Egal, welche Bank noch weitere Milliardenabschreiber aufgrund fauler US-Subprime-Hypothekenderivate melden wird – die Augen der Finanzchefs, Analysten, Hedge-Fonds-Manager und Anleger richten sich dann auf die ABX-Indizes.

Mit diesem Index sollten Banken und Anleger Anhaltspunkte für die Preise von Kreditderivaten bekommen, die sich auf «echte Marktpreise» und nicht auf unsichere Modellannahmen beziehen. Anleger sollten so die Möglichkeit bekommen, sich gegen Kreditausfälle absichern zu können. Dabei war dieser Index, der vor zwei Jahren von einem Konsortium von 16 Investmentbanken, darunter auch die UBS und Credit Suisse, sowie der Markit Group, konstruiert wurde, ursprünglich lediglich als Preisfindungsindikator vorgesehen.

ABX-Index als Marktindikator

Unterteilt sind die ABX-Indizes in fünf Subindizes, die wiederum aus einem Korb von je 20 besonders liquiden Credit Default Swaps (CDS) auf US-Subprime-Hypothekenobligationen bestehen. Die CDS sind etwas liquider als die teilweise nur sporadisch gehandelten Basiswerte. Wenn die Kosten der Kreditabsicherung und damit die CDS-Kurse steigen, fällt der ABX-Index. Diese CDS sind deshalb ein guter Hinweis auf die Rückzahlwahrscheinlichkeit, welche die Marktteilnehmer den US-Subprime-Papieren zubilligen. Der ABX ist weiter nach unterschiedlicher Bonität gestaffelt, die Bonität reicht von AAA bis BBB-. Die älteren 2006er Teilindizes stehen gegenwärtig höher als die 2007er Indizes. Für BBB-Papiere werden gegenwärtig zwischen 20 und 38% der Nominalwerte bezahlt, für AAA-Bonds 77 bis 94%. Die Differenzen zwischen den einzelnen Bonitäts-stufen liegen zwischen 10 und 30%.

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Wenn jetzt die Bonitätsprüfer reihenweise die Ratings für Subprime-Papiere beispielsweise von AAA auf AA kürzen, bedeutet das für die Banken einen (zusätzlichen) Abschreibebedarf von 8 bis 29%. Für ein – keinesfalls aussergewöhnlich grosses – 10 Mrd Dollar Portfolio wäre das ein Abschreiber zwischen 800 Mio und 2,9 Mrd Dollar. Das wissen natürlich gewiefte Hedge-Fonds-Manager und Anleger, die jetzt teilweise auf weitere negative Überraschungen setzen, weil die Buchlegungs- und Bewertungsvorschriften bei den Jahresabschlüssen ungleich strenger sind als bei den bisherigen Quartalsergebnissen.

Puts auf Bankaktien

Anleger, die sich gegen mögliche weitere negative Überraschungen absichern möchten, können das entweder über Index-Puts auf die einzelnen Bankaktien machen – hier stellen die Emittenten eine grosse Auswahl zur Verfügung – oder auf den breiten EuroStoxx-50-Index. Puts auf einzelne Bankenbranchenindizes werden in der Schweiz gegenwärtig nicht gehandelt. Positive Überraschungen wie die Meldung «Kein weiterer Abschreibebedarf» sind aber keinesfalls auszuschliessen – und hier bieten Banken-Calls, deren Ausübungspreis deutlich über den aktuellen Kursen liegen, die beste Hebelwirkung. Käufer von strukturierten Produkten schliesslich sollten auf einen ausreichend grossen Puffer bzw. eine Sicherheitsmarge zu den Knock-out-Schwellen achten. Sonst haben auch sie einen hohen Abschreibebedarf – genauso wie die Banken.