Die letzte Welle der Finanzkrise gipfelte in der Rettung von Bear Stearns, jetzt lässt die Sorge um die beiden amerikanischen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac die Fieberkurve im Finanzsystem steigen. Kurzfristig haben die besser als erwartet ausgefallenen Resultate der amerikanischen Banken JP Morgan, Citigroup und Bank of America die Gemüter beruhigt und die Aktienmärkte beflügelt. Enttäuscht hat dagegen Merrill Lynch.

In den Quartalsberichten der US-Banken zeigen sich aber auch erstmals deutliche Spuren der Konjunkturabschwächung. Damit hat die neue Welle der Finanzkrise auch eine zusätzliche Dimension erreicht: Die Subprime-Krise weitet sich in den USA zur umfassenden Hypothekenkrise aus, mit massiven Folgen für die Wirtschaft. Für viele US-Bürger fällt finanziell ein Kartenhaus zusammen. Im 2. Quartal musste die US-Bank Citigroup bereits fast gleich viele Verluste auf riskanten Papieren hinnehmen wie auf Ausleihungen, allen voran US-Konsumkrediten und Kreditkarten.

«Im 1. Quartal wurde bei den Abschreibungen auf riskanten Papieren wohl ein Höhepunkt erreicht, die Verluste auf Krediten steigen aber weiter», sagt Willem Sels, Head of Credit Strategy von Dresdner Kleinwort. «Diese Verluste werden sich über das ganze Kreditbuch erstrecken», erwartet Sels. Die Banken würden um ein Vielfaches belastet. Bislang waren die Kreditverluste der Banken vergleichsweise gering (siehe Tabelle). Im Zuge der Subprime-Krise mussten Banken rund 400 Mrd Fr. auf riskanten Positionen abschreiben. In den Schätzungen für die künftigen Verluste der Branche sind meistens auch die Kreditverluste enthalten. Dabei gehen die Prognosen sehr weit auseinander, Zahlen von über 1 Billion Fr. sind keine Seltenheit. Der Internationale Währungsfonds (IMF) erwartet, dass allein die Kreditverluste der Banken auf 100 bis 130 Mrd Dollar steigen.

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US-Häusermarkt zentral

Dieser sich ausbreitende Flächenbrand, der seinen Ursprung im US-Häusermarkt hat, wird wohl erst wieder abschwellen, wenn der Preiszerfall der amerikanischen Häuser gestoppt wird. Landesweit waren die Häuserpreise gegenüber dem Vorjahr um rund 15% gesunken. «Bis der Tiefpunkt in den USA Mitte 2009 erreicht wird, dürften die Häuserpreise um weitere 10 bis 15% zurückgehen», erwartet Sacha Holderegger, Analyst von Clariden Leu. Einer der wichtigsten Faktoren für eine nachhaltige Erholung sei die Stabilisierung der Häuserpreise.

Rückstellungen im Jahr 2009

In der Schweiz spüren die Bankinstitute diese neuen wirtschaftlichen Folgen der Finanzkrise noch wenig. «Die Schweizer Banken trifft es kaum, weil sie in den USA praktisch kein direktes Kreditgeschäft betreiben», sagt Andreas Venditti, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Dies ändert sich aber schnell, wenn sich die Konjunktur in der Schweiz abschwächen sollte. Venditti erwartet, dass einige Kantonalbanken im nächsten Jahr mehr Rückstellungen für Kredite bilden werden.

 

 


Credit Suisse: Im 2. Quartal wird kleiner Gewinn erwartet

Analysten rechnen damit, dass die Credit Suisse im 2. Quartal 2008 einen Gewinn von rund 600 Mio Fr. ausweist. Die Erträge haben weiter unter dem schwierigen Marktumfeld gelitten. Die neuen Abschreiber werden auf rund 1,8 Mrd Fr. geschätzt. Zudem wird durchschnittlich ein Bewertungsverlust auf dem Fremdkapital von 0,5 Mrd. Fr. erwartet.

Besonderes Interesse gilt den nach wie vor beträchtlichen Risikopositionen der Grossbank. Hoch waren per Ende März vor allem die risikobehafteten Bestände im Bereich Geschäftsliegenschaften in der Höhe von 19,3 Mrd Fr. und Verpflichtungen aus kreditfinanzierten Übernahmen über 20,8 Mrd Fr.

Im Wealth Management wird mit einem Neugeldzufluss in der Höhe von 7 Mrd Fr. gerechnet. Im Asset Management stehen dagegen Positionen über 2,2 Mrd Fr. im Fokus, die aus einem Geldmarktfonds auf die eigenen Bücher genommen wurden. Die Grossbank legt am 24. Juli 2008 das Quartalsergebnis vor.

Auch die Aktien der Credit Suisse leiden unter den garstigen Marktbedingungen. Seit Jahresbeginn haben die Titel knapp 32% verloren, während der Gesamtmarkt (SMI) etwas über 19% eingebüsst hat. Für viele Analysten ist es angesichts diverser Unsicherheiten noch zu früh für einen Einstieg: Nur gerade 27% empfehlen derzeit die Aktien der Credit Suisse zum Kauf. (ng)