Der aktivistische Nestlé-Investor Daniel Loeb wittert Potenzial beim chinesischen Online-Riesen Alibaba. «Jetzt ist die Zeit, um Alibaba-Aktien zu halten», heisst es im jüngsten Quartalsbericht des Hedgefonds Third Point. Die in New York kotierten Alibaba-Aktien haben am Mittwoch deshalb über zwei Prozent zugelegt.

Loeb ist Gründer und Chef von Third Point. Der 55-Jährige sagte den Aufstieg von Alibaba vor sechs Jahren voraus. Seither hat er massiv Geld investiert – direkt via Kauf von Alibaba-Aktien, indirekt via Kauf von Yahoo- oder Softbank-Aktien. Die beiden Firmen halten jeweils ein milliardenschweres Aktienpaket an Alibaba.

Schöne Wachstumsaussichten

«Alibaba hat in den letzten Jahren unsere Prognosen betreffend Gewinn, Umsatz und Wachstum immer wieder übertroffen», begründet Loebs Hedgefonds die Euphorie für den chinesischen E-Commerce-Riesen. Alibaba habe seine Werbestrategie angepasst und sei jetzt an einem Wendepunkt angekommen. «Diese Veränderungen sind ein Katalysator für weiteres Umsatzwachstum», prophezeit Third Point.

Loeb listet fünf konkrete Punkte auf. Erstens ist es Alibaba gelungen, ein gut funktionierendes Tool für personalisierte Werbung einzuführen. Seit letztem Herbst erhalten Alibaba-Kunden nunmehr massgeschneiderte Werbung, basierend auf ihrer Browser-Historie und ihrem User-Profil. Als Folge stieg die Klickrate bei der Werbung. Das lässt die Kassen klingeln, weil Werbekunden pro Klick bezahlen. Facebook und Google setzen seit Jahren auf diese Technologie.

Brands springen auf den Alibaba-Zug auf

Zweitens: Globale Firmen und deren Marken entdecken Alibaba. Ein Grossteil der Alibaba-Werbeeinnahmen stammt aktuell von relativ kleinen Firmen, sagt Loeb. Wirklich grosse Namen – etwa die Konsumgüterriesen Nestlé, Procter & Gamble, Unilever sowie deren Brands – sorgen nur für einen Bruchteil der Werbung auf Alibaba. Das soll sich in den nächsten Monaten ändern und den Geldfluss massiv in die Höhe treiben.

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Drittens: Die Alibaba-Tochter Taobao schraubt langsam die Zahl der Werbung pro Online-Seite nach oben – vor allem auf mobilen Seiten. Die Kunden haben das bislang gut aufgenommen, die Klickrate zog an. Diese Entwicklung soll weitergehen.

Cash mit Handy-Werbung

Viertens: Alibaba macht mehr Geld mit Werbung auf Smartphones. Vier von fünf Alibaba-Kunden kaufen mittlerweile auf dem Handy ein – nicht auf dem Desktop. Vor wenigen Jahren war das Verhältnis gerade umgekehrt. Die Veränderung hat anfänglich dazu geführt, dass die Werbeeinnahmen sanken, weil Werbung auf dem Desktop einfacher zu platzieren war. Dieses Problem ist nun gelöst. Im ersten Quartal 2017 waren die Werbeeinnahmen auf mobilen Endgeräten erstmals signifikant höher als jene mit Desktop-Computern.

Fünftens: Alibaba hat im Vergleich zu seinen globalen Mitstreitern Amazon oder Ebay eine tiefe Nettoumsatzrendite. Mit dem Aufstieg in die Liga der Technologieführer wird sich diese Kennzahl verändern und den Werten der Konkurrenz annähern.

Enttäuscht von den USA

Neben Alibaba empfiehlt Loeb auch die Aktien von BlackRock. Er sieht überdies den europäischen Markt im Aufwing. Hier tätigte Loeb jüngst auch das grösste Investment in der Geschichte seines Hedgefonds. Third Point kaufte sich für über drei Milliarden Franken bei Nestlé ein.

Enttäuscht zeigt sich Loeb dagegen von den USA, insbesondere von der US-Politik. Das erste Halbjahr blieb weiter unter den Erwartungen. Für das zweite Halbjahr erwartet der amerikanische Investor, dass die Konjunktur anzieht – «angetrieben von saisonalen Faktoren», wie es heisst. Entscheidend wird sein, ob es Trump gelingt, die Blockade in der Legislative zu beenden. Bisher hat die Trump-Administration noch kein einziges grösseres Gesetz durchboxen können. Die US-Firmen warten noch immer auf die versprochenen Steuersenkungen und horten deshalb massiv Cash und halten sich zurück, wenn es um grössere Transaktionen geht.