Ob der gewichtigen Bewegungen am Finanzsektor sollten die Anleger nicht vergessen, einen Blick auf den «zweiten Sektor» zu werfen. Dieser Tage werden nämlich gleich mehrere Schweizer Industrieunternehmen ihre Bücher öffnen und damit einen Einblick in den Zustand der Branche geben: Am 28. Januar wird Mikron ihre Umsätze 2009 präsentieren, tags darauf folgt StarragHeckert mit Jahreszahlen und Rieter mit dem Umsatz. Bucher vermeldet ihr Jahresergebnis am 1. Februar.

So verschieden die Unternehmen, so ähnlich war dabei doch das Kursbild in den letzten Monaten. Nach einem Tiefpunkt im letzten März gab es eine starke Erholung, die aber im Sommer auslief und in eine Konsolidierung mündete. Bei den Industriewerten dominieren daher «Halten»-Empfehlungen seitens der Analysten. Entsprechend erwarten Investoren jetzt Nachrichten, die Anlass für einen Ausbruch aus dieser Querbewegung geben könnten.

Rieter: Umsatzeinbruch

Doch von einer Wende kann bei vielen Titeln noch keine Rede sein.So bei Rieter: Die Analysten von Helvea erwarten für die Automobilsparte des Konzerns, die fast dreimal grösser als die Textildivision ist, einen Bestellungsrückgang von 32%. Und für den Textilbereich rechnen sie mit einem Einbruch von 54%. Der Umsatz dürfte damit um 40% einbrechen. «Die Aufmerksamkeit der Anleger wird sich danach richten, in welchem Ausmass sich die Erholungstendenzen in der 2. Jahreshälfte im Bestellungseingang widerspiegeln», kommentiert Helvea. Besonders in der Textilsparte seien dabei Anzeichen einer Erholung zu erwarten. Die endgültigen Jahreszahlen sind am 23. März fällig - bereits in den ersten Januarwochen gewannen die Rieter-Aktien 25% an Wert.

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Bei Präzisionsmaschinenbauerin Mikron wird mit Peter Ilg ein neuer Finanzchef arbeiten. Vom Wechsel in der Unternehmensspitze erwarten die Analysten von Vontobel jedoch keine Auswirkungen auf ihre Schätzungen die übrigens auch nach unten zeigen. Bei einem Umsatz von 140 Mio Fr. für das Gesamtjahr sei mit einem Betriebsverlust von 31 Mio Fr. zu rechnen, so Vontobel. In den ersten neun Monaten 2009 waren die Verkäufe gegenüber dem Vorjahr bereits um über 40%, der Bestellungseingang um 50% gefallen. Trotzdem hat sich die Aktie in den letzten zehn Monaten verdoppelt und zwischen 6 und 7 Fr. stabilisiert.

Die Präzisionsfrästechnikerin StarragHeckert gilt hingegen als Spätzykliker, was den bisher geringeren Druck auf die Umsätze erklärt: Bis Ende September 2009 waren die Volumen im Vergleich zum Vorjahresvergleichszeitraum lediglich um 12% zurückgegangen. Allerdings fiel hier der Auftragsbestand um 46%. Wenn sich dieser Wert verbessert, wäre das ein Signal für eine Stabilisierung im letzten Quartal. Immerhin liess die Geschäftsleitung noch letzten November verlauten, dass das gesamte Geschäftsjahr mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen und eine Dividende ausgeschüttet werde. Die Aussichten seien unsicher, aber die neuen Maschinenbaureihen seien auf einer Messe auf «grosses Interesse» gestossen. Seit September pendelt der Aktienkurs um 580 Fr., 25% über dem Märztief.

Bucher: Gewinn trotz allem

Bucher hat wie viele andere Industrieunternehmen Personal entlassen und so Kosten reduziert. Das trägt laut den Analysten der Bank Berenberg dazu bei, dass 2009 trotz Umsatzrückgang noch ein kleiner Betriebsgewinn von 19 Mio Fr. erreicht werden dürfte. Die Kuhn-Gruppe, welche sich in der 1. Jahreshälfte 2009 noch gut gehalten hatte, dürfte laut den Analysten von Goldman Sachs «dramatisch» unter Druck gekommen sein. Sie erwarten jetzt einen Umsatzrückgang von 24%. Bucher dürfte aber dennoch einen Gewinn in Höhe von 82 Mio Fr. ausweisen.