Als eines von ganz wenigen Anlagevehikeln konnten sich die Mikrofinanzfonds dieses Jahr über Wasser halten und mussten keine roten Zahlen schreiben. Die Fonds generierten per Ende November 2008 positive Renditen (siehe Tabelle). «Mikrounternehmer handeln mit Gütern des täglichen Bedarfs wie etwa Lebensmitteln oder Kleidern», erklärt Patrik Huber, Geschäftsführer ad interim bei responsAbility: Diese Bereiche seien wenig betroffen von der Finanzkrise. Ausserdem seien die Mikrofinanzschuldner gewohnt, mit turbulenten Zeiten umzugehen. Auch bei den Mittelzuflüssen halten sich die Auswirkungen der Krise im Rahmen. Huber spricht von «konstanten Mittelzuflüssen» in den letzten Monaten. «Das Wachstum setzt sich fort – wenn auch auf einem tieferen Level», heisst es etwas vorsichtiger bei Blue Orchard.

Im Falle einer Rezession gehen die beiden Mikrofinanzinstitute von unterschiedlichen Folgen auf den Sektor aus. Bei Blue Orchard rechnet man mit einer Verlangsamung, «verglichen mit den sehr hohen Geldzuflüssen in der Vergangenheit». Einige Mikrofinanzinstitutionen hätten vor kurzem anlässlich der verschlechterten globalen Liquiditätskonditionen und der langsameren Wirtschaftstätigkeit ihre Wachstumsziele reduziert, so Antonella Notari Vischer, Head of Corporate Communication bei Blue Orchard. Huber zieht hingegen einen Vergleich zu den 90er Jahren in Lateinamerika: «Damals haben die Volumen der Mikrofinanzinstitutionen sogar noch zugenommen», führt er aus. Seine Erklärung: Wegen der steigenden Arbeitslosigkeit wurden mehr Leute Mikrounternehmer.

Mehr Regulierung in Sicht

Positiv wirkt sich auf die Branche der Trend hin zu sozialen Investments aus. Im Supermarkt bildet «fair trade» bereits seit längerem ein etabliertes Produktsegment. «Auch in der Finanzwelt zeichnet sich eine solche Entwicklung ab», so Huber. Notari schätzt die jährlichen Wachstumsraten von Mikrofinanzinstitutionen derzeit auf 30 bis 40%. «Obwohl die Wachstumsraten weiterhin leicht rückläufig sein werden, herrscht nach wie vor ein riesige Wachstumspotenzial, da viele Mikrounternehmer noch ohne Zugang zu Darlehen sind», so Notari. Laut Huber haben sogar erst 10% der potenziell interessierten Mikrounternehmer tatsächlich die Möglichkeit, Finanzdienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Er schätzt das Potenzial auf 250 Mrd Dollar – im Moment sind weltweit 36 Mrd Dollar ausstehend.

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Die Schweiz spielt im Sektor eine Leader-Rolle: «Unser Land ist ein Bankenland», sagt Huber. Und die verwalteten Vermögen sind gross. Er schätzt die Mikrofinanzinvestments von privaten Investoren, die von Schweizer Asset Managern verwaltet werden, auf 1,7 Mrd Fr.

Derzeit zeichnet sich im Sektor ein Trend hin zu mehr Standardisierung und Regulierung ab. Während vor kurzem noch die meisten Mikrokredite von Non-Profit-Organisationen (NGO) vergeben wurden, etablieren sich zusehends auf Mikrokredite spezialisierte Banken. Die Regulierung dieser Banken wird vonseiten der Staaten vorangetrieben. Begrüssenswert ist diese Entwicklung, weil die regulierten Institute auch die Möglichkeit haben, Sparguthaben entgegenzunehmen.

Gefragte Sozial-Ratings

Nicht nur der Staat setzt neue Rahmenbedingungen – auch bei den Akteuren selbst wächst das Bedürfnis nach einheitlichen Bewertungswerkzeugen.

«Wir stellen verstärkte Anstrengungen der Teilnehmer fest, die soziale Performance von Mikrofinanz zu messen und zu beurteilen», so Notari. So würden Mikrofinanz–Ratingagenturen soziale Klassifizierungen erarbeiten, Arbeitsgruppen standardisierte Indikatoren für die soziale Performance entwickeln und Vehikel für den Konsumentenschutz würden geschaffen. Ein Beispiel des Efforts: Seit Oktober sind unter mftransparency.org die jährlichen Zinsraten der elf grossen Mikrofinanzhäuser offen gelegt.