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Neulinge mit Vertrauensbonus

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Neue Player treten in den Markt ein: Unabhängige Berater wollen sich jetzt ein Stück vom Kuchen ergattern. Die Nachfrage scheint vorhanden.

Von Maja Kälin
am 23.06.2010

Der Markt für Dienstleister im Bereich Finanzprodukte ist seit jüngstem um zwei Mitglieder reicher. Darunter ist einerseits die Nettobank, eine 100%ige Tochtergesellschaft der Bank Wegelin, die sich auf eine Online-Vermögensverwaltung mit Fokus auf indexnahe Instrumente wie Exchange Traded Funds (ETF) spezialisiert hat. Der Startschuss bei der Nettobank ist Ende April gefallen. Laut Stefan Jaeger, CEO der Nettobank, ist man mit der Entwicklung in den ersten beiden Monaten sehr zufrieden. «Wir konnten bereits am ersten Tag der Geschäftsaufnahme unseren ersten Kunden begrüssen, seither kommen täglich neue dazu.» Für positives Kundenfeedback sorgte laut Jaeger vor allem die Transparenz bei den Kosten.

Von Interesse positiv überrascht

Mit diesem Vorzug wirbt auch der zweite Neuling am Schweizer Finanzproduktemarkt, wobei nicht ETF, sondern das Segment der strukturierten Produkte im Fokus liegt. Die Firma Derivative Partner Invest AG (dp Invest) hat sich auf unabhängige Dienstleistungen im Bereich Beratung, Brokerage und Asset Management für strukturierte Produkte spezialisiert. Das Unternehmen ist eine 100%ige Tochter der Derivative Partners Holdings AG. Gemäss Oliver Tschan, Verantwortlicher für Brokerage und Verkauf bei dp Invest, sei man vom grossen Interesse an dp Invest überrascht worden. «Die Banken und Vermögensverwalter schätzen es, dass mit dp Invest im Bereich Brokerage endlich Bewegung in einen trägen Markt kommt.»

Mit ihrem Geschäftsmodell trifft dp Invest allerdings auf alteingesessene Konkurrenz. Picard Angst ist im Markt seit sieben Jahren tätig. «Die Kunden sind wieder bereit, etwas für die fachliche Beratung sowie für den Service zu bezahlen», stellt auch Maurice Picard fest.

Skepsis bei den Platzhirschen

Unabhängige Beratung ist offenbar wieder gefragt. Manuel Ammann, Professor für Finanzen an der Universität St. Gallen (HSG), beobachtet seit Längerem, dass Anleger ein erhöhtes Bedürfnis nach neutraler und unabhängiger Beratung an den Tag legen.

Die neue Firma sorgt aber nicht nur für Begeisterung innerhalb der Branche. Zumindest hinter vorgehaltener Hand wird etwa die Doppelfunktion von Eric Wasescha als Geschäftsführer des Schweizerischen Verbandes für Strukturierte Produkte (SVSP) und nun auch als Verwaltungsratspräsident von dp Invest kritisiert. Die Kumulation dieser beider Mandate liesse sich nur schwer miteinander vereinen und berge Interessenskonflikte, wurde moniert. Wasescha konterte an einer Pressekonferenz, dass es sich beim SVSP-Amt nur um ein Teilzeitmandat handle. Auch dass die Muttergesellschaft Derivative Partners als Datenprovider über viele Informationen über Emittenten verfügt, sorgt in der Branche für eine gewisse Skepsis. So sind die Emittenten denn auch zurückhaltend bei der Kommentierung des neuen Anbieters.

Der aktuelle Marktführer, die Zürcher Kantonalbank, will sich zu diesem Thema gar nicht erst äussern. Weniger zugeknöpft gibt sich Vontobel, die derzeitige Nummer zwei. «Sollte es dp Invest tatsächlich gelingen, neue Kundensegmente zu erschliessen, bietet die Firma einen Mehrwert für den Markt», sagt Georg von Wattenwyl, Leiter Advisory & Distribution Financial Products bei Vontobel.

Zu reden gibt auch das Gebührenmodell von dp Invest. Für dp Invest spricht, dass die Höhe der Retrozessionen dem Kunden transparent ausgewiesen wird. Die Firma berechnet für ihre Dienstleistung eine sogenannte «Broker Fee», einen - klar deklarierten - kleinen Anteil der Retrozession. Auf die Frage, ob damit kein Anreiz bestehe, Produkte mit höherer Retrozession zu empfehlen, antwortet Tschan: «Die Retros sind je nach Komplexität eines Produktes leicht höher oder tiefer, diese Unterschiede sind aber klein.»


Die Migros Bank mischt neu am Markt für strukturierte Produkte mit sie sichert gegen Pleiten wie bei Lehman

Die Pleite der Lehman-Bank 2008 spürten vor allem die Aktionäre und die Käufer von strukturierten Produkten. Wenn der Emittent konkurs geht, ist auch das Geld weg - denn bei einem Kapitalschutzprodukt bezieht sich die Garantie lediglich auf das Kursrisiko des Derivats, aber nicht auf das Überlebensrisiko des Emittenten selber.

Um das Emittentenrisiko bei Zertifikaten zu beseitigen, hat die Derivateindustrie im letzten Jahr die COSI-(Collateral Secured Instruments-)Produkte auf den Markt gebracht. Diese pfandbesicherten Produkte sollen auch die Pleite eines Emittenten üb erstehen. Der Emittent hinterlegt dabei Wertpapiere bei der SIX Swiss Exchange. «Allerdings ist bei der COSI-Lösung für den Kunden nicht transparent, welche Wertschriften bei der SIX als Pfand hinterlegt werden», sagt Thomas Müller, Leiter des Segments Premium Banking bei der Migros Bank, «zudem verursacht die Absicherung erhebliche Kosten.» Diese liegen zwischen 0,15 und 0,5% pro Jahr.

Jetzt bringt sich die Migros Bank bei einem kapitalgesicherten Produkt EFHHG, das von der EFG emittiert wird, als Gegenpartei und damit als Sicherheit ins Spiel. Basiswert sind 20 gleich stark gewichtete Schweizer Blue Chips. «Erstmals in der Schweiz ist eine Bank Gegenpartei für ein strukturiertes Produkt, bei welchem ein anderes Institut als rechtlicher Emittent fungiert», sagt Müller, «und es entstehen keine zusätzlichen Kosten.» Damit wird das Emittentenrisiko verschoben. «Die Kunden vertrauen der Migros Bank», sagt Müller weiter, «gerade in der Finanzkrise konnte unsere Bank ihre Stabilität nachhaltig unter Beweis stellen.» Weitere Produkte nach dem gleichen Muster, bei dem die Migros Bank als Garantiegeber auftritt, seien möglich.

Die Lehman-Pleite deckte indes auch teilweise grosse Mängel bei der Beratung auf. «Die Kunden werden detailliert über die Funktionsweise des Produkts und speziell über den Aspekt des Emittentenrisikos informiert; verspricht Müller. Dieses Kapitalschutzprodukt garantiere am Ende der Laufzeit das eingesetzte Kapital sowie einen Mindestcoupon, so Müller. (mn)

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