Mit einem Strauss von strengeren Bankenregeln soll das Finanzsystem sicherer werden. Zudem wollen die Regulatoren möglichst verhindern, dass in der nächsten Krise die Steuerzahler erneut zur Kasse gebeten werden. Die bundesrätliche Expertenkommission «too big to fail» packt dafür auf das Regelwerk «Basel III» noch massive Kapitalpuffer für die beiden systemrelevanten Grossbanken. Dies bedeutet für UBS und Credit Suisse (CS), dass sie bei gleichen Risiken ihr Eigenkapital verdoppeln oder verdreifachen müssen.

Es kann noch viel passieren

Doch die Banken haben mehr als acht Jahre Zeit, um diese höheren Kapitalanforderungen zu erfüllen. «Die Märk-te gehen davon aus, dass bis 2019 noch viel geschehen kann und dass allenfalls auch die politische Diskussion noch den einen oder anderen Punkt relativieren wird», sagt Beat Bernet, Bankenprofessor an der Universität St. Gallen.

Und ein Blick zurück zeigt deutlich, was in einem derart langen Zeitraum an den Finanzmärkten alles vor sich gehen kann. Vor neun Jahren schockierten die Terroranschläge vom 11. September 2001 die Welt, kurz nachdem die Dotcom-Blase geplatzt war. Bereits sechs Jahre später brach die Subprime-Krise aus, die sich zum grössten globalen Börsencrash seit der grossen Depression auswuchs.

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Krisen nach Muster

Die beiden US-Ökonomen Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff haben die jüngste Finanzkrise mit den Krisen der letzten 800 Jahre verglichen. Ihr Fazit: Die Krisen, Paniken und Pleiten können sich zwar im Detail unterscheiden, doch die wesentlichen Elemente haben sich kaum verändert. Die Muster der Bankenkrisen gleichen einander. Börse und Immobilienmarkt schlingern mehrere Jahre, die Arbeitslosigkeit steigt und die Staatsverschuldung schnellt in die Höhe. Und nicht zuletzt sagen Investoren und Entscheidungsträger nach jeder Krise: «Dieses Mal ist es anders» - bis sich dann doch wieder die nächste Blase aufbaut, die am Ende platzt.

Häufig sind die tiefen Zinsen, mit denen eine Finanzkrise bekämpft wird, schon der Wegbereiter für die nächste Krise. So hielten die Notenbanken die Leitzinsen nach dem Platzen der Internet-Blase sehr lange sehr tief. Die billigen Kredite sorgten dafür, dass die Party an den Finanzmärkten noch ein paar Jahr weiter lief, bis der Kater folgte. Für Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut HWWI, ist deshalb klar: «Die nächste Finanzkrise dürfte wohl nicht noch neun Jahre auf sich warten lassen.» Die strengeren Vorschriften für systemrelevante Banken gingen zwar in die richtige Richtung, müssten aber viel rascher umgesetzt werden. Denn in der Zwischenzeit würden sich die Grossbanken zu noch grösseren Gebilden zusammenschliessen, was das «Too big to fail»-Problem zusätzlich verschärfe. Auf Befürchtungen, dass die neuen Vorschriften für die nächste Finanzkrise noch nichts taugen würden, reagiert Peter Siegenthaler, Präsident der Expertenkommission, gelassen: «Die vorgeschlagenen Massnahmen dürften schon früher greifen.» Denn die schrittweise Einführung des Pakets werde von den Regulatoren überprüft, und die Grossbanken dürften ihre Umsetzungsfristen nicht vollständig ausnutzen.

Auch sonst kommen einige Weichenstellungen, die nach der letzten Finanzkrise vorgenommen wurden, bereits zum Tragen. «Banken und Aufsichtsbehörden sind heute einiges weiter als vor zwei Jahren», sagt Straubhaar. So haben die Regulatoren etwa die Eigenmittel- und Liquiditätsvorschriften deutlich erhöht, während die Banken die Risiken reduziert und ihre Bilanzen verkürzt haben.

Doch diese Verbesserungen wurden von einem sehr tiefen Niveau aus ergriffen. Denn auch heute machen die Bilanzsummen der beiden Grossbanken noch immer ein Vielfaches des Schweizer Bruttoinlandprodukts aus.

Besser für Krise gewappnet

«Kommt es in den kommenden Jahren zu einer erneuten weltweiten Finanzkrise, so werden UBS und Credit Suisse diese mit Sicherheit besser überstehen als beim vorangegangenen Krisenfall», ist Finanzexperte Bernet überzeugt. Dennoch könnte eine solche Krise das inzwischen akkumulierte Eigenkapital gleich wieder reduzieren und so die Erreichung der gesteckten Ziele in Frage stellen.

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