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Börsenausblick
«Nicht überstürzt auf Fed-Rhetorik reagieren»

Schweizer Börse in Zürich: Anleger sollen nicht überstürzt auf US-Notenbank reagieren. Flickr/Jensen/CC

Was bringt die neue Börsenwoche? Hans Olsen, Investmentexperte bei Barclays, sagt, was die Märkte bewegt und welche Schweizer Branchen im Fokus stehen.

Von Andrea Marthaler
am 23.03.2015

Gibt es Einflüsse der Vorwoche, welche an der Börse nachwirken werden?
Hans Olsen*: Die Anleger werden die leichte Veränderung des geldpolitischen Kurses der US-Notenbank von letzter Woche einpreisen. Sie hatte das Wort «geduldig» bei der Charakterisierung ihrer Absichten, wann die Zinsen zu erhöhen sind, gestrichen. Von Interesse sind auch die Kommentare von Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank. Der Franken sei überbewertet, sagte er. Die Bekräftigung, dass der Zinssatz für Sichteinlagen bei 0,75 Prozent unverändert bleibe, stellt eine Fortsetzung der Politik dar, die mit der Aufhebung des Franken-Mindestkurses im Januar begann. Jordan senkte zudem die Wachstumsprognose für 2015 auf weniger als 1 Prozent.

Welche Ereignisse werden die Woche prägen?
Die interessantesten Daten erwarten uns gleich zu Beginn der Woche aus der Eurozone: die März-Berichte zum Verbrauchervertrauen und die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende und das Dienstleistungsgewerbe.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Sollten die Zahlen zur Wirtschaftsaktivität den gegenwärtigen Kurs fortführen, wird dies einen anhaltenden Konjunkturaufschwung im europäischen Währungsraum signalisieren. Dies dürfte den jüngsten Höhenflug der Schweizer Aktienkurse stützen.

Welche Schweizer Unternehmen/Branchen stehen in nächster Zeit besonders im Fokus?
Von besonderem Interesse werden Aktien von Finanzdienstleistern sein, zumal die Anleger die Äusserungen der US-Zentralbank zu ihrer künftigen Zinspolitik einpreisen werden. Die leicht veränderte Rethorik dürfte sich beträchtlich auf die Stimmung der Anleger und damit auch auf die Wechselkurse auswirken.

Ihr Ratschlag für Anleger?
Anleger sollten nicht überstürzt auf den leicht geänderten Ton der US-Zentralbank reagieren. Die Zinsen in den Vereinigten Staaten werden unweigerlich nach oben tendieren, derweil die EZB die Zinsen weiterhin niedrig halten wird. Die Anleger sollten sich auf ein neues Kapitel im Zinszyklus einstellen.

Wo sehen Sie Risiken?
Das Risiko für Verluste könnte durch eine höhere Volatilität entstehen, die wiederum durch eine unerwartete Änderung des Tenors der US-Zentralbank oder enttäuschende Konjunkturzahlen aus der Eurozone verursacht werden könnte.

Wie schätzen Sie die Entwicklung an der Schweizer Börse über die nächsten 12 Monate ein?
Angesichts des Wachstumskurses der Länder, in die SMI-Unternehmen verkaufen, behält der Schweizer Markt seine Attraktivität. Die Gewinnsaison des ersten Quartals beginnt in den nächsten Wochen und die Anleger werden aufmerksam beobachten, wie sich die Schweizer Unternehmen im gegenwärtigen Umfeld behaupten.

*Hans Olsen ist Managing Director und Global Head of Investment Strategy für Barclays Wealth and Investment Management. In dieser Funktion ist er für die Asset Allocation und Anlageideen der Organisation verantwortlich.

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