Ein kräftiger Kursabschlag beim Marktschwergewicht Novartis hat am Dienstag die Schweizer Börse nach unten gezogen. Der SMI schloss 0,6 Prozent tiefer bei 9195 Punkten. Am Montag war der Leitindex um 0,1 Prozent gestiegen. «Ohne Novartis hätte sich der SMI so gut wie andere Märkte geschlagen», sagte ein Händler. In Frankfurt und Paris waren die Börsen gehalten. Die Anleger trauten sich trotz des anhaltenden Rekordlaufs der Wall Street, wegen der Katalonien-Krise und vor der am Donnerstag anstehenden Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht aus der Deckung, hiess es am Markt.

«Die EZB könnte mit dem Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik Ernst machen», sagte ein Händler. «Das könnte die wichtigste Sitzung der EZB im ganzen Jahr sein», sagte ein anderer Anleger. Die Aktien von Novartis büssten drei Prozent ein, was den Leitindex um gut 50 Zähler nach unten zog. Das Quartalsergebnis sei wie erwartet ausgefallen. «Enttäuschend ist, dass der Entscheid über Alcon vertagt worden ist», sagte ein Händler. Der Pharmakonzern signalisierte einen Börsengang für die Augenheilsparte. Eine mögliche Transaktion solle aber erst in 2019 durchgeführt werden. Operativ sieht sich Novartis nach drei Quartalen auf Kurs. Der Gewinn stieg um sieben Prozent auf 2,08 Milliarden Dollar.

Auch Roche notiert tiefer

«Enttäuschung über Alcon und Verkäufe nach dem Motto 'sell on good news'», begründete ein Händler den Kursrückgang. Die Aktie sei in der jüngsten Zeit gut gelaufen und habe sich besser entwickelt als die Papiere von Rivale Roche. Dessen Genussschein schloss 0,6 Prozent im Minus.

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Den grössten Gewinn unter den Bluechips verbuchte die Aktie der Grossbank Credit Suisse mit plus 0,9 Prozent. Rivale UBS ging 0,5 Prozent fester aus dem Handel. Die Versicherungsaktien zeigten sich uneinheitlich: Die Aktien von Swiss Re fielen 0,8 Prozent, Zurich stiegen 0,2 Prozent und Swiss Life rückten 0,4 Prozent vor. Bei den Aktien zyklischer Firmen stachen Adecco mit einem Minus von 1,7 Prozent heraus. Händler verwiesen auf die Anteile von Hauptkonkurrent Randstad, die nach der Ergebnisvorlage um gut fünf Prozent einbrachen.

AMS schiesst in die Höhe

Die Aktien von ABB sanken um 0,5 Prozent und Sika gaben 0,1 Prozent nach. Der Elektrotechnikkonzern und der Hersteller von Klebstoffen und Bauchemikalien informieren am Donnerstag über das dritte Quartal. Am breiten Markt ragten die Aktien von AMS heraus, die mehr als ein Fünftel in die Höhe schossen. Der Chip- und Sensorenhersteller hat im dritten Quartal besser als erwartet abgeschnitten und für das laufende Quartal eine unerwartet starke Prognose abgegeben.

Die Aktien von Huber + Suhner büssten knapp sechs Prozent ein. Der Kabelhersteller hat die Prognosen gesenkt. Gewinnmitnahmen drückten die Aktien von Logitech 5,3 Prozent ins Minus. Der Reingewinn stieg im zweiten Geschäftsquartal auf 57,4 Millionen Dollar von 47 Millionen im Vorjahresquartal. Der Hersteller von Zubehör für die Unterhaltungselektronik übertraf die Erwartungen. Die Zahlen seien gut und die Aussichten ebenso. «Nach einem Kursgewinn von mehr als 40 Prozent im laufenden Jahr sind Gewinnmitnahmen in einem unsicheren Umfeld aber verständlich», sagte ein Händler.

Unter Gewinnmitnahmen litten laut Händlern auch die Aktien des Derivathauses Leonteq und der Softwarefirma Temenos, die um 4,4 und 1,5 Prozent nachgaben.

(reuters/mbü)