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Nun kann sich Swiss Re nicht mit Softbank schmücken

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Masayoshi Son: Der japanische Softbank-Chef investiert rund um den Globus.Quelle: Nur Group/Getty Images

Der schillernde Tech-Investor interessiert sich für den soliden Rückversicherer. Die Meldung hatte Träume geweckt - übrig bleibt wenig.

Von Marc Bürgi
am 28.05.2018

Was sich abgezeichnet hat, ist nun eingetreten. Der japanische Telekomkonzern Softbank wird sich nicht an Swiss Re beteiligen. Entsprechende Gerüchte waren schon seit Wochen zu lesen. Von den grossen Hoffnungen ist somit wenig übrig geblieben: Anfang Jahr hatten Medien unter Berufung auf Insider spekuliert, Softbank werde bis zu einem Drittel an Swiss Re kaufen. Seit Anfang April stand noch eine Beteiligung von weniger als 10 Prozent im Raum. Eine höhere Beteiligung schloss der Rückversicherer damals aus. Nun werden die beiden Unternehmen lediglich gemeinsame Geschäftsideen prüfen.

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Das Interesse von Softbank an Swiss Re hatte Anfang Februar überrascht – schliesslich investiert der japanische Telekomkonzern über seinen «Vision Fund» vor allem in Technologieunternehmen wie den Internethandelsgigant Alibaba, die Fahrdienstplattform Uber oder den Coworking-Anbieter WeWork. Möglicherweise hätte sich Softbank auch direkt beteiligt.

Eine Partnerschaft mit vielen Fragezeichen

Wie Swiss Re zu Softbanks Strategie passt, bleibt bis heute unklar. Swiss-Re-Präsident Walter Kielholz sprach im Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» vage von «verschiedenen Kooperationsmöglichkeiten», namentlich bei der Digitalisierung.

Möglicherweise interessiert sich der Telekomkonzern für die Daten, die Swiss Re als Rückversicherer sammelt. Vielleicht bieten sich auch Chancen für eine Zusammenarbeit bei Autoversicherungen: Softbank kauft sich mit dem Vision Fund gezielt bei neuen Mobilitätsanbietern ein. Der Telekomkonzern gehört zu den Grossinvestoren bei den Fahrdienstplattformen Uber, Didi Chuxing, Ola und Glab.

Hier könnten sich Geschäftsmöglichkeiten bieten, falls die Fahrdienstanbieter dereinst auch zu Grosskunden für Versicherer werden. Gegen die Risiken, welche durch den Einsatz selbstfahrender Autos entstehen, werden sich Fahrdienstanbieter vielleicht absichern müssen.

Uber
Uber: Softbank ist am Taxidienstanbieter beteiligt.
Quelle: Keystone

Bedauern über Gesprächsende

Ohne Beteiligung sind die Chancen auf eine Zusammenarbeit aus Sicht von Vontobel-Experte Stefan Schürmann nun allerdings gesunken. Als Aktionär hätte sich Softbank stärker bei Swiss Re eingebracht, glaubt der Experte. «Wie genau, hätte man erst gesehen, wenn sie den Deal gemacht hätten.» Er bedauert grundsätzlich, dass die Beteiligung nicht zustande kam. Ein stabiler, langfristig orientierter Investor wie Softbank wäre für Swiss Re positiv gewesen.

Auf frisches Kapital ist Swiss Re derzeit allerdings nicht angewiesen. Der Rückversicherer hat kürzlich ein Aktienrückkaufprogramm gestartet und Anfang Jahr die Dividende erhöht. Und wegen Softbank das Kapital zu erhöhen, kam für Swiss Re ausdrücklich nicht in Frage.

Die Aktie gewinnt hinzu

Das Ende der monatelangen Verhandlungen lässt viele Fragen offen. An der Börse sorgt der Abbruch der Gespräche über eine Beteiligung heute aber für keine Aufregung – die Swiss-Re-Aktie gewinnt sogar leicht dazu. «Jetzt hat die Börse endlich Klarheit erhalten. Zudem hat der Kurs der Swiss-Re-Aktie bereits letzte Woche deutlich korrigiert», sagt Georg Marti, Experte bei der Zürcher Kantonalbank.

Die grossen Hoffnungen, welche Anleger mit dem Deal verknüpft hatten, sind schon längst verpufft. Nur wenige Anleger hatten noch daran geglaubt, dass die Verhandlungen zu einem Erfolg führen.