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Preissturz
«Nun gibt es beim Gold kein Halten mehr»

Der Preis des Edelmetalls fiel heute auf ein Zweijahrestief. Goldexperte Ronald Wildmann erklärt, weshalb der Absturz weitergehen wird.

Von Stefan Eiselin
am 15.04.2013

handelszeitung.ch: Der Goldpreis fällt und fällt. Was ist los?
Ronald Wildmann*: Ganz einfach - der Bullenmarkt beim Gold ist endgültig vorbei.

Warum?
Verschiedene Faktoren, die in den letzten Jahren für Gold sprachen, stützen inzwischen nicht mehr. Erstens veränderte sich bei den Anlegern die Wahrnehmung der politischen und wirtschaftlichen  Risiken. Es gibt zwar noch heikle Punkte. Aber die Lage ist nicht mehr so dramatisch wie vergangenen Sommer. Die bestimmte Ansage von EZB-Präsident Mario Draghi im letzten Juli, alles für den Euro zu tun und notfalls auch Statsanleihen aus Euroländern zu kaufen, beruhigte die Lage. Zweitens beruhigte sich die Situation an der monetären Front, weil Ben Bernanke eine Begrenzung der Anleihenkäufe andeutete. Drittens sind die Zinsen zwar real immer noch negativ, doch die Tendenz zeigt wieder in die andere Richtung.

Gibt es noch andere Faktoren?
Ja. Wir sehen auch eine Trendwende beim Dollar und das stützte den Goldpreis. Jahrelang verlor er an Wert, das ändert sich nun. Und dann deuten neben der zyprischen diverse weitere Zentralbanken an, vielleicht wieder Gold zu verkaufen. Das machten sie nun jahrelang nicht mehr.

Was löste denn den Absturz aus?
Am Anfang stand die Entwarnung von der Konjunkturfront. Die Prognosen für das globale Bruttoinlandprodukt sind wieder besser. Das drückt auf den Goldpreis. Zudem verkauften diverse Spekulanten ihre Futures-Positionen. Auch von ETFs kommt Verkaufsdruck.

Gold könnte also noch billiger werden.
Oh ja. Ich bin sehr negativ, was den Goldpreis anbetrifft. Da ist nun ein Damm gebrochen und es gibt kein Halten mehr. Der Goldpreis geniesst einfach keinen Support. Wir müssen uns mittelfristig auf Preise unter 1000 Dollar einstellen.

Was sollen denn Anleger tun, die noch in Gold investiert sind?
Ich würde eindeutig in Rohstoffen investiert bleiben, aber umschichten. Derzeit leiden zwar auch andere Metalle, sie werden quasi in Sippenhaft mit Gold genommen. Das ist aber nicht logisch. Ich setze nun auf Kupfer, Palladium und Platin.

* Ronald Wildmann ist Geschäftsführer der auf Rohstoffanlagen fokussierten Zürcher Vermögensverwaltungsgesellschaft Basinvest.

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