Die spannendsten Schweizer Firmen kommen aus dem Small- und Mid-Cap-Segment», ist sich Peter J. Lehner sicher. In diesem Bereich gebe es ein breites Universum an Unternehmen aus den unterschiedlichsten Sparten, von denen manche gar den Status eines Weltmarktführers innehätten. Zu denken sei dabei unter anderem an Sika, Komax oder Bucher Industries. Hinzu komme, dass Spezialsituationen wie Firmenübernahmen oder Fusionen bei den Kleinen deutlich häufiger anzutreffen seien als bei Grosskonzernen.

Im Small- und Mid-Cap-Segment betätigt sich Lehner als Value-orientierter Stockpicker mit einem langfristigen Anlagehorizont. Bei seinen Investmententscheiden stützt er sich auf die Kennzahlen der Firmen, analysiert die Finanzierung der Gesellschaften und deren Projekte. Wichtiger Bestandteil seiner Prüfung sind aber auch Gespräche mit dem Management. «Die Analyse der Zahlen alleine bringt nichts, wenn die Softfaktoren nicht stimmen», so der Fondsmanager des ersten Schweizer Small- und Mid-Cap-Fonds, Saraselect.

Genauso wichtig wie die Zahlen sind für Lehner die Integrität der Führungsriege, deren Ambitionen und Visionen. Als Investor mit einem anvertrauten Vermögen von mehr als 1 Mrd Fr. im Rücken will Lehner wenn nötig auch korrigierend einwirken, wenn sich ein Unternehmen nicht nach seinen Vorstellungen entwickelt. Die Einführung einer Einheitsaktie oder die Ausschüttung nicht benötigter Reserven gehören regelmässig zu Lehners Forderungen. Auch deshalb lässt er Blue Chips links liegen. «Bei Large Caps kann man nicht viel machen», weiss der ehemalige Direktor der Finanzverwaltung der Stadt Zürich. An der UBS- Generalversammlung beispielsweise hätten der Verwaltungsrat und das Management der Grossbank jeweils mehr als das Quorum vertreten, weshalb die Minderheitsaktionäre faktisch zur Staffage verkommen seien.

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Die Rechte der Minderheitseigner sind Lehner, nicht ganz uneigennützig, ohnehin immer ein Anliegen. So macht er sich beim Verkauf der Alloy Corporation aus der Alu Menziken Holding oder bei der Fusion von Hiestand und IAWS für die Gleichbehandlung der Aktionäre stark und scheut dazu auch keine gerichtliche Auseinandersetzung.

Langfristiger Anlagehorizont

Eine Lieblingsaktie kennt Lehner, trotz seines Faibles für Industriewerte, nicht. «Ich will mich nicht in eine Aktie verlieben», sagt der 69-jährige Familienvater und ergänzt, dass die Liebe besser für die Frauen aufgehoben sei. Zwar hat der passionierte Kunstsammler im Rahmen seiner Tätigkeit als Asset-Manager eine gute Beziehung zu verschiedenen Firmen aufgebaut, doch will er weiterhin «kritisch bleiben können».

Neben der blinden Liebe zu einer Aktie hält Lehner einen zu kurzen Anlagehorizont für das grösste Hindernis eines erfolgreichen Investment. Schliesslich sei es auch für einen erfahrenen Investor kaum möglich, den optimalen Kauf- und Verkaufspunkt eines Wertpapiers zu treffen. Seine Anlagen hält Lehner zwischen drei und fünf Jahre, viele sogar deutlich länger. Er lässt sich auch durch einzelne, weniger erfreuliche Geschäftsabschlüsse nicht aus der Ruhe bringen.

«Wo eine Aktie am 31. Dezember steht, interessiert mich nicht, sofern die langfristige Entwicklung stimmt», sagt Lehner.

Guter Einstiegszeitpunkt

Erscheint ihm ein Unternehmen seiner Watchlist aufgrund der Kennzahlen als günstig bewertet, so baut Lehner eine Position auf, ganz unabhängig von der allgemeinen Stimmung an der Börse. Auch die aktuellen Turbulenzen an den Finanzmärkten schrecken ihn nicht. Er rät stattdessen explizit zum Kauf von Small und Mid Caps. «Das Segment ist heute sehr günstig bewertet», ist er überzeugt. Insbesondere Titel mit Netto-Cashpositionen, die zudem unter ihrem Buchwert gehandelt werden, erscheinen ihm sehr attraktiv. Hinzu kommen interessante Spezialsituationen, die sich aus der schwierigen Marktlage ergeben würden. «Zurzeit verkaufen Angsthasen, Prozykliker und jene Marktteilnehmer, die aufgrund von Liquiditätsengpässen dazu gezwungen sind», so der Small- und Mid-Cap-Profi.

Auch von Investmentthemen hält Lehner wenig. «Alle Themen können gut laufen es gibt überall interessante Firmen», ist er überzeugt. Der Stockpicker will sich daher bei seinen Investments nicht weiter einschränken. Eine Ausnahme bestätigt die Regel: «Gesellschaften, bei denen der Staat die Finger im Spiel hat oder deren Verwaltungsrat mit Politikern verseucht ist, rühre ich nicht an», so der Fondsmanager.

Mit seiner Strategie ist Lehner in den vergangenen Jahren erfolgreich gewesen. Seit der Lancierung des Saraselect 1996 erreichte er eine durchschnittliche Jahresperformance von 12,6%. Damit habe er, wie Lehner gerne anmerkt, gar Berkshire Hathaway übertroffen nichts weniger als das Anlagevehikel von Warren Buffett.