Ende letzer Woche rutschte die Aktie von OC Oerlikon wieder in die Nähe des Zehnjahrestiefstandes von 30 Fr. je Titel. Was Wunder: Falls es nicht gelingt, bis Ende März eine Umschuldung mit den involvierten Banken und Hedge-Fonds zu finden, die teilweise Forderungen mit Abschlag gekauft hatten, sind die Perspektiven düster.

Aus der Sicht von Banken ist die Situation doppelt schwierig, wenn sie gleichzeitig Kredite und Derivate auf die Aktie ausstehend haben. Banken könnten sich jetzt Kredite zu exorbitanten Prämien am CDS-Markt versichern - oder gleich Put-Optionen auf die Aktien kaufen. Wobei die Aktie selber bereits das Profil einer Option angenommen hat: Die historische 30-Tage-Volatilität liegt bei 50%, die 90-Tage-Volatilität bei 80%. Eine hohe Volatilität verteuert auch die Preise von Warrants, weil die Volatilität ein wichtiger Faktor der Preisberechnung ist.

Hoffen auf einen kräftigen Ruck

Gegenwärtig stehen drei Puts aus: Der Schein BKOERP mit einem Ausübungspreis von 32 Fr. und die beiden am 19. März verfallenden Scheine OERPJ und OERJP. OERPJ und OERJP liegen bereits deutlich «im Geld», die Ausübungspreise stehen mit 60 und 75 Fr. deutlich über den aktuellen Notierungen. OERPJ beispielsweise hat seinen Preis seit Mitte Dezember verfünffacht. In diesen Puts wird gegenwärtig viel Volumen verzeichnet.

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Bei den Calls gibt es noch unzählige Scheine mit Ausübungspreisen aus besseren Zeiten Scheine wie OERUG, OERUH oder OERUI mit Strikes zwischen 440 und 640 Fr. notieren bereits seit einigen Monaten bei einem Rappen. Die Laufzeit endet aber erst im Dezember. Aber auch für Calls mit nur noch kurzer Lebenszeit wie OERJW werden solche Kurse gestellt. Rege gehandelt wurden in den letzten Tagen Scheine wie OERJS, OERRR und BKOERA, die Ausübungspreise zwischen 30 und 35 Fr. haben. Besonders stark unter Druck liegen Calls wie OERDB, der mit einem Strike von 50 Fr. bereits ambitiöse, wenn aber nicht unerreichbare Konditionen aufweist. Dabei braucht der Kurs des Basiswertes in den kommenden Wochen gar nicht auf dieses Niveau zu steigen. Es genügt ein kräftiger Ruck bei der Aktie, um solche aus dem Geld liegende Scheine deutlich zu verteuern. Gehalten haben bisher die beiden Reverse Convertibles JKOEL und BSOER. Beide weisen optisch attraktive Konditionen auf mit maximal erreichbaren Renditen zwischen 24 und 28%. Auch sind hier die Puffer noch nicht aufgebraucht. Deshalb liegen die Preise bei knapp 100 Fr.

«Bad» und «New» Oerlikon

Was passiert jetzt, wenn es zu einem Kapitalschnitt kommt? Alle Derivate würden dann hinsichtlich der Konditionen an Veränderungen der Basiswerte angepasst. Diese Anpassung erfolgt in vergleichbaren Rechenverhältnissen wie bei der Aktie selber.

Eine Kapitalerhöhung um 100% mit einer Verwässerung des Aktienkapitals von 50% verändert auch die Konditionen der Calls und Puts. Gerade Puts steigen dann nicht automatisch im Wert, wenn die Aktie infolge der Kapitalerhöhung nur noch 15 statt 30 Fr. kostet, weil auch der Ausübungspreis im gleichen Verhältnis herabgesetzt wird.

Prinzipiell gilt das Gleiche auch für Aufspaltungsszenarien. Wenn die Gesellschaft beispielsweise in eine «Bad Oerlikon» mit 60% der Assets und in eine «New Oerlikon» mit 40% aufgeteilt wird und die Aktionäre entsprechend neue Papiere auf diese beiden Gesellschaften erhalten, bekommen auch Derivateinvestoren Calls auf beide Papiere im Verhältnis der Basiskapitalisierung von 60 zu 40%.