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Startups
Noch nie wurde so viel Geld in europäische Startups gepumpt

Vivek Ramaswamy
Roivant-Sciences-Gründer Vivek Ramaswamy am Forum «30 under 30»: Sein Startup aus Basel erhielt am meisten Geld. Quelle: Getty Images

Europäische Startups haben 2017 Rekordinvestitionen von 20 Milliarden Euro erhalten. Das Schweizer Startup Roivant erhielt am meisten Geld.

Von David Torcasso
am 21.03.2018

Europäische Startups haben im vergangenen Jahr Rekordinvestitionen im Umfang von 19,2 Milliarden Euro erhalten. Kapitalgeber investierten damit im Vergleich zum Vorjahr 84 Prozent mehr Geld in junge Unternehmen. Dazu legte auch die Anzahl der Finanzierungen um fast 40 Prozent zu, wie das Beratungsunternehmen EY am Dienstag mitteilte. Dabei verzeichneten die deutschen Startups einen Anstieg der Mittel von 2,3 Milliarden Euro auf 4,3 Milliarden Euro, wie aus dem Barometer hervorgeht.

Berlin und London sind die Startup-Hubs

Startups aus Berlin haben laut einer Studie im vergangenen Jahr in Europa nach London am meisten Geld erhalten. Insgesamt sind 3 Milliarden Euro in Jungfirmen aus der deutschen Hauptstadt investiert worden.

Die britische Metropole nahm trotz der Sorgen rund um den Brexit mit 4,9 Milliarden Euro den Spitzenplatz ein. Auf Platz drei landete Paris mit zwei Milliarden Euro. Alles zusammengerechnet wurde im vergangenen Jahr so viel Geld wie nie zuvor in europäische Startups gesteckt. Mit 19,2 Milliarden Euro waren es 84 Prozent mehr als im Jahr davor.

«Die Bereitschaft, auch sehr hohe Summen in Startups zu investieren, ist spürbar gestiegen, was auch mit der guten Entwicklung auf dem IPO-Markt und den entsprechend verbesserten Exit-Möglichkeiten zusammenhängen dürfte», sagte Peter Lennartz von EY.

Mega-Boost für Schweizer Biotech-Unternehmen

Der Studie zufolge erhielt das Schweizer Biotech-Unternehmen Roivant Sciences mit fast einer Milliarde Euro 2017 die grösste Geldspritze von allen Startups. Und zwar von einem Investor, der seit geraumer Zeit auf Startups setzt: Softbank aus Japan. Gründer Masayoshi Son investiert mit dem grössten Investmentfonds der Welt gerne in junge Firmen. Bisher konnten sich gut ein Dutzend über millionenschwere Unterstützungen freuen. Bei Uber ist der japanische Konzern mittlerweile der grösste Aktionär. 

Die hohe Summe von über einer Milliarde Franken an das Basler Biotech-Unternehmen ist für Schweizer Verhältnisse ungewöhnlich. Genauso ungewöhnlich wie das Geschäftsmodell des Biotech-Investor  Vivek Ramaswamy, der das Startup 2014 gründete. Roivant identifiziert vielversprechende Medikamente, die in der Pipeline von grossen Pharmaunternehmen stecken geblieben sind, und treibt sie mit eigenen Gesellschaften voran, um die Zulassung zu erhalten.

Die klinische Entwicklungspipeline von Roivant umfasst mehrere therapeutische Bereiche aus strategischen Kooperationen und Partnerschaften mit akademischen Einrichtungen und Pharmaunternehmen, darunter Takeda Pharmaceuticals, Eisai, GlaxoSmithKline, Vertex Pharmaceuticals, Duke University und Cincinnati Children's Hospital. Zurzeit ist das Basler Unternehmen an 17 Prüfpräparaten in neun Therapiegebieten dran, die in über 50 klinischen Studien in den Unternehmenssparten von Roivant Sciences gestestet werden.

Talentsuche in der Schweiz

Die Muttergesellschaft in London hatte 2016 ihren operativen Haupsitz von der britischen Metropole in die Rheinstadt Basel verlegt, um im Pharmastandort Schweiz mehr Talente zu finden und zu fördern. Die Mission von Roivant sei es, Zeit und Kosten für die Entwicklung neuer Medikamente für Patienten zu reduzieren, so Gründer Vivek Ramaswamy zum Schweizer Onlineportal «Startupticker». «Wir glauben, dass der Standort Basel im Zentrum der europäischen pharmazeutischen Innovation und Talentschmiede unsere Vision unterstützen wird.»

Roivant möchte mit der Tochtergesellschaft Datavant auch die Datengewinnung im Gesundheitswesen ausbauen, um den Zeit- und Kostenaufwand für die Lieferung von Medikamenten an Patienten zu verringern. 

Softbank ist der Investor

Deshalb verwundert es nicht, dass der japanische Mischkonzern Softbank als Investor am breiten Portfolio der Basler interessiert ist – und im vergangenen Jahr so viel Geld in das Startup gepumpt hat. Softbank machte in der Schweiz auch von sich reden, als der Konzern im Februar dieses Jahres dreissig Prozent der Versicherungsgesellschaft übernommen hatte. 

Bei der Milliarden-Finanzierungsrunde im August sagte Ramaswamy zum Deal: «Ich bewundere die langfristige Vision von SoftBank und bin überzeugt, dass sie Roivant in der nächsten Phase unseres Wachstums einen bedeutenden strategischen Mehrwert bringen wird.» Auch die Japaner setzen auf Roviant Sciences und rechnen ihnen ein grosses Know-how in der Entwicklung und Vermarktung von Medikamenten zu. 

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