Das Misstrauen gegenüber dem Dollar nimmt zu und treibt das gelbe Edelmetall in neue Rekordhöhen. «Der Goldpreis wird derzeit hauptsächlich vom schwachen Dollar beflügelt», sagt Norbert Rücker, Rohstoffanalyst bei Julius Bär. Mit Gold sichern sich die Investoren nicht nur gegen einen schwachen Dollar ab, sondern auch gegen Inflation.

Und in den letzten Wochen hat die Angst unter den Anlegern zugenommen, dass es den Zentralbanken nicht gelingen wird, die riesigen Mengen an billigem Geld rechtzeitig abzuschöpfen. Wie die Notenbanker diesen schwierigen Job meistern, wird sich erst in ein paar Monaten zeigen. Bis dahin könnten die Inflationsängste weiter steigen - und die Goldhausse weiter antreiben.

Korrekturen abwarten

«Stellt sich dann aber heraus, dass die Befürchtungen übertrieben waren, bricht der Goldpreis wieder ein», sagt Hans-Peter Hausheer, Leitender Ökonom bei der UBS. Über den Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten sieht er allerdings wie die meisten Analysten weiter steigende Goldkurse, und nennt ein Kursziel von 1150 Dollar je Unze. Doch nach der jüngsten Rekordjagd werde die Luft vorerst dünner und das Risiko eines Rückschlags steige. Solange die Zinsen noch tief sind, bleibt Gold im Vergleich zu Anlagen, die eine Verzinsung abwerfen, attraktiv. Auch deshalb fragen Anleger Gold immer häufiger als Finanzprodukt nach. So machten die Finanzinvestitionen im 2. Quartal bereits rund ein Viertel der gesamten Goldnachfrage aus.

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Rezession bremst Nachfrage

Dagegen rückt die Schmucknachfrage zunehmend in den Hintergrund. Allein in diesem Jahr sei im Zuge der Rezession die physische Nachfrage aus der Schmuckindustrie um mehr als 20% eingebrochen, sagt Rücker.

Im September ist dann aber in erster Linie die saisonale Nachfrage aus Indien ins Gewicht gefallen, dem weltweit grössten Goldimporteur. Im Vorfeld des indischen Lichterfestes Diwali und der Hochzeitssaison wurde deutlich mehr Gold für die Herstellung von Schmuck nachgefragt.

Die Nachfrage nach physischem Gold steigt aber auch noch von einer anderen, unerwarteten Seite her. Als Nachfrager auf dem Goldmarkt treten neu auch die Notenbanken auf, nachdem sie zuvor über Jahre ihre Goldbestände reduziert haben.

Gemäss Daten des World Gold Council waren die Zentralbanken im 2. Quartal Netto-Käufer von 14 t Gold. «Die westlichen Notenbanken sind langsam zufrieden mit ihrem Goldbestand und die Notenbanken in den Emerging Markets haben sehr viele Dollars, die sie mit Goldbeständen absichern wollen», erklärt Susanne Toren, Goldexpertin der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Für Platin spricht mehr

Dennoch besteht nach wie vor ein Angebotsüberhang an physischem Gold. «Auch wenn die Währungsaspekte momentan überwiegen und weitere Avancen möglich sind, darf der physische Angebotsüberhang längerfristig nicht missachtet werden», sagt Rücker.

In Vergleich zu Gold ist das Angebot der anderen Edelmetalle Silber, Platin und Palladium knapper und der Preis wird auch stärker von der physischen Nachfrage bestimmt. Zudem dürfte hier die Nachfrage auch stärker von den Finanzprodukten auf Edelmetalle getrieben worden ist.

«Platin ist derzeit attraktiver als Gold, weil das Angebot knapper ist», sagt denn auch UBS-Experte Hausheer. So ist etwa das Angebot durch Ausfälle in Südafrika belastet. Bei Platin könnte sich ein Einstieg lohnen, zumal der Preis zuletzt von Gewinnmitnahmen belastet wurde.

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Es gibt zahlreiche Finanzprodukte auf die verschiedenen Edelmetalle. Doch beim Goldpreis führt die schon fast mechanische negative Korrelation zwischen dem Goldpreis und dem Dollar automatisch zu Währungsverlusten für die Schweizer Anleger, die in Gold investieren. Deshalb sind vor allem Produkte interessant, die das Dollarrisiko absichern.

Zusätzliche Konkurrenz bei Gold-ETF mit tieferen Kosten

Gold-ETF investieren in physisches Gold. Seit dem 6. Oktober stehen Anlegern, die mit Hilfe eines Exchange Traded Fund (ETF) in Gold investieren wollen, zusätzliche Vehikel zur Auswahl. Die Credit Suisse hat ihre ETF-Palette mit dem Namen Xmtch um drei Gold-Fonds (in Dollar sowie gehedgte Vehikel in Franken und in Euro) ergänzt. Gold wird in Dollar gehandelt. Will der Anleger dennoch in Euro- oder Franken-basierte Produkte investieren, ist der Schutz vor dem Wechselkurs-Risiko angesichts des schwachen Dollar wichtig.

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Die Produkte verbuchen wenige Tage nach Lancierung bereits stattliche Umsätze. Mit den Gebühren bringt der Neuling nämlich die bisherigen Anbieter, den Platzhirsche ZKB sowie Julius Bär, unter Druck. Die CS verrechnet für ihr in Dollar gehandeltes Goldprodukt eine Total Expense Ratio (TER) von 0,3%, das Franken- und das Euro-Produkt belasten eine TER von 0,35%. Alle bisherigen Gold-Vehikel verrechnen Gebühren von 0,4%. Im September erzielte die Kantonalbank mit ihrem Gold-ETF noch den zweitgrössen Umsatz aller Schweizer ETF. Dem Vernehmen nach soll als Nächstes die UBS nachziehen und ebenfalls ETF auf Gold anbieten.