Ein Unternehmen aus dem Swiss Market Index tanzt aus der Reihe. «Wir beabsichtigen, eine Dividende von 10 Rappen pro Aktie vorzuschlagen», sagte der neue UBS-Chef Sergio Ermotti Mitte November im Hotel Waldorf Astoria in New York. Seit der Finanzkrise hatte die Bank nichts mehr ausgeschüttet. Die letzte Dividende hatte – auf stark verwässerter Aktienbasis – 1.96 Franken pro Aktie betragen und war im Frühjahr 2007 ausgeschüttet worden.

Genau den umgekehrten Weg dürfte die Credit Suisse gehen: Analysten haben in den letzten Monaten hier ihre Schätzungen um mindestens die Hälfte gekürzt. Statt 1.30 Franken sollen von der Grossbank nur noch rund 50 Rappen pro Aktie an die Aktionäre fliessen.

Die Credit Suisse dürfte dieses Jahr keine Ausnahme sein. Flaue Kapitalmärkte und obsolete Strategien drücken die Aussichten der Geldinstitute in puncto Ausschüttungen. «Meines Erachtens werden Banken angesichts der strengeren regulatorischen Kapitalanforderungen beim Festsetzen der Dividenden sehr zurückhaltend sein», sagt Vontobel-Chefanalyst Panagiotis Spiliopoulos. Auch die Experten der Bank Julius Bär erwarten vor allem Kürzungen in der Finanzindustrie.

Auch Industrie leidet

Zuoberst auf der Kandidatenliste der Analysten für Kürzungen stehen neben der Credit Suisse auch die Regionalbank Valiant und die Privatbanken Julius Bär, Sarasin, Vontobel und EFG, die hohe Personalkosten auf Frankenbasis haben und etliche Onshore-Vermögensverwaltungserträge im Euroraum einspielen.

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Doch die Geldbranche ist nicht die einzige, deren Füllhorn leer sein wird. «Ebenso sind die Dividenden bei zyklischen Gesellschaften eher gefährdet», sagt Spiliopoulos. Laut Swissmen, dem Verband der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, leiden viele Industrieunternehmen dermassen unter dem festen Franken, dass jedes dritte rote Zahlen schreibt.

Besonders problematisch sind auch hier Unternehmen, bei welchen der Grossteil der Kosten in Franken anfällt, der Hauptteil der Einnahmen aber in Euro oder Dollar. Wenn sie es versäumten, ihre Vorprodukte ebenfalls aus Euro-Ländern zu beziehen und so den Kostendruck zu senken oder sich mit geeigneten Instrumenten (Finanzderivate, Termingeschäfte) abzusichern, wird es für sie eng.

ABB und Georg Fischer gelten bei Analysten als Beispiele von Firmen, die hier ihre Hausaufgaben gemacht haben. Beobachtet werden müssen dagegen viele weitere wie Sulzer, Rieter oder Schindler. Sulzer könnte eine leichte Kürzung der bisher bezahlten 3 Franken ankündigen, bei Schindler rechnen Analysten mit einer Kürzung um ein Fünftel und Rieter könnte die Wiederaufnahme der Dividendenzahlungen – ähnlich wie im Fall der UBS – eher symbolisch als substanziell gestalten.

Und bei OC Oerlikon müssen sich die Aktionäre laut Analysten noch mindestens zwei weitere Jahre bis zur Zahlung einer Dividende gedulden. Ein wichtiger Anhaltspunkt für weiterhin hohe Dividendenzahlungen bei einzelnen Aktien ist laut den Analysten von Julius Bär ein Gewinn, der mindestens 1,5 mal grösser sein muss als die Dividendenzahlungen.

Die UBS ganz vorne

Keine Gefährdung sieht Vontobel-Analyst Spiliopoulos bei defensiven Werten aus den Sektoren Pharma und Nahrungsmittel, aber auch bei inlandorientierten Valoren wie Immobilien. Grosse Werte wie Zurich Financial Services, Baloise, Swisscom, Roche, Novartis, Nestlé, Geberit, Syngenta sowie Kühne + Nagel dürften über eine «sichere» Dividende verfügen.

Bei den Small und Mid Caps gilt dies laut der Bank Vontobel auch für Mobilezone, Banque Cantonale Vaudoise, SPS, Orior, Ems-Chemie, Partners Group, Allreal und PSP. Allerdings gibt es hier mit Aryzta und Nobel Biocare auch Ausnahmen aus den auf den ersten Blick eigentlich dividendensicheren Sektoren.

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Neckischerweise ist die UBS auch der SMI-Wert, bei dem die längerfristigen Prognosen bezüglich der Dividendenaufstockungen am besten aussehen. Für 2013 rechnen Analysten bereits mit 34 Rappen und für 2014 mit 58 Rappen pro Aktie. Das entspricht Steigerungsraten von 340 Prozent und 71 Prozent – die höchsten seit dem Platzen der Internet-Blase.