Wegen der sparkurskritischen Regierung in Athen griechische Aktien zu verkaufen, wäre nach Ansicht des Wirtschaftsnobelpreisträgers Robert Shiller eine Überreaktion.

«Derzeit in Griechenland Geld zu investieren – das mag sich vielleicht zunächst nicht gut anfühlen», sagte der Ökonom der US-Universität Yale am Dienstag auf einer Veranstaltung der Barclays in London. Die Kurse griechischer Aktien seien aber «niedriger als alles, was ich in den USA jemals gesehen habe. Das spricht für ein spektakuläres Investment», so Shiller.

Grosses Gewinnpotenzial

Die Lage in Griechenland mag gerade für Anleger schwierig sein, wie Shiller sagte. Bei der aktuellen Bewertung griechischer Unternehmen an der Börse bleibe aber deren Gewinnpotenzial unberücksichtigt. Er erhielt 2013 den Nobelpreis für Wirtschaft für seine Modelle zu den Schwankungen von Aktienkursen und anderen Vermögenspreisen.

Seit der Wahl von Alexis Tsipras zum neuen Ministerpräsidenten am Montag befindet sich der griechische Finanzmarkt in Turbulenzen. Aktienkurse und Anleihen fallen und darin drückt sich die Sorge um einen folgenschweren Konfrontationskurs der linksgerichteten Regierungspartei Syriza gegenüber den internationalen Gläubigern aus. Tsipras will das Land ausdrücklich in der Eurozone halten, aber die Bedingungen für die griechische Schuldenlast neu aushandeln. Der Athener Aktienindex ASE ist allerdings schon in den letzten sechs Monaten um etwa 39 Prozent eingebrochen.

Chancen in Peripherie-Ländern

Es sei bedeutsam, sich vom «Zeitgeist» zu trennen, und mechanisch auf Investments zu setzen, die normalerweise nicht richtig wirken, sagte Shiller, der nach diesem Modell auch ausdrücklich Investments in Aktien aus Russland, Italien und Portugal empfahl.

( bloomberg/ise)

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