und die Charakteristiken dieser Produkte kennen.» Die Kritik von Anlegern an ihren Beratern nach der Pleite von Lehman und den daraus resultierenden Verlusten wäre durch die Sensibilisierung auf Risiken, insbesondere Emittenten- und Klumpenrisiken, möglicherweise etwas gemildert worden.

Und auch bei den Kursabschlüssen sieht das SDI noch Verbesserungspotenzial. «Zwar bekommen die Absolventen bei nahezu allen in der Schweiz angebotenen Seminaren ein Abschlusszertifikat, aber idealerweise sollte ein solches durch eine unabhängige Stelle geprüft und standardisiert ausgestellt werden», zeichnet Meier die weitere Entwicklung voraus. «Durch ein in der Schweiz anerkanntes Zertifikat würde der Berater die Möglichkeit erhalten sich gegenüber dem Kunden als Experte auszuweisen und so das Vertrauen des Kunden zu stärken. Dabei gilt es stets im Interesse des Kunden zu handeln und das in den Kursen Gelernte zu nutzen, um eine für den Kunden optimale Lösung zu finden», meint Meier.