Die Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull warf dunkle Schatten auf die Reise-Unternehmen. Die Kurse zerfielen zwar nicht gerade zu Staub, doch mussten Flughäfen, Airlines, Reiseveranstalter sowie Zulieferer massive Kursabgaben hinnehmen. Mit am stärksten eingebüsst hat in den letzten Wochen der Duty-Free-Shop-Betreiber Dufry. Die Valoren sackten am 19. April um satte 7,4% ab. Innerhalb der letzten fünf Wochen hat Dufry sogar rund einen Viertel an Wert verloren. Dafür ist zwar nicht nur der isländische Vulkan zuständig: Für den jüngsten Kursrückgang ist auch die Unsicherheit in Hinblick auf die Konzessionen in Rio de Janeiro verantwortlich.

Dufry: Auswirkungen begrenzt

Dennoch stellt sich die Frage, ob Dufry nicht zu Unrecht derart abgestraft wurde. Anlässlich der Publikation der 1.-Quartals-Zahlen hiess es, Dufry sehe die Auswirkungen des Vulkanausbruchs als «begrenzt» an. Schliesslich erwirtschaftet die Firma nur 14% des Umsatzes in Europa. Auch hinsichtlich der Lage in Rio ist man bei Dufry zuversichtlich: Die bestehenden Konzessionsverträge seien gültig. Auch der Vontobel-Analyst René Weber hält die Kursrückgänge der letzten Wochen für übertrieben. Er schätzt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2011 auf 14,7. Die meisten Analysten empfehlen derzeit, Dufry zu kaufen.

Von den Anlegern ebenfalls abgestraft wurde der Airline-Caterer Gategroup. Seit Mitte April verlor Gategroup rund 18% an Wert. Am 21. April bezifferte die Firma die negativen betrieblichen Auswirkungen auf den Umsatz auf 21 Mio Fr. und auf das Ebitda auf 8 Mio Fr. Dennoch hält die ehemalige Swissair-Tochter an der Prognose für die Ebitda-Marge von 7,5 bis 8% für das Jahr 2010 fest. Was den Kurs von Gategroup ebenfalls belastete, ist die Fusion zweier Grosskunden. Durch die Hochzeit von United Airlines und Continental Airlines könnte der Firma künftig Umsatz wegbrechen. Über die tatsächlichen Auswirkungen auf Gategroup kann jedoch derzeit nur spekuliert werden. Sicher ist: Ein Engagement in die erst seit Mai 2009 gelistete Firma hat sich für die Anleger bisher allemal ausgezahlt: Seit Kotierung ist der Wert der Aktie um 120% geklettert. Dennoch scheint das geschätzte KGV von 10,3 für 2011 noch nicht überteuert: Alle zuständigen Analysten geben ein «Buy»-Rating ab.

Anzeige

Reiseveranstalter unter Druck

Zwischen dem Ausbruch des Eyjafjallajökull am 14. April und dem darauf folgenden Montag, dem 19. April, wurden insgesamt rund 63000 Flüge annulliert. Das bekamen auch Reiseveranstalter wie Kuoni und Tui zu spüren. Deren Aktien büssten am 19. April 4,9 resp. 5,3% ein. Gemäss Kuoni verursachten die Flugausfälle durch den Vulkanausbruch Kosten von 18 Mio Fr. Das entspricht rund 30% der Konsensschätzung des Ebit für 2010. «Da Kuoni in Skandinavien keine eigenen Flugzeuge mehr besitzt, sind die Kosten tiefer als bei Anbietern mit eigener Flugzeugflotte ausgefallen», urteilt der Sarasin-Analyst Patrick Hasenböhler. Was Kuoni jedoch auch zu schaffen macht, sind die politischen Unruhen in Bangkok. Thailand ist für die Reiseanbieter eine wichtige Destination. Nicht nur aufgrund dieser ausserordentlichen Kosten sollte ein Kauf von Kuoni-Titeln derzeit gut überlegt sein. Adjustiert um die Restrukturierungskosten, rechnet man bei Sarasin mit einem KGV von 14 für 2011. Damit ist Kuoni teurer als der Durchschnitt der Mitbewerber (12,1).

Flughafen als Shoppingcenter

Am Flughafen Zürich führten die 3000 stornierten Flüge zu einem Umsatzausfall von 7 bis 8 Mio Fr. Die gestrichenen Flüge hatten ein tieferes Passagieraufkommen im April von rund 15% zur Folge. Analysten zeigten sich darüber jedoch wenig überrascht. Seit Mitte April verloren die Aktien des Flughafens Zürich knapp 10% an Wert, damit liegen die Einbussen tiefer als jene vieler Mitbewerber. Jüngst startete JPMorgen mit einer «Kauf»-Empfehlung die Abdeckung der Titel. Der Analyst führte als Stärke des Fughafens Zürich die guten Einkaufsmöglichkeiten an. Der Flughafen liegt nahe der Stadt Zürich, gleichzeitig ist er das drittgrösste Shoppingcenter der Schweiz. Durch die Öffnung am Sonntag ist der Flughafen gegenüber anderen Shoppingcenters im Vorteil.