Derzeit ist an den Bond-Märkten wieder viel los: So werden im September alleine die USA 120 Mrd Dollar aufnehmen, während in der Euro-Zone in den kommenden Monaten Obligationen im Umfang von 280 Mrd Euro aufgelegt werden. Eingeläutet haben den Reigen Anfang September Frankreich und Spanien, die Staatsanleihen im Wert von 12,2 Mrd Euro verkauften; knapp 8 Mrd Euro muss Portugal aufnehmen. Hinzu kommen weitere Schuldner, die sich finanzieren müssen. Laut den Analysten von RBS werden US-Firmen aus dem Investment-Grade-Segment (Bonität BBB und höher) weitere Anleihen im Wert von 90 Mrd Dollar auflegen. Nur schon die angeschlagenen irischen Banken benötigen laut den Analysten der Bank of America 22 Mrd Euro von den Kapitalmärkten, zum Teil um durch den Staat gesicherte Bonds abzulösen.

Ruf der Agenturen hat gelitten

Wer Obligationen kauft, orientiert sich zumeist an den Urteilen der grossen drei Rating-Agenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch. Diese sind wegen der Finanzkrise jedoch selber unter Druck gekommen, weil sie bei vielen verbrieften Krediten und Hypotheken die Ratings viel zu optimistisch angesetzt hatten. Etliche dieser Verbriefungen faillierten trotz AAA-Noten und brachten, als prominenteste Beispiele aus der Schweiz, die UBS und Swiss Re in arge Schwierigkeiten. Auch die Probleme in der Eurozone hatten die Agenturen laut ihren Kritikern zuerst nicht vorhergesehen. Und als sie dann bei Griechenland, Portugal, Spanien und Irland mit Abstufungen drohten, wurden sie kritisiert, die Krise durch ihre tieferen Ratings noch zu verschärfen.

Dadong als Alternative

Mit der chinesischen Agentur Dadong bietet sich den Anlegern nun eine Alternative zu den Branchenführern. So hat das hierzulande weitgehend unbekannte Unternehmen Dadong sein erstes breites Länderrating veröffentlicht. Dadong Guan Jianzhong, CEO der vor 16 Jahren gegründeten Dadong International Credit Rating Company, nimmt dabei kein Blatt vor den Mund: «Der Grund der globalen Finanzkrise und der Schuldenkrise in Europa liegt darin, dass das gegenwärtige Kredit-Rating-System die Rückzahlfähigkeit der Schuldner nicht korrekt widerspiegelt und deshalb irreführende Rating-Informationen in die Welt gesetzt werden.» Auch Fabrizio Croce, Analyst bei Kepler, steht den Ratings der Agenturen skeptisch gegenüber: «Wenn man sich die Rating-Informationen der grossen drei Agenturen anschaut, sehen die verblüffend gleich aus. Man bekommt fast den Eindruck, die Regierungen hätten sich mit den Agenturen vorher abgesprochen.»

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Dadong berücksichtigt laut eigenen Angaben bei seinen Analysen zu den Länder-Ratings die Fähigkeit der Schuldner, ihre Schulden wieder zurückzuzahlen, viel stärker als die westlichen Agenturen. Triple-A-Höchstwerte bekommen von den Chinesen nur ganz wenige Länder, darunter auch die Schweiz, Norwegen, Australien, Dänemark, Singapur und Neuseeland. Bei etlichen weiteren Staaten bestehen beträchtliche Unterschiede zwischen den Einschätzungen von Dadong und denjenigen der westlichen Agenturen (siehe Tabelle).

Misstrauen gegen USA

Es gibt zahlreiche Argumente, die gegen die Legitimität von Dadongs Ratings sprechen: China ist keine Demokratie, die Korruption sei notorisch und bei den Ratings könnte die Regierung ein wichtiges Wort mitreden. Die US-Börsenaufsicht SEC hat Dadong sogar verboten, im amerikanischen Markt Fuss zu fassen.

Aber es gibt auch zwei wichtige Punkte, die für Dadong sprechen: Einerseits dürfte die chinesische Regierung ein grosses Interesse an der Sicherheit ihrer investierten Gelder haben und eher dem Urteil einer einheimischen Agentur vertrauen als den - aus ihrer Sicht - nicht wirklich vertrauenswürdigen Amerikanern mit ihrer Finanzkrise-Vorgeschichte. Zudem hat Dadong dank der eigenen Methodik etliche westliche Analysten überzeugt. China selber wird von Dadong übrigens als AA+ eingestuft.

Auch der globale Markt widerspiegelt die Einschätzungen der Chinesen. Während deutsche Anleihen ständig neue Tiefstände bei den Renditen testen, musste Portugal Coupons von 5,6% offerieren, um seine Papiere an den Markt zu bringen. Griechenland bietet gar 10,1%. Portugal bekommt von Dadong ein A-, vergleichbar mit den westlichen Agenturen. Griechenland liegt bei BB - das ist niedriger als Nigeria, Venezuela oder Ägypten, typisches «Junk»-Niveau. Für konservative Anleger kommen solche Bonds nicht in Frage.