Trotzdem konnte der damalige US-Notenbankchef Alan Greenspan nicht erkennen, dass es sich hier um eine gewaltige Finanzblase gehandelt hatte. Nachdem der Crash vorbei ist, pendelt der Nasdaq heute bei 2358 Zählern immer noch mehr als 50% unter seinem einstigen Rekordhoch. Auch für den Dax war der 10. März ein Schicksalstag. Im Vergleich zu seinem damaligen Hoch bei 8136 Punkten notiert der deutsche Leitindex heute 26% niedriger.

Neben diesem betrüblichen Zehnjahrestag gibt es auf Sicht von einem Jahr aber auch ein erfreuliches Jubiläum zu feiern. Am 6. März 2009 erreichte der breit gefasste US-Index S&P 500 ein Tief von 666 Zählern und der Dax ein Tal von 3588 Punkten. Seither sind diese beiden Börsenindikatoren um 70 und 64% gestiegen.

Einmal ist es offensichtlich doch so, dass Aktien nicht immer steigen, wie es gewisse Marktbeobachter gern prognostizieren. Es gibt auch ausgeprägte Bärenmärkte. So lag der Dax im Jahr 1982 immer noch unter dem Höchststand von 1961 - mehr als 20 Jahre später. Mit anderen Worten, Aktien steigen sprunghaft im Laufe zeitlich eng begrenzter Hausse-Zeiten, stürzen dann aber wieder ab oder verweilen viele Jahren lang in einer quälenden Seitwärtsbewegung.

Deshalb muss der Anleger einfach vermeiden, dann in Aktien oder auch andere Anlagemärkte wie Immobilien und Rohstoffe einzusteigen, wenn die Euphorie des Publikums die Preise weit über den Trend getrieben hat.

Anderseits muss der Anleger auch den Mut haben, in einen Markt einzusteigen, wenn die Wirtschaftslage schrecklich ist und die Zukunft wirklich düster aussieht - genauso, wie es vor einem Jahr der Fall war. Dass das perfekte «Timing» nicht möglich ist, dürfte klar sein, aber der rationale Anleger sollte einfach, wenn die Preise bereits stark gestiegen sind und die Stimmung sich überschlägt, seine Positionen abbauen. Und erst wieder einsteigen, wenn Markteinbrüche stattgefunden haben.

Dazu muss man erkennen können, in welcher Phase der Börsenzyklus angelangt ist. Ich nehme beispielsweise an, dass der S&P 500, der Dax und die meisten anderen Börsenindikatoren der Welt nie wieder die im März 2009 erreichten Tiefpunkte sehen werden. Sollten nämlich die Börsen erneut um mehr als 10 bis 20% einbrechen, würden die Regierungen mit expansiven finanz- und geldpolitischen Stimulationspaketen gegensteuern. Diese Interventionen dürften die Börsen und andere Anlagemärkte vor dem Schlimmsten bewahren.

Dass diese Stimulationspakete langfristig eine negative Wirkung auf die Realwirtschaft und auf die Notierungen von Staatsanleihen haben werden, ist klar. Aber die provozierte Inflation würde Anleger mit Kauflisten auf das Börsenparkett treiben.

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Marc Faber, Investmentlegende und Autor des viel beachteten «Gloom Boom & Doom»-Reports, lebt in Chiang Mai, Thailand.

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