Die Verkaufszahlen von Autos in den USA sind im Juni 2008 gegenüber dem Vorjahresmonat um 18% eingebrochen. Immer mehr Amerikaner verzichten angesichts der hohen Spritpreise auf die Anschaffung eines Trucks oder SUV, einstmals die Cashcows von General Motors, Ford und Chrysler. Stattdessen richtet sich ihr Augenmerk auf spritsparende Kompaktwagen und Hybridmodelle – ein Segment, das vor allem von japanischen Herstellern dominiert wird.

General Motors musste bei den Fahrzeugverkäufen einen Rückgang von 18% gegenüber Juni 2007 verkraften. Mit 262 329 verkauften Autos und Pickup-Trucks konnte GM seine Position als Nummer eins des US-Markts vor seinem Hauptrivalen aus Japan, Toyota, verteidigen. Dafür war allerdings einige Anstrengung vonnöten: So puschte GM seine Verkäufe im zurückliegenden Monat durch aggressive Rabatte und 0%-Finanzierungsangebote.

Noch härter traf es die zwei anderen Detroiter Autoriesen: Die Verkaufszahlen von Ford gingen um 28% auf 173462 Fahrzeuge zurück. Das sind die schlechtesten Juni-Ergebnisse seit 1990. Einen Einbruch von 36% bei den Verkäufen musste schliesslich Chrysler vermelden. Damit sinkt der Marktanteil des Autokonzerns zum ersten Mal seit Jahrzehnten unter die 10%-Marke. Gegen den Trend konnte sich immerhin Honda stellen. Die Autoverkäufe der Japaner in den USA stiegen um 1,1% auf 142 539 Fahrzeuge. Dafür war vor allem der gute Absatz der Civic-Kompaktmodelle und des Mittelklassewagens Accord Sedan verantwortlich. Der japanische Hersteller Toyota hat derweil ein anderes Problem: Er kommt mit der Produktion von Hybridmodellen nicht hinterher. «Wir haben derzeit keine Autos auf Lager», sagt US-Vertriebsleiter Chad Ratcliff. Die Folge: Auch Toyota erlitt einen Verkaufsrückgang von 21%.

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Rabenschwarze Wolken

Wie gross die Probleme der US-Autohersteller sind, zeigt die Tatsache, dass Chrysler vorvergangene Woche bereits Gerüchte um eine anstehende Insolvenz dementieren musste. Und jüngst schloss die Investmentbank Merrill Lynch auch einen Konkurs von General Motors nicht aus.

Branchenexperten raten deshalb zu raschem Handeln. Die Big Three aus Detroit müssten so schnell wie möglich Elektroautos oder Hybridmodelle auf den Markt bringen, das haben sie auch vor. Aber diese Offensive wird kurz- bis mittelfristig keine Antwort auf die Bedürfnisse des Massenmarkts sein. Hier drei Fahrzeuge, die Detroit helfen könnten, wenn sie denn erscheinen:

• Ein Familienwagen mit Platz für sieben Personen, der für 30 Meilen (48 km) nur 1 Gallone (3,8 l) Sprit braucht.

• Eine mittelgrosse Limousine, die mit einer Gallone 40 Meilen (64 km) schafft und nicht mehr kostet als ein Chevy Malibu, ein Ford Fusion oder ein Toyota Camry.

• Und ein Pickup-Truck, der gross genug für richtige Arbeit ist und auf dem Highway für annähernd 30 Meilen 1 Gallone Benzin verbraucht.

Aber kein Elektroauto. In erster Linie deshalb, weil Elektroautos für die Käufer noch kein Massenprodukt sind. Und zuerst müssen die drei Detroiter Hersteller ihre ehemaligen Käufer zurückgewinnen: Leute, die grössere Fahrzeuge mögen, die Familie haben und lange Distanzen fahren. Die Japaner bieten gerade in dieser Kategorie keine Autos an – ausser vielleicht den Prius im Segment mittelgrosse Limousine.

Das Sieben-Personen-Fahrzeug ist eine riesige Chance. Auf dem amerikanischen Markt gibt es aktuell kein vergleichbares Auto.

Grundlegende Neuausrichtung

Diese Produktideen mögen nicht sehr ambitioniert wirken im Umfeld der ganzen Diskussion um Hybrid- und Elektroautos. Tatsächlich wäre es aber für die amerikanischen Autohersteller eine ordentliche Leistung, solche Fahrzeuge in einem oder zwei Jahren auf die Strasse zu bringen. Um die Treibstoffeffizienz um 30% zu verbessern, bedarf es aber eines grundlegenden Redesigns der Fahrzeuge. Doch mit ein wenig mehr Zeit kann Detroit solche Autos herstellen, ohne teure Technologie.

«Das ist in fünf bis sieben Jahren möglich», sagt Jim Hall, Managing Director des Beratungsunternehmens 2953 Analytics, das Autofirmen bei der Entwicklung von Produktstrategien hilft. Hoffentlich liegt Hall mit seinem Zeithorizont bis zur Einführung dieser Autos falsch.