Mit der jüngst vermeldeten Milliarden-Beteiligung von Novartis am Augenheilmittelhersteller Alcon hat der Pharmakonzern bei den Anlegern für grosses Aufsehen gesorgt, noch bevor die Quartalszahlen veröffentlich wurden. Wer nach dem Mega-Deal allerdings auf eine Erholung des Aktienkurses gehofft hatte, sah sich enttäuscht: Die Titel des Basler Multis sind innert Wochenfrist um gut 10% eingebrochen und haben damit die Talfahrt der letzten Monate nahtlos fortgesetzt.

Alcon-Deal sorgt für Unmut

«Der Alcon-Deal hat uns nicht begeistert», sagt denn auch Karl Heinz Koch, Analyst bei der Bank Vontobel. Insbesondere die Tatsache, dass das Unternehmen für dieses Geschäft aufgrund des hohen Kaufpreises viel an Flexibilität eingebüsst hat, ohne dass die strukturellen Probleme im wichtigen Pharmabereich gelöst werden konnten, sorgt für Unmut. Schliesslich wird der Verfall von Patenten im schlechtesten Fall bis ins Jahr 2012 zu einem Umsatzeinbruch von rund 13 Mrd Fr. führen. Hinzu kommt, dass potenzielle Nachfolger wie Tekturna oder Lucentis das Loch in der Kasse kaum stopfen können, da diese mit Wachstumsproblemen zu kämpfen haben. «Da ein Teil der Produkte von Alcon ebenfalls eine kurze Lebensdauer hat, könnte die Situation zusätz- lich verschärft werden», so Koch. Immerhin hat Novartis mit ihrer Roche-Beteiligung sowie dem Generikahersteller Sandoz noch zwei Trümpfe im Ärmel, die zur Stärkung der Pharmasparte abgestossen werden und neuen Handlungsspielraum eröffnen könnten.

Wenig Begeisterung für den Alcon-Deal zeigen auch Helvea-Analyst Andrew Fellows und Michael Nawrath, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Während sich Fellows vor allem am hohen Kaufpreis, der mit einem Multiple von 31 zum Gewinn angegeben wird, stört und die Abkehr vom wichtigen Pharmabereich hinterfragt, fehlen für Nawrath hauptsächlich neue Impulse, die bei Novartis das organische Wachstum wieder ankurbeln können.

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Roche wird klar favorisiert

Das für den 21. April angekündigte Ergebnis zum 1. Quartal 2008 von Novartis dürfte die Stimmung unter den Analysten und Investoren kaum verbessern, wurde doch bereits im Januar auf ein schwieriges 1. Semester hingewiesen. Erwartet wird ein Umsatz um 9,8 Mrd Fr. sowie ein Gewinn von gut 1,85 Mrd Fr. Erst im 2. Halbjahr kann mit einer Wachstumsbeschleunigung gerechnet werden. Bis dahin soll, wie CEO und Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella jüngst bestätigt hat, im Pharmabereich eine deutliche Verbesserung erzielt werden.

Trotz des problematischen Geschäftsjahres 2008 und der schwierigen Zukunftsaussichten setzt eine Mehrheit der Analysten die Novartis-Aktien auf ihre Buy-Liste. «Die Titel sind sehr günstig bewertet. Zudem sollte dank Kostensenkungsmassnahmen unter dem Strich eine markante Gewinnsteigerung erzielt werden können», begründet Koch.

Dennoch wird unter den Pharmaunternehmen nach wie vor Novartis-Konkurrent Roche klar favorisiert. Der Konzern präsentiert am 17. April den Umsatz für das 1. Quartal 2008. Erwartet wird ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr um gut 2% auf rund 11,1 Mrd Fr., was vor allem auf Einbussen bei Tamiflu zurückzuführen ist. Hinzu kommt, dass der schwache Dollar negative Spuren im Ergebnis hinterlassen dürfte, weshalb das Unternehmen die Guidance für das laufende Jahr nach unten anpassen könnte.

Auf dieses wenig berauschende Quartalsergebnis wird denn auch der Kursrückgang um fast 10% innerhalb der vergangenen Woche zurückgeführt, nachdem sich die Roche-Genussscheine bislang entgegen dem allgemeinen Trend in der Branche erfreulich halten konnten. «Insgesamt ist Roche aber sehr gut aufgestellt», sagt Koch.

Diese Einschätzung teilt auch die Mehrheit der Analysten, welche die Genussscheine zum Kauf empfehlen. Grund dafür ist unter anderem die Beteiligung von rund 56% am US-Biotechunternehmen Genentech. Letzteres hat im 1. Quartal 2008, bei einem Umsatzanstieg um 8% auf 3,06 Mrd Dollar, eine Gewinnsteigerung um 12% auf 790 Mio Dollar erzielt. Das Hauptprodukt Avastin lag mit einem Umsatz von 600 Mio Dollar allerdings unter den Erwartungen.