Barack Obama war offenbar selbst überrascht, als er vor wenigen Tagen den Friedensnobelpreis erhielt. Sein Einfluss auf das politische Weltgeschehen ist nach nur wenigen Monaten Amtszeit noch bescheiden. Ähnliches gilt für die im Wahlkampf des US-Präsidenten skizzierte Gesundheitsreform. In welcher Form sie dereinst umgesetzt wird, ist offen. Verschiedene, unterschiedlich einschneidende Gesetzesentwürfe werden derzeit geprüft. Deshalb bleibt beispielsweise weiterhin unklar, ob die Teilnehmer am Gesundheitsmarkt nun tatsächlich eine Pauschalsteuer entrichten müssen, um die erwarteten Kosten der Reform von rund 1 Billion Dollar zu decken.

Die Auswirkungen des Mammutprojekts auf einzelne Unternehmen sind daher noch unbekannt. Experten gehen jedoch davon aus, dass Medizinaltechniker, wie etwa Synthes, an den Märkten zu stark für mögliche Folgen des Programms abgestraft wurden. Doch auch Aktien, die sich in den letzten Monaten positiv entwickelten, wie etwa die Valoren von Hörgerätehersteller Sonova oder Laborausrüster Tecan, bieten weiteres Potenzial, wenn sich die Nebel um die Gesundheitsreform lichten.

Zuversicht bei Synthes

Die Synthes-Aktie hatte zuletzt gelitten und innerhalb des vergangenen Monats über 4% verloren. Dies obwohl die Reform wohl nur einen mittelschweren Effekt auf das Unternehmen haben könnte, wie die Analysten der Bank Vontobel erwarten.

Synthes sah sich in den letzten Monaten zwar negativen Währungseinflüssen ausgesetzt, da sich wichtige Währungen wie das Pfund oder der Yen abschwächten. Die Effekte könnten denn auch die 3.-Quartals-Zahlen beeinträchtigen, die das Unternehmen am 21. Oktober präsentiert. Doch die soliden Resultate, die von US-Konkurrent Biomet vor wenigen Tagen vorgelegt worden sind, stimmen Analysten zuversichtlich. Biomet konnte im Fixationsgeschäft, das entspricht der Synthes-Sparte Trauma, den Umsatz um 1% steigern, in der Konzernsparte Spine wurde sogar ein Umsatzplus von 17% generiert.

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Die Experten der Credit Suisse gehen davon aus, dass Synthes als Marktführer im Traumatologie-Markt durch den Vertrieb von innovativen und hochpreisigen Produkten den Umsatz weiter wird steigern können. Auch wenn die Margen in diesem Jahr unter Druck geraten könnten. Durch die starke Bilanz dürfte es Synthes zusätzlich möglich sein, externes Wachstum zuzukaufen. «Die Aktie hat defensive Qualitäten und verfügt über ein solides Produktportfolio, deshalb empfehlen wir Synthes zum Kauf», so Sibylle Bischofberger, Analystin bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Auch die Experten der Credit Suisse bewerten die Synthes-Aktie derzeit mit «Kaufen», das Kursziel steht bei 130 Fr. (aktuell: 123 Fr.)

Sonova bestätigt innovativen Ruf

Hörgerätehersteller Sonova lädt im Rahmen eines wichtigen Fachkongresses am 22. Oktober zu einer Pressekonferenz mit Analystenmeeting. Die zentralen Produktneuheiten wurden bereits bekannt gegeben und bestätigen laut Experten den Ruf von Sonova als äusserst innovatives Unternehmen. Die Aktie hat deshalb auch positiv auf die Ankündigungen reagiert und seither 4% zugelegt. «Die neuen Produkte lassen ein Umsatzplus erwarten», so ZKB-Analystin Bischofberger. Sie bewertet daher Sonova mit «Kaufen».

Die Folgen der US-Gesundheitsreform auf Sonova dürften eher klein sein. Genauso wie die kürzlich angekündigte Untersuchung des Hörgerätemarkts des Bundeskartellamts in Deutschland kaum ins Gewicht fallen sollte.

Wachstumsmarkt stärkt Tecan

Die Tecan-Aktie konnte in den letzten sechs Monaten beinahe um 80% auf 65 Fr. zulegen. Doch die Experten von Kepler Capital Markets erwarten, dass Tecan sogar das Potenzial hat, um bis auf 75 Fr. vorzustossen. Verschiedene Analysten gehen davon aus, dass das Outsourcing-Geschäft im Medizinalbereich weiteres Umsatzwachstum verspricht. Im Gegensatz zu den geringen Gefahren bei Tecan sehen die Analysten von Vontobel den Medizinaltechniker Lifewatch durch die Reform den stärksten Risiken ausgesetzt. Momentan zeigt sich das Unternehmen jedoch sorgenfrei. Der Hersteller von Geräten zur Patientenüberwachung kündigte bereits vor Veröffentlichung der Zwischenergebnisse am 5. November an, auch in diesem Quartal zu wachsen und somit im achten aufeinander folgenden Vierteljahr positive Resultate ausweisen zu können. Die Aktie reagierte positiv auf die Meldung und konnte um 5% auf 22 Fr. zulegen.