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Wandel
Nie war die Rendite im Kunsthandel höher

Eine neue Generation von Investoren kauft Kunst für Millionen und treibt die Preise mit ungeahnter Schnelligkeit. Nie wurden mehr teure Werke versteigert als in diesem Mai.

Von Marc Iseli
am 02.06.2015

Ein Gemälde des französischen Künstlers Francis Picabia erzielte im letzten November einen Auktionspreis von knapp 180'000 Dollar. Nur sechs Monate später kam das Portrait einer nachdenklichen Dame im rot-orangen Kleid nochmals unter dem Hammer. Mindestens drei Bieter buhlten um den Zuschlag bei der Christie’s-Auktion im Mai. Das höchste Gebot lag bei 580'000 Dollar.

Damit hat das Gemälde aus den 1940er-Jahren eine Wertsteigerung von 220 Prozent erreicht, in nur einem halben Jahr. Zum Vergleich: Der SMI hat im gleichen Zeitraum rund 650 Punkte gewonnen. Das sind etwas mehr als 7 Prozent.

Spekulation mit Millionenwerken

Das Rendite-Phänomen ist einem neuen Trend geschuldet: Immer mehr Händler kaufen Kunstwerke, um sie kurze Zeit später wieder zu verkaufen. Ursprünglich beschränkte sich dieses spekulative Handeln auf junge, aufstrebende Künstler. Kunstintermediäre kauften Werke von noch unbekannten Talenten und hofften auf das grosse Los. Der Mitinhaber der renommierten Galerie Gmurzynska – Mathias Rastorfer – beschreibt es gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg so: «Du kaufst mehrere potenziell lukrative Werke und eines wird dann ein Erfolg.»

Der Trend weitet sich nun aber auch auf teure Gemälde aus. «Für einige aus dem Finanzsektor ist es zur Geldanlage geworden», sagt Rastorfer. Kunstwerke im Gegenwert von mehreren Millionen werden gekauft, nur um kurze Zeit darauf wieder verkauft zu werden. Eine Generation von Sammlern hat sich entwickelt, die eigentlich keine Sammler, sondern Spekulanten sind. Eine neue Anlageklasse ist geboren. Rastorfer sagt: «Bestimmte Künstler und Kunstwerke werden so zu einer Art Währung: handelbar und beweglich.»

Niedrige Zinsen treiben Nachfrage

Unterstützung erhält der Galeriebesitzer vom New Yorker Marktforschungsinstitut Skate’s. «Das anhaltende Niedrigzinsumfeld hat die Nachfrage nach Kunst in die Höhe treiben lassen. Die Käufer haben aber eigentlich gar kein Interesse am Sammeln», sagt der Gründer Sergey Skaterschikov.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: In den ersten zwei Maiwochen kamen 221 Kunstwerke unter den Hammer, die teurer als 1,5 Millionen Dollar waren. Vor acht Jahren, der letzten Blütezeit des Kunsthandels, waren es nur deren vier. 63 der 221 Werke wurden bereits früher einmal an einer Auktion versteigert. Das macht den Mai zur «spekulativsten Auktionssaison aller Zeiten».

Christie's an der Umsatzspitze

Der Handelsumsatz mit teurer Kunst erreichte ebenfalls neue Spitzenwerte: In nur zwei Wochen wurden Kunstwerke für 2,4 Milliarden Dollar verkauft. 66 Prozent des Volumens geht zurück auf das Auktionshaus Christie’s, 31 Prozent auf Sotheby’s.

Als teuerstes Gemälde ging Pablo Picassos Werk «Les femmes d'Alger» in die Annalen ein. Das 1955 erstellte Ölgemälde erzielte inklusive Kaufprämie rund 179,4 Millionen Dollar, nachdem der Hammer zuvor bei rund 160 Millionen Dollar gefallen war. Wer das Bild gekauft hat, ist bis heute nicht bekannt. Das Werk gehört aber auch zu jenen Gemälden, die schon mehrfach den Besitzer gewechselt haben. Zuletzt tauchte es 1997 an einer Auktion auf. Damals wurde es für 32 Millionen Dollar verkauft. Keine zwanzig Jahre später hat sich der Wert verfünffacht.

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