Nach jüngsten Plänen der Bush-Regierung soll die Treibstoffeffizienz bei Autos bis 2015 auf 31,5 Meilen pro Gallone Benzin (entspricht etwa 50 km pro 3,8 l) gesteigert werden. Dieser Vorschlag wird von zwei Seiten kritisiert: Den Automobilkonzernen ist er zu streng, einer Reihe von Demokraten nicht streng durchgreifend genug.

Bei der Debatte geht es um die Umsetzung eines 2007 verabschiedeten Gesetzes, nach dem Autos und Lastwagen bis 2020 auf eine durchschnittliche Reichweite von 35 Meilen pro Gallone kommen müssen. Das Gesetz erlaubt dem Verkehrsministerium, Zwischenmarken festzulegen. Mit dem neuen Vorschlag würde der bisherige Durchschnittsverbrauch der US-Fahrzeugflotte um 25% gesenkt.

Die Umsetzung würde die Industrie etwa 46 Mrd Dollar kosten – eine der teuersten staatlichen Anordnungen aller Zeiten. Den Fahrern der unter die Verordnung fallenden Fahrzeuge würde sie über deren gesamte Lebensdauer jedoch eine Benzinkostenersparnis von rund 100 Mrd Dollar bringen.

Abgase versus Erdölbohrungen

Fahrzeughersteller warnen nun vor Jobverlusten, während die Regierungsseite den Vorteil betont, auf Ölbohrungen in umwelttechnisch sensiblen Bereichen verzichten zu können. Wenn das 35-Meilen-pro-Gallone-Gesetz bis 2015 umgesetzt wird, könnten die USA nach Berechnungen der Umweltschutzorganisation Natural Resources Defence Council 2020 zusätzlich 300000 Barrel Öl pro Tag sparen. Zum Vergleich: Die Offshoregebiete, in denen Bohrungen derzeit noch untersagt sind, würden laut Energieinformationsbehörde EIA im Jahr 2025 in der Spitze rund 220000 Barrel pro Tag fördern.

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Das Verkehrsministerium ist angehalten, die Treibstoffpreise bei der Festsetzung der Einsparmengen in Betracht zu ziehen. Dahinter steckt der Gedanke, dass ein höherer Benzinpreis die Nachfrage nach sparsamen Fahrzeugen steigert und Hersteller mit neuen, benzinsparenden Technologien rasch Gewinne machen können. Der aktuelle Regierungsplan basiert auf der Prognose, dass Benzin zwischen 2016 und 2030 rund 2,50 Dollar pro Gallone kosten wird. Einige Demokraten halten diese Prognose angesichts des aktuellen Preises von 4 Dollar pro Gallone für zu niedrig.

In- und ausländische Autohersteller klagen, die Regierungspläne würden sich verheerend auf ihre Produktion auswirken. 2008 gilt bereits als das schlechteste Jahr für US-Autoverkäufe seit mehr als zehn Jahren. Ford kündigte kürzlich einen Rekordverlust von 8,7 Mrd Dollar im 2. Quartal an und warnte in einem Schreiben an das Verkehrsministerium, der Konzern habe «weder die Ressourcen noch die Vorlaufzeit, um in unserer Fahrzeugflotte über die derzeitigen Pläne hinausgehende grössere Veränderungen durchzuführen». Manche Werke sollen aber auf den Bau kleinerer Fahrzeuge umgerüstet werden.

Das Gesetz geht viel weiter

General Motors warnt, dass bei Umsetzung der Vorschläge Produktionsanlagen geschlossen werden müssten. Bei Toyota klagt man, die angestrebte Effizienzsteigerung sei «viel höher, als auf Basis des Gesetzes von 2007 zu erwarten war».