Und sie bewegen sich doch: Die Politiker in Peking wollen anscheinend noch in diesem Quartal die heimische Währung aufwerten. Der seit Juli 2008 mit einem festen Wechselkurs an den Dollar gekoppelte chinesische Renminbi soll in Minischritten steigen - um 3 bis 4% in den kommenden zwölf Monaten, so die Schätzungen am Markt.

Das wäre so konsequent wie bedeutend. Denn die Verschiebungen im Weltgefüge sind trotz oder gerade wegen der Wirtschaftskrise offensichtlicher denn je. Die Finanzlage sogenannter Schwellenländer ist inzwischen solider als die vieler hoch entwickelter Industrienationen.

Stabilität stärkt Währungen

Das Schuldner-Gläubiger-Verhältnis hat sich umgekehrt: China etwa ist grösster Gläubiger der USA. Zudem ist im Reich der Mitte wie auch in den anderen Bric-Staaten (Brasilien, Russland, Indien) die Gesamtverschuldung deutlich niedriger als in den USA, Japan und vielen europäischen Ländern, in denen die Verbindlichkeiten von Staat, Unternehmen und Privatsektor zusammen teils schon das Vierfache des Bruttoinlandprodukts erreicht haben.

An den Märkten zeigen sich die Verschiebungen aber erst langsam, wichtig ist aber vor allem die Entwicklung der Zinsen und der Währungen. Wo das Wachstum stark ist, wo Handelsüberschüsse erzielt werden und wo die Haushalte einigermassen solide sind, geht es bei den Zinsen und den Devisen nach oben.

So begann das Rohstoffland Australien wegen des boomenden Exportgeschäfts bereits im vergangenen Jahr mit Leitzinserhöhungen. Parallel dazu stieg und steigt der australische Dollar und beschert Anlegern hohe Wechselkursgewinne. Zinserhöhungen gab es zuletzt auch in Malaysia sowie Indien. Und Brasilien und Südkorea werden wohl bald nachziehen. Fehlte bisher nur noch die bedeutendste der aufstrebenden Wirtschaftsmächte: China.

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USA so hoch verschuldet wie nie

Die Stärke der Währungen von Rohstoffländern und aufstrebenden Volkswirtschaften ist gleichzeitig Ausdruck der Schwäche der etablierten Nationen und ihrer Währungen, seien es Dollar, Pfund, Euro oder Yen. Die USA etwa sind so hoch verschuldet wie noch nie. Amerika steuert auf ein Defizit von mehr als 90% des BIP zu - mehr als die meisten EU-Länder. «Der Dollar ist wirklich eine kranke Währung. Aber die anderen sind eben auch krank. Jetzt, wo es mit Griechenland an der Peripherie zu wackeln beginnt, da erwacht die Welt und sieht langsam ein, dass auch der Euro schwach ist», sagt der bekannte Schweizer Fondsmanager Felix Zulauf.

Wenn aber irgendwo viel Verschuldung gerechtfertigt wäre, dann in jenen Ländern, die einen Nachholbedarf in der staatlichen, industriellen oder privaten Infrastruktur aufweisen, sagt Konrad Hummler, Teilhaber der Schweizer Bank Wegelin. «Also in den Schwellenländern.» Leider sei aber das Gegenteil der Fall. «Die westlichen Schuldenberge werden durch die eigenen Banken, Notenbanken und durch die Schwellenländer finanziert - ein seltsames Durcheinander.»

China in die Pflicht nehmen

Das grundlegende Problem haben Leute wie Hummler und Zulauf längst erkannt: Die Fiskalpolitik und Staatsverschuldung der etablierten Länder ist auf Dauer nicht mehr tragfähig. Anpassungen bei Ausgaben und Einnahmen sind dringend nötig. «Wenn aber die notwendige Konsolidierung in den Industrieländern nicht deutlich genug ausfällt, wird das eine höhere Inflation und deutliche Wechselkursanpassungen nach sich ziehen», ist sich Sebastian Becker, Volkswirt bei der Deutschen Bank, sicher.

Bremsklotz in Sachen Wechselkursanpassungen war bisher China. Zwischen Sommer 2005 und Sommer 2008 hatte China eine Aufwertung des Renminbi gegenüber dem Dollar zugelassen. 21% stieg der Wert der Währung in diesem Zeitraum. Aus Sorge um den Export wurde der Tauschwert des Renminbi dann aber wieder festgezurrt. Dies kann jedoch keine dauerhafte Lösung sein. Dafür ist das Land inzwischen zu bedeutend. Seit 2007 hat China als Teil der aufgewerteten G-20-Gruppe grosser Industrie- und Schwellenländer wirtschaftlich und politisch an Gewicht gewonnen. Bestes Beispiel war der forsche Vorschlag Pekings, die Weltleitwährung Dollar durch einen Korb unterschiedlichster Währungen zu ersetzen. Wer so vehement auftritt, ist aber letztlich auch in der Pflicht, den immer noch stark regulierten Kapitalmarkt nach und nach zu öffnen. China käme damit auch den immer drängenderen Forderungen des Auslands nach, die in Chinas bisheriger Wechselkurspolitik Wettbewerbsverzerrung sehen. Bewegt sich Peking nun in dieser Frage, bedeutet dies für Europa und die USA bessere Exportchancen und damit Linderung der heimischen Probleme.

Auf der anderen Seite zieht dauerhaft stärkeres Wachstum steigende Importe nach sich. Und das führt zu Währungsreaktionen, vor allem in den extrem starken oder sehr schwachen Regionen. Viele Schwellenland-Währungen müssten darum aufwerten, die der Etablierten abwerten. Dieser Aufwertungsprozess ist jedoch schwierig. Schnelle und kräftige Aufwertungen könnten schwere Turbulenzen an den Finanzmärkten und Krisen in den exportlastigen Volkswirtschaften auslösen.