Die Silbernotierungen sind im Schatten des abbröckelnden Goldpreises in den vergangenen zwölf Monaten noch deutlich stärker unter Druck gekommen. Gegenüber Februar 2008, als die Feinunze Silber Preisspitzen von über 20 Dollar erreichte, haben sich die Kurse in der Zwischenzeit um knapp die Hälfte reduziert. Beim Gold ist der Rückgang nur halb so stark ausgefallen. Zudem hat sich der Goldpreis, im Gegensatz zum Silber, inzwischen wieder etwas erholt.

Ausschlaggebend für die Silber-malaise sind die Befürchtungen der Investoren, dass die Autoindustrie, welche das Silber für ihre Katalysatoren benötigt, zukünftig deutlich weniger neue Fahrzeuge produzieren wird, und dass ein Teil der neuen Modelle mit weniger Silber auskommt, weil anstelle des Benzinantriebs eine Fortbewegung mit Flüssiggas oder gespeichertem Strom erfolgt. «Wir gehen davon aus, dass man die Folgen der Kreditkrise vor allem auf der Nachfrageseite spüren wird», schreibt Credit-Suisse-Analystin Anita Soni Eng.

Schwache Aussichten für Silber

Sie hat ihr Kursziel für die Feinunze Silber für dieses Jahr um über 4 auf 12 Dollar zurückgenommen. Michael Jalonen, Analyst bei Bank of America/Merrill Lynch, weist darauf hin, dass der Futures-Markt in den USA für die Preisentwicklung eine wichtige Rolle spielt. Indexfonds (ETF), die physisches Silber kaufen, haben in den letzten Jahren ihre Anteile kontinuierlich auf 47 Mio Feinunzen gesteigert. Sie besitzen damit aber lediglich ein Drittel der Silberanlagen, die von «spekulativen Investoren» gehalten werden. Davon ausgenommen sind Minengesellschaften und industrielle Verbraucher. Einen «schwachen» Ausblick hat die Londoner Edelmetall-Researchboutique GFMS in ihrem jüngsten Marktbericht abgegeben. Neben der rückläufigen Nachfrage aus der Schmuckindustrie dürfte die Auflösung von kreditfinanzierten Risikopositionen («deleveraging») die wichtigste Rolle bei der Preisfindung spielen.

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Schlechte Stimmung

Offen ist, ob die schwächere industrielle Nachfrage durch ein stärkeres Interesse von Anlegern, die sich aufgrund langfristiger höherer Inflationserwartungen in Edelmetalle stürzen, kompensiert werden wird.

Auch am Derivatemarkt ist die Stimmung schlecht bezüglich Silber. Von den acht meistgehandelten Hebelprodukten belegten mit XAGKV, XAGFN, XAGZQ und XAGKX gleich vier Puts die Top-Plätze. XAGFN und XAGZQ weisen gegenwärtig besonders enge Spreads auf. Die Laufzeiten enden im März bzw. Juni, XAGFN und XAGZQ liegen deutlich «im Geld». Einiges Volumen sah man auch in den beiden Calls XAGKR und XAGFQ, die aufgrund der unterschiedlichen Ausübungspreise für mehr oder weniger aggressiv disponierende Anleger geeignet sind.

Etwas konservativer sind die fünf Preistracker SLVOE, PMTAD, SILVE, VZOSI und SILVQ. Diese machen die Bewegungen des Silbers eins zu eins mit. Insbesonders SLVOE verzeichnet hohe Volumina. Von den beiden Reverse Convertibles weist gegenwärtig VON8UO die attraktiveren Konditionen auf. Der Schein läuft bis November und der Ausübungspreis liegt mit 10.07 Dollar auf einem realistischen Niveau. Für Anleger, die auf Nummer sicher gehen wollen, gibt es auch noch das Kapitalschutzprodukt VUSIU mit Verfall in gut zwei Jahren. Dieses fiel zwar in den letzten zwölf Monaten um 24%, gleichzeitig sackte aber der Silberpreis in Dollar um 32% ab. Und insbesondere seit dem Einbruch der Notierungen im August 2008 schnitt das Garantieprodukt deutlich besser ab.