Während des von Unsicherheit geprägten 1. Halbjahres konnten Unternehmensanleihen stark zulegen (siehe Grafik). Nun scheint es so, als ob sich die Voraussetzungen ändern würden und Aktien im zweiten Semester Firmenbonds überflügeln könnten.

«Nach der Lehmann-Pleite wollten die Anleger ihr Geld nur noch sicher parken», sagt Louis Landeman, Head Global Credit Research beim Private Banking der Credit Suisse (CS). Nun sind die Investoren wieder bereit, mehr Risiken einzugehen. Bei der CS wurden daher zuletzt wieder Zuflüsse bei Firmenbonds und Schwellenmarktfonds registriert. Doch sehr schnell geht diese Veränderung nicht vonstatten. «Privatanleger verfügen noch immer über hohe Cash-Bestände, diese sind seit März auch nicht signifikant zurückgegangen», so Olivier Müller, Teamleiter Aktienanalyse bei der CS. Vor allem die Zuflüsse zu Aktien halten sich noch in Grenzen. «Privatinvestoren sind keine First Mover, sie tendieren dazu, sich für Aktien zu interessieren, wenn die Märkte anziehen», sagt Müller.

Vor der Feriensaison dürfte daher wenig Aktivität bei den Privatanlegern zu erwarten sein, zumindest solange nichts Dramatisches an den Aktienmärkten passiert.

Anleihen kein Auslaufmodell

Ein Abzug der Mittel aus Unternehmensanleihen wäre daher auch verfrüht. «Wir bleiben optimistisch für Firmenbonds», so Landeman. Dies trotz der starken Rally zu Beginn des Jahres, die dazu führte, dass die Bewertungen für Anleihen mit Investment Grade, also Papiere mit einem S&P-Bonitätsrating von BBB- an aufwärts, auf beachtlichen Niveaus sind. «Für Unternehmensanleihen mit Investment Grade sind wir noch immer übergewichtet, Staatsanleihen werden eher untergewichtet», so Landeman.

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Die Analysten der Bank Vontobel gehen von einem weiteren langsamen Absinken der Risikoprämie aus, was für ein Investment bei Unternehmensanleihen spreche. Vor allem Anleihen aus dem Finanzsektor hätten für eine Normalisierung bei den Risikoprämien gesorgt. Durch positive Quartalsabschlüsse und die Beruhigung an den Märkten konnten sich die Prämien wieder den Bewertungen von Staatsanleihen nähern.

Bei der Credit Suisse bleibt man jedoch vorsichtig gegenüber Zyklikern oder etwa Automobilherstellern. Hingegen seien Energiewerte oder Telekomanleihen interessant. «Es empfiehlt sich, eine kurze Laufzeit zu wählen, da die Zinsen derzeit tief sind», sagt Landemann. Das Risiko, dass die Zinsen mittelfristig steigen, ist beträchtlich, dann könnten lange Laufzeiten ein Nachteil sein. Vor allem die riskanteren High-Yield-Bonds konnten zuletzt traumhafte Kurszuwächse verzeichnen. Der US-High-Yield-Index steht gegenüber Jahresanfang gegen 30% höher.

Bei hochverzinslichen Anleihen gilt es jedoch auf eine stärkere Diversifikation zu achten. Die Ausfallrisiken der Anleihen sind ernst zu nehmen, auch wenn bei den High-Yield-Bonds die Credit-Spreads (Risikoaufschläge gegenüber «risikolosen» Staatsanleihen) stark gesunken sind.

Staatsanleihen mit Bedacht

Ein drohender erneuter Taucher der US-Wirtschaft könnte bei den US-Staatsanleihen im 2. Halbjahr für eine Rally sorgen, so die Analysten der Bank Julius Bär. Auch scheinen deutsche Bundesanleihen derzeit attraktiv bewertet. Das Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) ist es, ein Absinken der Zinsen unter 1% zu verhindern. Bei Julius Bär geht man davon aus, dass die steigende Zahl der Arbeitslosen und der Deflationsdruck zu einer Leitzinssenkung im Verlauf des Jahres führen werden. Dies wird Auswirkungen auf die Bewertungen haben.

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Gegen Inflation wappnen

Die Notenbanken versorgen die Märkte weltweit massiv mit Liquidität. Bei einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage muss diese wieder abgeschöpft werden. Falls das nicht in ausreichendem Ausmass gelingt, droht Inflation. Sowohl Bonds als auch Aktien könnten unter einem solchen Szenario leiden.

Die Ursache der Inflation sei jedoch entscheidend, so Louis Landeman, Head Global Credit Research bei der Credit Suisse. Sollte die Inflation aus einer wirtschaftlichen Erholung resultieren, könnten sich Aktien behaupten. «Rohstoffaktien schützen den Anleger sehr gut vor der Inflation», sagt Olivier P. Müller, Teamleiter Aktienanalyse bei der CS. In einem solchen Szenario hätten eher Bonds Schwierigkeiten.

Credit Suisse empfiehlt daher, im Bond-Portefeuille einen Teil Inflation-Linked-Bonds zu halten. Dadurch, dass der Coupon regelmässig der jeweiligen Inflationsrate angepasst wird, bieten die sogenannten Linker einen günstigen Schutz vor einem Inflationsszenario. Die Instrumente bieten eine echte Rendite, unabhängig von der Inflation. Zudem weisen sie gemäss CS normalerweise eine negative Korrelation zu Aktienwerten auf.

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