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Aktien
Nebenwerte im Hoch

Grösste Fondsklasse: 58 Milliarden Franken liegen in Franken-Obligationen. Bild: Peter Frommenwiler

Schweizer Aktien Seit Monaten performen Small- und Mid-Cap-Aktien überdurchschnittlich. Hinter welchen Titeln sich noch heisse Storys verbergen.

Von Matthias Egger
am 20.11.2014

Der Index für Schweizer Small und Mid Caps (SPI Extra, SPIEX) legte seit Jahresbeginn um knapp 9 Prozent zu. Diese Avance folgt auf ein Plus in den Vorjahren von 14 Prozent (2012) und 28 Prozent (2013). Die Bewertungen haben wieder einen historischen Höchststand vom 18-Fachen der Gewinne des laufenden Jahres erreicht. Und sofern auf der makroökonomischen Ebene keine neue Gewitter aufziehen, gibt es aufgrund der steigenden Gewinne weiteres Kurs­potenzial nach oben: In den kommenden Jahren wird ein Gewinnwachstum von 8 bis 10 Prozent erwartet.

Die Indexperformance des SPIEX, der die 200 Werte ausserhalb des SMI misst, wird dieses Jahr lediglich von einem Drittel der Börsenwerte geschlagen. Während also ein paar wenige Aktien in diesem Jahr eine Glanzperformance ausweisen, schneidet eine Vielzahl von Aktien deutlich schwächer ab als der Index. Defensive Werte haben 2014 eine bessere Performance erzielt als zyklische Werte, die unter der Abschwächung der Konjunkturaussichten in Europa gelitten haben.

Markt setzt auf Gewinner der Zukunft

Ein ähnliches Bild zeigt sich auf dem liquideren SMIM-Index, der die 30 grössten Mid-Cap-Titel des Schweizer Aktienmarktes abbildet: Dieser legte ebenfalls um 9 Prozent zu. Dabei übertreffen 10 Werte den Index, 20 liegen darunter.

Es fällt auf, dass die Kursentwicklung der Outperformer deutlich stärker ist als die Entwicklung der Gewinnerwartung. Der Markt setzt auf Storys von Unternehmen, die zu den Gewinnern der Zukunft gehören: Firmen, die morgen oder übermorgen Marktanteile gewinnen werden, von strukturellem Wachstum profitieren, ausgezeichnete Produkte oder Dienstleistungen auf dem Markt haben.

Diese heissen Storys finden sich in den Werten AMS, Temenos, Sonova und Lonza innerhalb des SMIM, bei den Werten unterhalb des SMIM sind es die Werte Santhera (2350 Prozent Kursgewinn, Biotechnologie), Myriad (216 Prozent, Messaging-Dienst), Leonteq (128 Prozent), Conzetta (68 Prozent), Straumann (40 Prozent) und Comet (37 Prozent).

Diese Kursexplosionen können sich im Nachhinein als Blase herausstellen. Denn nicht alle von Investoren erhofften und von Firmenchefs kommunizierten Ziele gehen auf. Die Realität ist härter als das Papier und viele Konzepte, Produkte und Ideen reichen bei Weitem nicht an die Prognosen heran. Kursexplosionen, die berechtigt sind, und Unternehmen, die weiterhin zu den Gewinnern zählen werden, sind nach Meinung von Mirabaud Leonteq, AMS, Sonova und Lonza.

Leonteq hat kürzlich die Partnerschaft mit der asiatischen Bank DBS bekannt gegeben. Neu wird über das Leonteq-Netzwerk zusätzlich zu EFG International, Notenstein und Leonteq auch DBS verkauft. Weitere White-Label-Partner werden folgen, erwartet wird ein Abschluss mit einer europäischen Bank. Das Businessmodell ist global exklusiv; mit den neuen Abschlüssen gewinnt Leonteq an Reputation und Anerkennung unter Banken, Kunden, aktuellen und potenziellen neuen Mitarbeitern und Aktionären. Das Geschäft wird weiter stark wachsen und der Aktienkurs an Wert gewinnen.

Der in der Schweiz kotierte österreichische Technologiekonzern und Halbleiterhersteller AMS hat sich mit dem Near Field Communication (NFC) Booster im iPhone 6 von Apple weitere Umsatzanteile gesichert. Jedes iPhone 6 und 6 Plus enthält einen Anteil von AMS im Wert von 1 Dollar, weitere Smartphone-Hersteller werden folgen. Analoge Sensoren wachsen stark in ihrer Verbreitung (Auto, Kommunikation, Medizinaltechnologie), zudem gewinnt AMS Marktanteile. Die ­Erfolgsstory wird sich fortsetzen.

 

Matthias Egger, Fondsmanager, Mirabaud, Zürich.

 

Perspektiven: Kurseinbrüche für Zukäufe nutzen

Besser als Boom-Märkte Mit einer annualisierten Performance von über 10 Prozent seit 1996 zählen Schweizer Small und Mid Caps zu einer der besten Aktienklassen weltweit. Nicht einmal die historisch boomenden Aktienmärkte von China und Brasi­lien vermögen die Schweizer Werte zu übertrumpfen. Die Gründe für diese Performance sind unter anderem in der Qualität des Managements und der Mitarbeiter von Schweizer Firmen zu finden. Die Schweiz mit ihrer im weltweiten Vergleich sehr hohen Lebensqualität zieht ausländische Manager und Mitarbeiter an. Innovation, ein Garant für zukünftigen Erfolg, wird in der Schweiz grossgeschrieben.

Starker Franken Schweizer Firmen entwickeln sich schneller als das globale Bruttoinlandprodukt und gewinnen Marktanteile. Der starke Franken verleiht ausländischen Anlegern Sicherheit, für sie ein gewichtiges Anlageargument. Dies schlägt sich in einer höheren Bewertung der Schweizer Firmen im Vergleich zu europäischen Unternehmen nieder.

Kaufchancen An dieser Konstellation sollte sich nichts ändern. Weitere Initiativen, die die Zuwanderung in die Schweiz noch weiter einschränken wollen, könnten sich jedoch negativ auswirken. Schweizer Firmen sind auf Fachkräfte, auch aus dem Ausland, angewiesen. Der Erfolg der Schweizer Small und Mid Caps wird weitergehen. Kurseinbrüche, wie im Oktober 2014 zu beobachten, sollten deshalb für Zukäufe genutzt werden.

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