Die beiden US-Grossbanken Citigroup und Merrill Lynch meldeten hohe Verluste. Diese hätten jedoch noch schlimmer ausfallen können, wenn die Unternehmen nicht die Möglichkeit hätten, gewisse Abschreibungen ergebnisneutral auszuweisen. Die Citigroup gab Abschreibungen und Kreditausfälle im Umfang von 15 Mrd Dollar bekannt. Aber 2,3 Mrd Dollar aus anderen Abschreibungen flossen nicht in die Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens ein. Die sind unter dem Punkt «Other Comprehensive Income» erfasst. Unter dieser Position sind sämtliche Wertänderungen von Vermögensgegenständen und Schulden, die nicht über die Gewinn- und Verlustrechnung erfasst werden, zu finden.

Eine Frage der Verbuchung

Der Ansatz unter dieser Position hängt davon ab, wie ein Unternehmen die Wertpapiere klassifiziert: Ein Unternehmen kann sich entscheiden, eine Finanzanlage bis zur Fälligkeit zu halten. Dann wird sie im Normalfall zum Anschaffungswert verbucht. Ihr Wert wird nur dann abgeschrieben, wenn er als nachhaltig gemindert erachtet wird. Andere, ständig gehandelte Wertpapiere werden permanent zu Marktpreisen (market to market) bewertet. Wertänderungen werden ergebniswirksam.

Die Kategorie «Bereit zum Verkauf» stellt einen Mittelweg dar: Der Wert von Papieren wird je nach Marktpreisen herab- oder heraufgesetzt, aber die Verluste oder Gewinne tauchen nur unter der Rubrik «Other Comprehensive Income» auf. Dort verbleiben sie, bis eine Veränderung als dauerhaft angesehen wird. Erst dann werden die Verluste in die Gewinn- und Verlustrechnung mit einbezogen.

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All das ist durchaus im Einklang mit geltenden Bilanzierungsnormen. Dennoch schlagen Analysten Alarm, dass die beiseite gestellten Abschreibungen für Investoren noch schmerzlich werden könnten.

In einer aktuellen Analyse schätzt Credit-Suisse-Analyst David Zion, dass die Unternehmen im S&P 500 Ende 2007 auf 80 Mrd Dollar derart unrealisierter Verluste sassen.