Die Nestlé-Aktien standen im frühen Donnerstagshandel unter Abgabedruck. Der weltgrösste Nahrungsmittelkonzern war mit dem vorbörslich veröffentlichten Zahlenset für die Periode von Januar bis September unter den Markterwartungen geblieben. Zudem senkte das Management auch den Ausblick für das Wachstum im Gesamtjahr 2016. Die Analystengemeinde zeigt sich in ersten Reaktionen denn auch entsprechend enttäuscht.

Nestlé notieren kurz vor 12 Uhr um 0,8 Prozent tiefer auf 74,05 Franken. Damit zeigen sich die Valoren gegenüber dem Eröffnungskurs indes etwas erholt. Die Titel hatten mit einem Abschlag von 2 Prozent eröffnet. Der Gesamtmarkt gemessen am SMI steht zur gleichen Zeit mit 0,2 Prozent im Minus.

Abschwächung des Amerikageschäfts

Die Privatbank Vontobel konstatiert unter anderem, dass das organische Wachstum von 3,3 Prozent unter den Erwartungen geblieben sei. Am Markt sei man von einem Zuwachs in Grössenordnung von 3,6 Prozent ausgegangen. Als Grund dafür nennt Vontobel unter anderem die Abschwächung des Amerikageschäfts. So hätten sich Preiserhöhungen dämpfend auf das Volumenwachstum ausgewirkt. Im Gegensatz dazu habe sich die Region Asien, Ozeanien und Subsahara-Afrika (AOA) besser entwickelt als angenommen - und dies trotz der herausfordernden Lage in China.

Wie Anleger schon in den Tagen vor dem Abschluss befürchtet hatten, musste Nestlé allerdings auch beim Ausblick zurückbuchstabieren. Der Konzern erwartet für das Gesamtjahr 2016 neu ein Wachstum um 3,5 Prozent. Bisher sei von einem organischen Wachstum wie im Vorjahr (4,2 Prozent) die Rede gewesen, heisst es bei Vontobel. Alles in allem wertet die Privatbank den Abschluss als enttäuschend. Aufgrund der Vorlagen der Konkurrenten Unilever und Danone stelle dies indes keine grosse Überraschung dar, so Vontobel. So habe der Markt bereits ein Wachstum von unter 4 Prozent antizipiert, heisst es. Auf die Vontobel-eigenen Schätzungen wiederum habe der vorgelegte Zahlenkranz nur einen geringen Einfluss. Vor diesem Hintergrund werden die Titel denn auch weiterhin zum Kauf empfohlen, und zwar mit einem Kursziel von 88 Franken.

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Negativ für einen defensiven Titel

Die Erwartungen seien zwar bereits im Vorfeld der Neunmonatszahlen nach unten geschraubt worden, heisst es derweil beim Finanzinstitut Baader Helvea. Nichtsdestotrotz seien die Resultate jetzt dennoch schwächer als erwartet ausgefallen. Die nach unten revidierte Guidance vermöge zwar nicht wirklich zu überraschen, sie sei aber für einen Titel, der eigentlich defensive Qualitäten habe, trotzdem negativ. Zudem stelle sich die Frage, ob Nestlé nicht bereits während des Quartals hätte informieren sollen. So erwartet Baader Helvea, dass das Anlegervertrauen negativ beeinträchtigt wird, zumal die Resultate nun auch unter dem Level von Unilever seien. Entsprechend wird mit einer negativen Marktreaktion im Tageshandel gerechnet. Dennoch hält das Finanzinstitut an seiner Empfehlung «Hold» und dem Kursziel von 83 Franken fest.

Bei der Zürcher Kantonalbank versucht man die Wogen etwas zu glätten. Nestlé habe die Konsenserwartungen beim organischen Umsatzwachstum leicht verfehlt, so ist einem Kommentar zu entnehmen. Was das wichtige Volumenwachstum anbetrifft, scheint sich das Unternehmen dem Verfasser zufolge jedoch gut geschlagen zu haben. Aufgrund des Spielraums bei den im Vorjahr stark gestiegenen Marketingausgaben rechnet er bei den Gewinnschätzungen nicht mit grösseren Abwärtsrevisionen.

(awp/gku/me)