Es sieht so aus, als sei es derzeit goldrichtig, bei Börsengängen zuzuschlagen. In der Vorwoche wurde mit IPO in einer Gesamthöhe von mehr als 10 Mrd Dollar der bisherige Höhepunkt des Jahres und fast die Hälfte der Gesamtsumme in diesem Jahr (18 Mrd) erreicht.

Die grössten Börsengänge waren die von Banco Santander Brasil und Verisk Analytics; demnächst stehen noch Hyatt Corp, Dollar General Corp und Dole Food an. Wer in schweren Zeiten an die Börse geht, muss stark sein - es ist zu erwarten, dass sich diese Unternehmen auch gut halten werden.

So hoch wie seit 2003 nicht mehr

Der Index FTSE Renaissance IPO Composite ist in diesem Jahr um 39,5% gestiegen und damit fast 20%-Punkte besser als der S&P 500. Angetrieben von gefragten neuen Werten wie der chinesischen Duoyuan Global Water oder der amerikanischen Mead Johnson Nutrition, lag er so hoch wie noch nie seit seiner Eröffnung im Jahr 2003.

Im Allgemeinen hinken IPO den bewährten Angeboten hinterher, es sei denn, es handelt sich um Grossunternehmen wie Microsoft (1986) oder Google (2004). Jay Ritter, Professor an der Universität von Florida, hat dies untersucht: In den Jahren 1970 bis 2008 lagen neue Aktien ein Jahr nach dem Börsengang um 4,7% hinter denjenigen mit ähnlichem Marktwert, nach fünf Jahren waren es 3,8% Rückstand.Nach starken Erschütterungen am Markt aber nimmt der Risikoappetit der Investoren ab, es gibt weniger Neuemissionen, nur die widerstandsfähigsten Unternehmen wagen einen Börsengang -und die haben dann auch Erfolg, wie Ritter bewies. Nach dem Crash von 1987 ging die Zahl der Börsengänge im Jahr 1988 um zwei Drittel zurück, und wer an die Börse ging, wie etwa Dell, performte in den folgenden drei Jahren um durchschnittlich 10,5% besser als die altbewährten Unternehmen. Nach dem Platzen der Tech-Blase war es auch in den Jahren 2001 und 2002 so (13,1 beziehungsweise 38,9%).

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Fast alle IPO sind profitabel

In diesem Jahr sind erst 36 Unternehmen an die Börse gegangen, laut Renaissance Capital, Mitinhaber des IPO-Index, etwa ein Zehntel der Börsengänge im Jahr 2007. Auch im Vorjahr lag die Zahl niedrig, dabei häuften sich die IPO im 1. Halbjahr - vor der Lehman-Pleite. IPO als Gruppe werden ähnlich bewertet wie der S&P 500, wobei der IPO-Index ein KGV von 19,5 im Vergleich zu 21,4 für den S&P 500 aufweist. Einige Werte wie etwa Verisk sind teuer (KGV 31), was jedoch durch ein stabiles Gewinnwachstum gerechtfertigt ist. Die jetzigen Börsengänge sind fast alle profitabel.

Einer der grössten - und riskantesten - Hits in diesem Jahr ist A123-Systems, Hersteller von Lithium-Ionen-Batterien für Elektro- und Hybridfahrzeuge. Das Unternehmen beliefert u.a. BMW, General Motors und Chrysler und hat auch staatliche Zuschüsse bekommen. Ergebnis: Seit seinem Debut im September ist der Kurs um 58% gestiegen.