Der Basler Pharmakonzern Novartis hat zu Wochenbeginn alle Beobachter überrascht. Denn die Geschäftszahlen, die das Unternehmen von CEO und VR-Präsident Daniel Vasella für das 1. Quartal 2008 vorlegte, übertraf alle Erwartungen. Der Umsatz stieg um 9% auf rund 10 Mrd Dollar, während sich der Reingewinn um 10% auf 2,3 Mrd Dollar erhöhte. Am 21. April, dem Tag der Veröffentlichung der Zahlen, stieg die Novartis-Aktie deshalb zeitweise um mehr als 5%. Zuletzt stand die Aktie bei gut 50 Fr. so tief wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Dollar: Grosser Einfluss

Kurzfristig ist die Steigerung des Kurses Balsam auf die Seele der Investoren. Denn Ende 2007 betrug der Kurs der Novartis-Aktie noch mehr als 75 Fr. Die zentrale Frage ist deshalb, ob Novartis mit diesem Quartalsergebnis eine nachhaltige Trendwende einleiten konnte – sowohl beim Geschäftsverlauf als auch beim Aktienkurs. Die Analysten sind sich diesbezüglich nicht sicher. Sie anerkennen zwar grundsätzlich die Fortschritte, die Novartis erzielen konnte, unter anderem bei laufenden Forschungsprojekten wie dem Mittel FTY720 (gegen Multiple Sklerose) und dem Krebs-Produktkandidaten RAD001 sowie durch ein im 4. Quartal 2007 gestartetes Effizienzsteigerungsprogramm.

Pharma-Analyst Andrew Fellows vom Broker Helvea anerkennt denn auch, dass diese ersten Resultate dieses Programms «ermutigend» seien. Gleichzeitig hält er aber fest, dass die Quartalszahlen auch klar durch den aktuellen Dollarkurs beeinflusst worden sind. So hatten die Wechselkursschwankungen einen positiven Effekt von rund 185 Mio Dollar; Novartis rechnet in der US-Währung ab.

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Daniel Vasella selbst ist «zuversichtlich», dass Novartis im Geschäftsjahr 2008 erneut ein «Rekordergebnis» erzielen kann.

Auch der Pharmakonzern Roche hat die Investoren mit den am 17. April vorgelegten Zahlen überrascht. Allerdings im negativen Sinne, denn die Erstquartals-ergebnisse von CEO Severin Schwan konnten die Erwartungen der Beobachter nicht erfüllen. Der Genussschein setzte an der Börse daraufhin die seit Jahresbeginn anhaltende Talfahrt fort. Aktuell steht er bei über 170 Fr., nachdem er im Dezember 2007 noch einen Stand von knapp 220 Fr. verzeichnete.

Verantwortlich für die Enttäuschung bei Roche waren etwa die um 3% tieferen Verkäufe im Diabetes-Bereich, weil sich wichtige Bestellungen verzögerten. Auch massiv tiefere Umsätze mit dem Grippemittel Tamiflu hatten einen Einfluss. Vor allem aber machten Roche die Währungseffekte beim Dollar zu schaffen. Der erst seit wenigen Wochen amtierende CEO Schwan hält aber an der Prognose des Konzerns für das gesamte laufende Jahr fest.

Analyst Karl Heinz Koch von der Bank Vontobel meint deshalb: «Der jüngste Rückgang des Aktienkurses stellt eine hervorragende Kaufmöglichkeit für diesen qualitativ hochstehenden Titel dar.» Bereits in den nächsten Monaten könnte das Unternehmen an wichtigen Onkologie-Kongressen gute neue Studiendaten vorlegen.

Roche bevorzugt

Aber auch über einen längerfristigen Horizont betrachtet, wird Roche gegenüber Novartis von den meisten Analysten bevorzugt. Für geduldige Investoren könnte sich aber auch ein Einstieg bei Novartis lohnen – immerhin erhalte man zum aktuell tiefen Kurs den potenziellen Wert der Pipeline gratis hinzu, rechnete Finanzchef Raymund Breu kürzlich vor.