Wie hat sich die Finanzkrise auf das Geschäft von Comet ausgewirkt?

Roland Zarske: Erfreulicherweise lassen unsere bisherigen Zahlen keine wesentlichen Rückschlüsse auf die Finanzkrise zu. Uns haben der Abschwung im Semiconductor-Bereich und der schwache Dollar im 1. Halbjahr 2008 weit mehr zu schaffen gemacht. Dennoch liegt unsere Book-to-Bill-Ratio über dem Vorjahr. Insofern können wir mit der derzeitigen Situation unter den gegebenen Umständen noch ganz zufrieden sein. Bisweilen werden aber, vor allem im Systemgeschäft, Bestellungen verschoben oder storniert. Auch werden die Finanzierungen für unsere Kunden zunehmend schwieriger. Dies zeigt schon, dass es im nächsten Jahr nicht einfach werden dürfte.

Wie weit geht Ihre Planungssicherheit?

Zarske: Im Modul- und Komponentengeschäft liegt die Visibilität bei etwa ein bis zwei Monaten, während wir im Systemgeschäft rund drei Monate voraussehen.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung im Halbleitermarkt?

Zarske: Dieser Markt durchlebt ein historisches Tief. Und obwohl eine Erholung erwartet wurde, ist derzeit noch keine entsprechende Tendenz erkennbar. Comet wird allerdings zu stark mit Semiconductors identifiziert: Wir machen knapp einen Viertel unseres Umsatzes im Bereich Vakuumkondensatoren. Davon geht allenfalls die Hälfte ins reine Semiconductor-Geschäft, sprich Speicher und CPU. Die andere Hälfte findet in der Herstellung von Flachbildschirmen und Solarpanels eine Anwendung. Dies sind wachsende Märkte.

Wie geht es nun weiter?

Zarske: Wir sind sicher, dass wir im Solarbereich am Marktwachstum partizipieren werden. Wenn Solarpanels im Plasmaverfahren hergestellt werden, sind unsere Vakuumkondensatoren gefragt.

Doch auch im Solarmarkt ist es zu einem Einbruch gekommen.

Zarske: Wir sind nicht unmittelbar am Endkundenmarkt. Insofern haben wir nicht völlige Visibilität, wo unsere Produkte in welchen Stückzahlen am Ende auf den Markt kommen. Trotzdem konnten wir den Umsatz dieses Jahr bisher verbessern. Allerdings ist ein Teil der Kondensatoren für die Solaranwendungen weniger werthaltig, weshalb mehr Volumen verkauft werden müssen.

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Wie wirkt sich die Krise der Automobilindustrie auf Comet aus?

Zarske: Etwa 40% unseres Systemgeschäfts gehen in den Bereich Automotive. Hier gab es unterjährig durchaus auch positive Tendenzen. Wir setzen darauf, dass Investitionen in die Produktivitätsverbesserung auch gerade dann getätigt werden, wenn die Fabriken nicht unter Volllast stehen.

Wie sieht es in Zahlen aus?

Zarske: Wir verzeichnen auch im Systemgeschäft noch immer eine bessere Book-to-Bill-Ratio als im Vorjahr. Mittelfristige Prognosen können und wollen wir im Moment aufgrund der allgemeinen Unsicherheiten aber nicht ausgeben.

Im Bereich Security sind Sie vom globalen Versand von Waren abhängig. Dieser dürfte durch die Finanzkrise ins Stocken kommen.

Zarske: Dass dieses Geschäft wegbricht, können wir derzeit nicht erkennen, im Gegenteil. Zukünftig könnte uns die Gesetzgebung zusätzlich helfen. Es geht derzeit in die Richtung, dass man nicht mehr nur Personen und deren Gepäck untersuchen will, sondern auch personenunabhängiges Frachtgut. Dies gilt zumindest auf mittelfristige Sicht. Unsere kürzlich vorgestellte High-Power-Röntgenröhren können hier eine wichtige Rolle spielen.

Zumindest der Dollarkurs hat sich zu Ihren Gunsten erholt.

Zarske: Unsere Umsätze verteilen sich zu je einem Drittel auf Europa, die USA und Asien. Während wir beim Euro einen «natural hedge» haben, weisen wir auf den Dollar eine Net-Exposure von etwa 25% auf. Wir haben dieses Jahr einiges getan, um die Dollarabhängigkeit aufzufangen, wie beispielsweise Dollargleitklauseln oder finanzielles Hedging. Gleichzeitig versuchen wir, im Dollarraum zu sourcen.

Welche Massnahmen planen Sie, falls Comet vom Downturn getroffen wird?

Zarske: Wir sind in unserer Planung relativ konservativ und haben an unserer Produktivität gearbeitet. Wenn die Produktzahlen nicht so wachsen wie ursprünglich geplant, nutzen wir diese Zeit für weitere Produktivitätssteigerungen.

Sie sind überaus zuversichtlich.

Zarske: Wenn man die Zeitungen aufschlägt, dann möchte man gar nicht weiterlesen. Bei uns sehen wir über das zuvor Gesagte hinaus noch keine wirkliche Krise. Zwar ist die Visibilität etwas beschränkt, und Comet ist nicht auf einer einsamen Insel, aber insgesamt sind wir zunehmend besser aufgestellt, auch wenn die Zeiten härter werden.

Wie wird das Ergebnis 2008 ausfallen?

Zarske: Wir haben als Zielwerte ein einstelliges Wachstum in lokalen Währungen und eine Profitabilität im Rahmen des Vorjahres ausgegeben. Wir werden uns diesem Wert eher von unten nähern, aber wo wir genau stehen, werden wir erst am Ende des Jahres sehen.

Wie sieht die regionale Entwicklung aus, insbesondere in den Vereinigten Staaten?

Zarske: Amerika ist für uns eine Wachstumsregion, die sogar über den asiatischen Märkten liegt. Dies kommt daher, dass das Security-Geschäft dieses Jahr sehr gut lief und wir dort auch Marktanteile gewonnen haben. Mit dem Ganzkörper-Scanning, welches jüngst durch die Medien ging, hat unser System aber nichts zu tun. Wir stellen vielmehr die Technologie für das Check-in-Luggage her. Aber auch im Bereich der Vakuumkondensatoren sind wir bisher in lokaler Währung durchaus gewachsen, trotz Semiconductor-Downturn. Der Grund war die von uns betriebene Vorwärtsintegration, dank der wir zusätzlichen Umsatz erzielen konnten. Leider geht uns in Franken ein Stück des Wachstums wieder verloren.

Das US-Geschäft wächst mehr als Asien?

Zarske: China ist weiter eine Wachstumsregion, wenngleich nicht mehr so stürmisch wie in den vergangenen Jahren. Unsere Herausforderung liegt eher in Japan, wo wir es immer wieder mit sehr starkem lokalem Wettbewerb zu tun haben.

In den letzten Jahren hat Ihnen die Entwicklung bei Feinfocus (Microfocus-Röhren) zu schaffen gemacht.

Zarske: Wir haben Feinfocus im Jahr 2004 akquiriert. Dies war für Comet ein grosser Sprung, da das Unternehmen bisher auf das Modul- und Komponentengeschäft spezialisiert war und im Systemgeschäft kaum Erfahrung hatte. Mit der Akquisition von Yxlon im vergangenen Jahr wurde Feinfocus zu einer Produktlinie innerhalb des Systemgeschäfts. Feinfocus ist nun voll integriert und wir erzielen die entsprechenden Kostenvorteile.

Die Probleme sind damit gelöst?

Zarske: Wir sind einen grossen Teil der Sorgen, die wir bisher hatten, los. Wir möchten nun noch stärker wachsen, nachdem wir die Kostenseite bereinigt haben.

Wird sich dies unter dem Strich positiv auswirken?

Zarske: Unser Ziel war schon in diesem Jahr, Feinfocus in die Nähe des Breakeven zu bringen. Durch die vollständige Integration wird dieses Ergebnis nicht mehr ausgewiesen. Doch eines ist sicher: Die nennenswerten Verluste von 2007 werden wir dieses Jahr nicht mehr haben. Es wird eine deutliche Verbesserung geben.

Wie geht es nun weiter mit Comet?

Zarske: Wir halten an unserer Guidance fest. Es mag sein, dass es aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen zu einer Zeitverzögerung kommt, doch ich sehe nicht ein, weshalb wir unsere Ausrichtung ändern sollten. Mittelfristig wollen wir zweistellig wachsen und einen Ebitda von 15% erreichen.

Die Comet-Aktie ist im laufenden Jahr um mehr als 60% eingebrochen.

Zarske: Wir kommentieren den Aktienverlauf nicht. Allerdings können wir uns der generellen Börsenentwicklung nicht entziehen.

Die Kursentwicklung war geprägt durch Investoren, die Verkäufe tätigen mussten.

Zarske: Es war sicherlich so, dass wir mit ACM einen Hedge-Fonds mit vergleichsweise grossen Anteilen im Portefeuille hatten. Diese sind inzwischen an grössere, mittelfristig orientierte Schweizer Fonds übergegangen.

Einer dieser Investoren ist Tito Tettamanti.

Zarske: Die Sterling Group ist nun seit fast zwei Jahren bei uns investiert. Es finden, im Wesentlichen auf Stufe Verwaltungsrat, offene und konstruktive Gespräche statt. Und ich denke, wir haben Grund zur Annahme, dass wir unterstützt werden.

Sind Veränderungen im Aktionariat vorgesehen?

Zarske: Wir gehen für die kommende Zeit von einem stabilen Aktionariat aus, mit dem wir unsere Strategie nachhaltig umsetzen können.

Wo steht Comet Ende 2009?

Zarske: Es gibt derzeit so viele Variable, dass wir heute nicht in der Lage sind, eine Guidance abzugeben. Wir sind zwar nicht ängstlich, planen aber etwas konservativer als noch vor einem halben Jahr.