Der Dollar hat gegenüber dem Euro zu einem kräftigen Höhenflug angesetzt. Von 1.5870 am 21. Juli ist er bis auf 1.374 Dollar/Euro gestiegen. Gegenüber dem Franken kletterte er seit dem 11. Juli von 1.01 Fr./Dollar auf 1.12.

Das sind Kursgewinne, die manchen Anleger überrascht haben mögen. So auch Marcus Hettinger, Devisenstratege bei der Credit Suisse: «Es gibt viele gute Gründe, die für einen schwächeren Dollar sprechen.» Für Hettinger ist die Hausse denn auch nicht sehr solide unterlegt. Seiner Ansicht nach ist die momentane Dollarstärke in erster Linie durch die Kapitalströme bedingt. «Die europäischen Banken haben einen hohen Bedarf, um in Dollar denominierte Kredite zurückzubezahlen. Es ist somit das Deleveraging, das dem Dollar hilft», sagt Hettinger.

Bernanke bleibt wenig Pulver

Diese These wird zum Beispiel dadurch gestützt, dass der Yen gegenüber dem Dollar fest ist und sich auch der Franken relativ zum Dollar besser gehalten hat, als der Euro. Somit ist der Dollar unverhofft zum «Krisengewinnler» geworden, obwohl die USA im Zentrum des Finanzsturms stehen. Damit würde diese Stärke des Greenbacks nur von vorübergehender Natur sein. «Insgesamt ist somit damit zu rechnen, dass der Dollar wieder schwächer wird», sagt Hettinger. Er rechnet damit, dass sich die Turbulenzen wieder legen, und erwartet auf drei Monate 1.50 für den Dollar gegenüber dem Euro und gegenüber dem Franken 1.08. Wenn sich der Rauch der momentanen Verwerfungen an den Finanzmärkten verzogen hat und sich die Dollarnachfrage normalisiert, dann dürften aber wieder die nüchternen ökonomischen Fakten im Vordergrund stehen. Die USA werden mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine Rezession abdriften. In diese Richtung deutet auch der Arbeitsmarktbericht vom September. In ihm wurde die tiefste Zahl gearbeiteter Stunden seit 1964, als diese Statistik zum ersten Mal erhoben wurde, ausgewiesen. Die anderen beiden schwerwiegenden Probleme dürften die Geld- und die Fiskalpolitik sein. Die US-Notenbank hat seit dem 29. Juni 2006 die Leitzinsen von 6,25% auf 2,25% gesenkt. Damit hat sie zwei Drittel ihres «Pulvers» verschossen.

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Und das mit mässigem Resultat, denn die Finanzkrise zog weitere Kreise, und die Wirtschaft driftet in die Rezession ab. Damit erreicht die Notenbank nun rasch die Grenzen ihrer Möglichkeiten, das Finanzsystem und die Wirtschaft mit noch einigermassen konventionellen Methoden zu stabilisieren.

Rückkehr der goldenen Zeiten

Die Eintrübung rund um die US-Konjunktur könnte derweilen neue Dynamik in Goldanlagen bringen. Bricht Gold die Marke von 940 Dollar pro Unze, dann ist es möglich, dass es auf 1 200 bis 1 300 Dollar je Unze hochschnellt. Die Triebkraft wären die jetzige Verunsicherung über den Zustand des globalen Finanzsystems und die zusehends inflationistische Politik der führenden Notenbanken der Welt.

Aus fundamentaler Perspektive sind die Experten allerdings nur begrenzt optimistisch für Gold. Die Credit Suisse rechnet mit einem Goldkurs zwischen 875 bis 975 Dollar pro Unze Ende 2008. Goldman Sachs hat ihre Prognose für 2009 von 955 auf 876 gesenkt. Das grosse Fragezeichen in dieser Rechnung ist die physische Nachfrage nach Gold durch Investoren. Diese halten nach Angaben des World Gold Council 16% der weltweiten Bestände von 160 000 t. Das potenzielle Angebot von Gold erscheint damit enorm. Aber ein Teil davon ist in Schmuck gebunden und ein weiterer beachtlicher Anteil wird von Notenbanken gehalten.

Kein Gegenparteirisiko

Diese dürften zusehends weniger geneigt sein, Gold zu verkaufen während die Kleinanleger immer mehr auf den Geschmack kommen. Vielfach wird an der Börse gesagt, dass, wenn die Kleinanleger in einen Markt kämen, es an der Zeit sei, auszusteigen. Aber in diesem Falle könnte es durchaus einmal umgekehrt sein. Denn die «Kleinen» spüren, dass Gold ein Vermögenswert ist, bei dem es kein Gegenparteirisiko gibt. Weder ein Privates noch ein staatliches.