Wer rückt auf, wenn die Riesen der Wall Street kürzer treten müssen? Während sich Goldman Sachs und Morgan Stanley in Richtung konservative Geschäftsbank wandeln, bereitet sich eine Gruppe von kapitalkräftigen Private-Equity-Gesellschaften und Hedge-Fonds darauf vor, deren angestammte Geschäftsfelder zu übernehmen. Einige der kleineren Finanzplayer kommunizieren diese Nachricht bereits fleissig nach aussen – wohl wissend, dass die wochenlangen Turbulenzen die etablierte Ordnung an der Wall Street aufs Heftigste erschüttert haben.

Nachdem Merrill Lynch der Übernahme durch die Bank of America zugestimmt hatte, Lehman Brothers Pleite gegangen und AIG von der Regierung gerettet worden war, schickte Stephen Schwarzman, Chef der Private-Equity-Gesellschaft Blackstone, eine Voicemail an seine 1300 Beschäftigten: «Unsere Firma ist so aufgestellt, dass sie von den Markttumulten und der Kapitalknappheit profitiert.» Während er die Ereignisse an der Wall Street als «störend für jeden Einzelnen von uns auf der persönlichen Schiene» bezeichnete, betonte er gleichzeitig, dass, «sobald sich die Aufregung gelegt hat, so gut wie all unsere Geschäfte Vorteile aus der jetzigen Situation ziehen werden».

Investmentfeld ist offen

Auch die Hedge-Fonds-Firma Citadel Investment, die ein Anlagevermögen von etwa 20 Mrd Dollar managt, will in der Bankenwelt stärker Fuss fassen. Das Unternehmen plant, einen Geschäftszweig für die Beratung von mittelgrossen und grossen Banken zu errichten, der in technischen Fragen der Bilanzierung weiter hilft. Diese Art von Beratung ist das Hauptgeschäft der Investmentbanken und wäre eine neue Sparte für Citadel, so ein Insider. Die Firma ist sowieso schon mehr ein diversifizierter Finanzdienstleister als ein typischer Hedge-Fonds. Citadel ist in den USA der grösste Marketmaker im Optionsbereich und bietet Backoffice-Dienstleistungen für andere Hedge-Fonds an.

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Die tief greifenden Umwälzungen bei Goldman Sachs, Morgan Stanley, Merrill Lynch und Lehman führen zweifelsohne dazu, dass einige Hedge-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften noch stärker risikobehaftete Geschäfte übernehmen. Zu dieser Gruppe zählen Fortress Investment Group und Och-Ziff Capital Management.

Der Vorteil dieser Firmen: Sie sind attraktiv für Talente, sie werden mit Investitionsgeldern überhäuft und können durch ihre Grösse und vielfältige Ausrichtung weitere Kredite aufnehmen. «Viele der Leute, die nun Private Equity und Hedge-Fonds managen, sind einst aus den Banken geflüchtet», erklärt William J. Wilhelm, Professor der Finanzwirtschaft an der Universität von Virginia. Und einige der bestbezahlten Händler und Berater an der Wall Street seien eher zu kleineren Hedge-Fonds und Beraterfirmen wie Bruce Wassersteins Lazard und Evercore Partners gegangen, so Wilhelm.

Schwächere haben Mühe

Das alles heisst freilich nicht, dass in der Welt von Hedge-Fonds und Private Equity alles rosig läuft. Schwächere Hedge-Fonds sind in der aktuellen Situation gefährdeter denn je. Und Marktteilnehmer erwarten, dass viele Underperformer aufgrund strafferer Darlehensanforderungen bei den Banken, kombiniert mit Marktschwankungen und Verlusten bei vielen Fonds, noch in diesem Jahr aus dem Geschäft gedrängt werden.

Die grösseren Spieler macht das nur mächtiger. Auch Private-Equity-Firmen hatten während des vergangenen Jahres zu kämpfen. So ist die Aktie von Black-stone seit ihrem Höchststand im Juni 2007 um 50% eingebrochen.