Am Donnerstag, 15. April, werden die SBB Zahlen zum letzten Geschäftsjahr vorlegen. Wenn der Bundesbetrieb an der Börse kotiert wäre, würden Analysten ihre Schätzungen im Vorfeld aufgrund der bereits vorgelegten Geschäftszahlen anderer Bahnunternehmen anpassen. Die Deutsche Bahn etwa verzeichnete einen Umsatzrückgang um 12% und einen Einbruch des operativen Ergebnisses um ein Drittel.

Auf die SBB umgelegt und unter Berücksichtigung des unterschiedlichen Geschäftsprofils lässt sich ein leichter Umsatzrückgang aufgrund des schwächeren Cargo-Geschäfts auf insgesamt 3,4 Mrd Fr. und ein von 476 auf 400 Mio Fr. gemindertes Betriebsergebnis erwarten. Auch unter diesen Umständen dürfte man sich bei den Bundesbahnen auf die Schulter klopfen, so wie es die Konkurrenz in Europa tut. «Die Krise wurde gut gemeistert», heisst dort allenthalben das Fazit. Nur wenige Anleger dürften widersprechen, denn Eisenbahnbeteiligungen sind rar in Europa: Zwar gibt es in Grossbritannien einen liberalisierten Eisenbahnmarkt, aber der betrifft lediglich einzelne Personenlinien. Gesellschaften wie Firstgroup betreiben nur die - in der Regel frisch überpinselten klapprigen Personenzüge. Die Infrastruktur (Geleise, Bahnhöfe) sowie der Boden gehören staatlichen Gesellschaften.

Wo Warren Buffett zukauft

Für Anleger lohnend sind hingegen die Frachtgesellschaften. In Ländern wie Russland, Brasilien, Indien, Australien, Kanada und den USA wird zwischen 6 und 9,5% des Bruttosozialproduktes im Transportgewerbe erwirtschaftet. Im Frachtbereich liegen China, die USA und Russland weit vor allen anderen Ländern. Die Eisenbahnen sind auch deshalb begünstigt, weil die Treibstoffkosten von Zügen laut der Internationalen Energieagentur IEA fünf- bis zehnmal tiefer sind als die von Lastwagen. Die Kehrseite der Rechnung sind die hohen Fixkosten bei Eisenbahnen im Vergleich zum Strassentransport.

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In Nordamerika sind nach der Übernahme von Burlington Northern Santa Fe (BNSF) durch Warren Buffetts Berkshire Hathaway noch sieben grössere Eisenbahngesellschaften gelistet. CSX ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16 etwas günstiger bewertet als die Konkurrenten Union Pacific, Canadian National, Norfolk Southern, Canadian Pacific, Kansas City Southern oder Genesee & Wyoming und dürfte beim Gewinn in den kommenden Jahren etwas stärker zulegen als diese, glaubt man den Analysten.

In Europa bekommt der deutsche Waggon-Vermieter und Schienenlogistiker VTG von Analysten gute Noten. Goldman Sachs etwa empfiehlt die Aktien zum Kauf und hat das Kursziel auf 15.50 Euro von 13 Euro angehoben.

Attraktive «Schwellen»-Länder

Im Auge behalten sollten Anleger die aufstrebende brasilianische All America Latina Logistica. Die Gewinnschwelle dieses Unternehmens dürfte 2011 erreicht werden. Laut den Analysten von Goldman Sachs steht für Brasilien zudem eine Rekordernte bevor, womit All America Latina zu den grössten Profiteuren zählen dürfte - die Aktie sei ein klarer Kauf, heisst es im jüngsten Bericht.

Auch ein Blick nach Russland lohnt sich. Die private und an der Börse von Moskau gelistete Firma Globaltrans ist die Nummer drei im Fracht- und die Nummer zwei im Flüssigkeitstransportbereich nach der staatlichen Gesellschaft Freight One sowie der übrig gebliebenen Flotte der Russischen Staatsbahnen, die bald bei Freight Two angeschlossen werden soll. Laut den Analysten von JP Morgan dürfte Globaltrans der grosse Profiteur der Eisenbahnreform werden. Und weil die Kohle- und Stahlproduktion wieder anzieht, könnte gemäss JP Morgan der Umsatz in diesem Jahr um 20% und 2011 um weitere 30% ansteigen.