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Der internationale Währungsfonds prognostiziert, dass der afrikanische Kontinent bis 2012 durchschnittlich 5,6% pro Jahr wachsen wird. Damit liegt Afrika über der geschätzten globalen Wachstumsrate von 4,8%.Afrika hat sich dennoch in Sachen Medien- und Anlegerinteresse noch nicht etablieren können. Während die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) längst kein heisser Tipp mehr sind, halten sich die Anleger gegenüber Afrika immer noch zurück.

Die Weltbank schätzt zwar, dass sich die ausländischen Direktinvestitionen zwischen 2000 und 2006 auf fast 40 Mrd Dollar vervierfacht haben, doch der Ruf eines von Kriegen, Armut und Korruption geschüttelten Kontinentes haftet nach wie vor am Schwarzen Kontinent.

China buhlt um Afrikas Rohstoffe

Ohne geopolitische Risiken ist eine Investition tatsächlich nicht. «Die Kapitalmarktinfrastruktur ist mit Ausnahme von Südafrika noch schlecht. In einigen Gegenden muss auch mit politischen Risiken gerechnet werden, was aber nichts Neues ist», so Burkhard Varnholt, Chief Investment Officer der Bank Sarasin. Ausserdem existierten noch relativ wenige Titel, welche wirklich liquide seien, und diese seien bereits recht teuer bewertet, so der Ökonom. Varnholt reist seit mehreren Jahren etwa sechs Mal im Jahr nach Afrika und hat in Uganda ein Waisenhaus gegründet. Er ist überzeugt, dass der Kontinent in den nächsten Jahren für Anleger sehr attraktiv wird, weil er eine Vielzahl spannende Anlagethemen böte. Allein der riesige Vorrat an Rohstoffen beschert dem Kontinent grosses Interesse, unter anderem seitens Chinas. Der asiatische Riese verstärkt zunehmend sein Engagement in afrikanische Infrastrukturprojekte und Kredite. «Afrika hat alles, was China nicht hat: Weite, einen fruchtbaren Boden und Rohstoffe wie Öl, Holz und Nahrungsmittel», so Varnholt. Afrika verfügt über rund 10% der weltweit nachgewiesenen Erdölreserven und Bodenschätze wie Gold, Silber, Kupfer, Nickel, Platin und Diamanten. Vom derzeitigen Rohstoffboom profitiert der Kontinent entsprechend. In den nordafrikanischen Ländern beginnt ausserdem das Immobiliengeschäft zu blühen. Experten gehen davon aus, dass der Immobilienboom von Spanien auf Afrika überschwappen wird. Im Gegensatz zur überbauten Costa del Sol sind an der gegenüberliegenden Küste des Mittelmeers in Marokko, Tunesien und Libyen noch einsame Sandstrände zu finden. Ausserdem begünstigen Eigentumsrechte und Kosten das Baugeschäft.

Banktitel attraktiv für Einsteiger

Attraktiv für Anlageneulinge in Afrika könnte auch Ägypten sein. An der ägyptischen Börse sind die meisten Titel des Kontinents kotiert und ein liquider Einstieg ist gewährleistet. Auf Sektorebene sind für Investoren ausserdem die Finanzdienstleister attraktiv: «Dank vernünftiger Corporate Governance und höheren Kapitalrenditen», so Varnholt. Das Kreditgeschäft wächst rasant und auch Mikrokredite werden immer verbreiteter. Drei Emittenten – Merrill Lynch, ABN Amro und Goldman Sachs – bieten derzeit strukturierte Produkte an, welche in Afrika investieren. Mitte Dezember libriert Merrill Lynch drei Tracker-Zertifikate und zwei Kapitalschutz-Produkte. Die UBS prüft derzeit die Lancierung eines Produktes auf ihren Afrika-Index. Typischerweise investieren viele dieser Produkte aber nicht hauptsächlich in Unternehmen, welche in Afrika gelistet sind. Bei ABN Amro etwa enthält der Index Firmen, welche «ihren Ertrag zu mindestens 50% mit Rohstoffen aus Afrika erwirtschaften». Tatsächlich in Afrika kotiert ist darunter keine. Bei den Merrill-Lynch-Produkten sind immerhin fast die Hälfte der Unternehmen in einem afrikanischen Index kotiert.

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