Gebannt wie selten richten sich die Blicke auf die nächsten Entscheide der Zentralbanken. Je nachdem, ob ihre Politik eine Deflation verhindert oder eine Inflation auslöst, müssen sich auch Anleger positionieren

Vier der wichtigsten Zentralbanken befinden in den nächsten zwei Wochen über ihre nächsten geldpolitischen Schritte: Jene der USA (29.4.), Japans (30.4.), Grossbritanniens (7.5.) und der Eurozone (7.5.). Die Schweizerische Nationalbank (SNB) folgt erst am 18. Juni.

Griff zur Notenpresse

Die Hauptsorge der Zentralbanker gilt der Deflation. Das würde die gigantische Verschuldung in vielen Ländern real weiter ansteigen lassen und den Konsum behindern. Die Zentralbanken könnten kaum mehr etwas dagegen unternehmen, denn die Leitzinsen sind bereits nahe null (siehe Grafik). Daher greifen die Notenbanker zu Massnahmen, die noch vor Kurzem für unverantwortlich gegolten hätten - bis zu direkten Käufen von Unternehmensschulden oder der Finanzierung der Staatsschuld über die Notenpresse.

Zumindest bisher zeigt sich jedoch keine Deflation. Der Rückgang der Teuerung geht auf gesunkene Energiekosten zurück. Gleichzeitig sorgen sich viele angesichts der gigantischen Liquidität im Finanzsystem vor einer gigantischen künftigen Inflation, wenn die Märkte wieder funktionieren.

Doch anders als bei einer Deflation haben Zentralbanken bei einer Inflation die Möglichkeit, aktiv dagegen anzukämpfen. Sie brauchen dazu nur die jetzt geschaffene Liquidität wieder abzuschöpfen.

Angesichts der Asymmetrie ihrer Handlungsmöglichkeiten ist es wenig verwunderlich, dass die Zentralbanken die Gefahr einer letztlich für kontrollierbar gehaltenen Inflation lieber in Kauf nehmen als jene einer unkontrollierten Deflation.

So einfach das Zurückfahren der gigantischen Liquidität bei einem Aufschwung technisch sein mag, so schwierig wird es jedoch in der Praxis sein. Da der Aufschwung nach allen Prognosen äusserst schwach sein wird, wird eine restriktive Geldpolitik auf Widerstand stossen. Ausserdem käme eine Inflation den verschuldeten Regierungen nicht ungelegen.

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Aktien bleiben riskant

In der nächsten Zukunft werden die Konjunktursorgen weiter dominieren, während von Inflation nichts zu sehen sein wird. Die meisten Unternehmen werden weiterhin unter Absatzproblemen leiden und teuer für frisches Kapital bezahlen müssen. Das drückt auf Gewinne und Aktienkurse.Für Dividendenpapiere wird ins Feld geführt, diese hätten sich nach Krisen jeweils deutlich erholt, und die negativen Aussichten der nächsten Zeit seien ohnehin in den stark gesunkenen Kursen enthalten.

Doch auch hier ist angesichts des später drohenden Stagflationsszenarios - mit hoher Inflation bei einem schwachen Aufschwung - Vorsicht am Platz. Für deutlich höhere reale Unternehmensgewinne besteht so wenig Grund. Aktienanleger halten sich daher am besten an die Generalregel: Breite Diversifikation und Wahl eines sehr langen Anlagehorizonts. Damit partizipieren sie zumindest am langfristigen Wirtschaftswachstum, das sich zweifellos wieder zeigen wird. Bei einer Wahl nach Branchen empfehlen sich langfristige Trends wie Energie, Agrotech und Gesundheit.

Bonds als Deflationsschutz

Bei einer tatsächlich eintretenden Deflation gewinnen ausfallsichere Obligationen an Attraktivität. Allerdings wird mit der Krise die Bonität vieler Unternehmen unter Druck geraten: Deren höhere Ausfallwahrscheinlichkeit führt zu entsprechend tieferen Kursen. Selbst Staatsobligationen, die normalerweise als sicherste Anlagen gelten, haben Verlustpotenzial. Die Kurse bestehender Titel können nachgeben, wenn die Regierungen für ihre gigantische Mittelaufnahme immer höhere Renditen bezahlen müssen, und erst recht, wenn die Angst vor einer Inflation letztlich Oberhand gewinnt. Am meisten Sicherheit bieten für diesen Fall inflationsgeschützte Anlagen. Kurz und mittelfristige Laufzeiten beschränken zudem die Kursverluste bei einem Zinsanstieg.

Als Inflationsschutz bieten sich ausserdem Investitionen in Sachwerte wie Gold und Immobilien an.