Wer an Nahrungsmittelproduzenten denkt, denkt an Nestlé, Unilever oder Danone. Dabei haben auch die Aktien der kleinen Foodhersteller durchaus ihre Reize. So sind etwa Bell und Hügli mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 11,9 resp. 12,2 verglichen mit den europäischen Konkurrenten die am günstigsten bewerteten und damit ein wahres Schnäppchen. Ausserdem haben sich die meisten Titel im vergangenen schwierigen Aktienjahr ausgesprochen gut gehalten. So auch der Gipfeli-Bäcker Hiestand.

Zweistellige Zuwachsraten

Der Umsatz des Geschäftsjahres 2007 wurde bereits Ende Januar kommuniziert, er steigerte sich um markante 43,5% auf 740,7 Mio Fr. Am 2. April hat Hiestand seine Jahreszahlen 2007 publiziert. Erwartet wurde ein Ebit von 68,6 Mio Fr. (plus 31,7%) und ein Reingewinn von 40,8 Mio Fr. (plus 11,2%). Die zweistelligen Zuwachsraten zeugen vom guten Geschäftsgang im letzten Jahr. Das bestätigt auch ein Blick auf den Aktienkurs. Dieser steigerte sich – im schlechten Aktienjahr 2007 – um über 90%. Im vergangenen Monat taten die Aktionäre des Grossbäckers jedoch gut daran, sich ein stabiles Nervenkostüm zuzulegen.

Neuer Grossinvestor gefunden

Satte 46% stürzte der Aktienkurs innert weniger Tage in die Tiefe. Grund für den Sturzflug war der Ausstieg des Grossaktionärs Focus Capital. Rasch wurde jedoch mit dem Private-Equity-Unternehmen Lion Capital ein neuer Grossinvestor gefunden. Damit liegen heute rund zwei Drittel des Aktienkapitals in den Händen von zwei Grossinvestoren. Trotz dem deutlichen Kurseinbruch und der günstigen Bewertung – vier von sechs Analysten empfehlen «Halten». Auch der Fleischproduzent Bell legte deutlich zu im letzten Jahr. Der Wert der Aktien vermehrte sich um rund 36%. Gemäss Vontobel-Analystin Claudia Lenz lag das Jahresresultat 2007 über den Erwartungen. Der operative Gewinn erhöhte sich um 25% auf 73 Mio Fr., der Reingewinn stieg um 29% auf 57 Mio Fr. Im Anschluss an das Jahresergebnis erhöhte die Bank Vontobel ihr Kursziel von 2050 auf 2250 Fr.

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Akquisitionen stehen an bei Bell

Nachdem der starke Umsatzanstieg im Jahr 2007 durch Preiserhöhungen positiv unterstützt wurde, wird im Jahr 2008 wieder ein «normales» Wachstum erwartet. Ausserdem werden im Jahr 2008 Übernahmen im Ausland eine wichtige Rolle spielen. «Zurzeit werden verschiedene Akquisitionen im Ausland geprüft, wobei der Bereich Charcuterie im Vordergrund steht», präzisiert Lenz. Zwei von drei Analysten empfehlen den Titel Bell zum Kauf.

Die gleiche Empfehlung sprechen die Analysten für die Aktien des Nahrungsmittelherstellers Hügli aus. Auch dem Hersteller von Fertigprodukten mit Sitz am Bodensee gelang es, 2007 ein zweistelliges Umsatzwachstum zu erzielen: Um 13,2% stieg dieses auf 345 Mio Fr. «Hügli ist eine interessante Wachstumsstory im Nahrungsmittelsektor und hat bezüglich Wachstumsdynamik im Jahr 2007 überzeugt», denkt Analyst Daniel Bürki von der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

«2008 werden die steigenden Rohmaterialkosten die Nahrungsmittelhersteller beschäftigen», benennt Lenz eine Herausforderung an die Branche. Wie gut diese gemeistert werden können, hängt davon ab, in welchem Marktsegment (Premium, Marken etc.) das Unternehmen tätig ist. Je nachdem können die Preise besser überwälzt werden.