Wie beurteilt man aus der Sicht der Vereinigung der Automobil-Importeure das Verkaufsjahr 2008 im Schweizer Personenwagenmarkt?

Max Nötzli: Positiv ist zu werten, dass im vergangenen Jahr der Verkauf neuer Personenwagen in der Schweiz gegenüber dem Vorjahr nochmals, nämlich um 1,4%, zugenommen hat, während der Absatz in Europa im Durchschnitt ein Minus von 8% aufweist. Die positiven Verkäufe in der Schweiz unterscheiden sich auch von denjenigen in Deutschland, Frankreich und Italien, die alle rückläufig waren.

Mit welchem Marktvolumen kann in der Schweiz 2009 gerechnet werden?

Nötzli: Eine exakte Voraussage kann derzeit kaum seriös gemacht werden. Dennoch glauben wir, dass man nicht allzu pessimistisch in die Zukunft schauen sollte. Ein Absatzvolumen von rund 270000 Fahrzeugen erachten wir als realistisch. Dies entspräche einem Rückgang zum Jahr 2008 von rund 6%. Es darf auch nicht vergessen werden, dass in der Schweiz fast 1 Mio Personenwagen im Einsatz stehen, die älter sind als 13 Jahre und die eigentlich ersetzt werden sollten. Würden nur 100000 dieser Fahrzeuge durch moderne, energieeffiziente Modelle der Kategorie A oder B ersetzt, liessen sich rund 48 Mio l Treibstoff und 120000 t CO2 einsparen.

Die unterste Hubraumklasse - Microwagen - war 2008 stark gefragt, und die Kleinwagen konnten das Vorjahresvolumen halten. Kaufen Herr und Frau Schweizer ökologischere Autos?

Nötzli: Nicht nur das ökologische Gewissen, auch das Portemonnaie hat die Wahl eines neuen Autos beeinflusst, denn die starken Veränderungen des Benzinpreises blieben ebenfalls nicht ohne Einfluss. Positiv ist sicher die Tatsache, dass immer mehr Käufer - und vor allem Käuferinnen - umweltfreundliche und sparsame Modelle wählen. Nicht wenige Käufer wechseln auch innerhalb einer bestehenden Baureihe einer Marke auf ein kleineres Fahrzeug.

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Offensichtlich hat aber auch der rasante technische Wandel in der Automobiltechnik viele zu einer Neuanschaffung veranlasst.

Nötzli: Absolut, denn man darf nicht vergessen, dass heute auch Autos mit einem Motor mit kleinerem Hubraum durchaus leistungsfähig sein können und Spass beim Fahren bereiten. Die Orientierung nach schierer Leistung hat in den vergangenen Jahren abgenommen, denn auch grössere Modelle verfügen heute über Motoren mit geringerem Volumen, die deutlich weniger verbrauchen.

Stichwort alte Autos: Deutschland, Frankreich und Italien haben 2009 eine Abwrackprämie eingeführt, die Wirkung zeigt. Wäre das nicht auch eine Idee für die Schweiz?

Nötzli: Wir begrüssen diese Idee ebenfalls, zumal in der Schweiz auch das Geld für die Finanzierung dieser Aktion bereitläge. Anrecht auf eine solche Prämie hätte, wer ein mindestens 13 Jahre altes Auto verschrotten lässt und stattdessen ein Modell der Energieeffizienzkategorie A oder B kauft. Finanziert werden könnte diese temporäre Aktion mit der 4%igen Automobilsteuer, die jährlich rund 300 Mio Fr. in die allgemeine Bundeskasse spült.

Mit der Aktion: «Clever fahren, von B nach A in den besten Energiekategorien» will auto-schweiz die Autofahrer und Autofahrerinnen zu einem schonenden und umweltbewussten Fahren sensibilisieren. Wie erfolgreich war diese Aktion bisher?

Nötzli: Diese einmalige Aktion hat sicher auch die ökologischer orientierten Käufe neuer Personenwagen beeinflusst. Wir wollten mit dieser Aktion die Umweltsensibilität der Käuferschaft verstärken und auf die Möglichkeiten aufmerksam machen, Treibstoff zu sparen und damit die Emissionen zu verringern.

Im Jahr 2003 wurde von auto-schweiz die Energieetikette eingeführt, welche die Wahl eines umweltgerechten Fahrzeuges unterstützen soll. Hat sich diese Idee durchgesetzt?

Nötzli: Diese Etikette hat eine recht gute Akzeptanz bei der Käuferschaft gefunden. Immer mehr Käuferinnen und Käufer orientieren sich an diesem Label.

Ebenfalls im Jahr 2003 wurde das Ziel einer Reduktion des durchschnittlichen Verbrauches von Motorfahrzeugen von 8,4 auf 6,4 l pro 100 km bis zum Jahr 2008 vereinbart. Dieses Ziel wurde allerdings bis heute verfehlt. Wann soll es nun erreicht werden?

Nötzli: Aufgrund der heutigen Erkenntnisse kann festgestellt werden, dass das anvisierte Ziel angesichts des starken Trends zu verbrauchsgünstigeren Modellen in rund zwei Jahren erreicht sein wird. Was man bei der Zielvereinbarung nicht voraussehen konnte, war der starke Boom bei den Geländewagen und SUV. Dieser hat den Verbrauchsdurchschnitt wieder nach oben gerückt. Derzeit werden zwischen dem Bundesamt für Energie und auto-schweiz neue Richtlinien diskutiert, die dann auch mit Sanktionen verbunden sein können.

Vor kurzem wurden von einer Ständeratskommission ein Bonus/Malus-System und von den Umweltverbänden handelbare Verbrauchsgutschriften für das Auto vorgeschlagen. Was hält auto-schweiz von dieser Idee?

Nötzli: Wir sind der Ansicht, dass dies der falsche Weg ist, sind doch diese Massnahmen mit einem hohen Verwaltungsaufwand verbunden. Die CO2-Emissionen lassen sich auf wesentlich weniger bürokratische Weise weiter reduzieren. Der von der EU vorgeschlagene Weg zur Reduktion der CO2-Emissionen scheint uns der sinnvollere Weg zu sein.

Die «Stop-Offroader-Initiative» ist bei genauer Betrachtung aufgrund der absichtlich unklaren Formulierungen im Text eine Mogelpackung, die den Stimmbürger eher verwirrt als informiert. Wie stellen sich die Auto-Importeure zu dieser Initiative, über die noch an der Urne abgestimmt werden muss?

Nötzli: Der Bundesrat hat in einer Stellungnahme Mitte Dezember 2008 die- se Initiative klar abgelehnt. Seiner An- sicht nach sind die Ziele der Initiative bezüglich Verkehrssicherheit und Schadstoffemissionen auch ohne dieses Begehren erreichbar. Wir halten diese Initiative ebenfalls für untauglich, lassen sich doch die angestrebten Ziele auf wesentlich weniger bürokratische Weise erreichen.

Neben den umweltrelevanten Massnahmen werden aber auch noch andere Ideen verfolgt, um den Verkehr zu steuern, wie etwa Road-Pricing in der Schweiz. Was hält man bei auto-schweiz von solchen Plänen?

Nötzli: Wir sind nicht grundsätzlich gegen Road-Pricing. Es gibt durchaus Argumente, die für eine fiskalische Verwaltung des vorhandenen Verkehrsraumes sprechen. Im Übrigen existiert Road-Pricing bei uns ja schon, indem beispielsweise ein Parkplatz in der Innenstadt wesentlich mehr kostet als auf dem Land. Geht es wirklich nur darum, die Nachfrage nach Verkehrsraum sinnvoll zu steuern, ist Road-Pricing durchaus eine Möglichkeit. Sollte allerdings dieses Mittel dazu eingesetzt werden, den Verkehrsfluss zu behindern und zusätzliche Steuereinnahmen zu generieren, dann müssen wir uns vehement dagegen wehren. Road-Pricing ist aus unserer Sicht auch eine eher unsoziale Massnahme; sie trifft denjenigen, der aus verschiedenen Gründen in die City fahren muss, in unverhältnismässiger Weise. Es gibt darüber hinaus sinnvollere Massnahmen, um den Verkehrsfluss vernünftig zu steuern.

Obwohl das Parlament das Thema Road-Pricing aus den Legislaturzielen herausgestrichen hat, befürwortet Verkehrsminister Leuenberger Versuche mit dem Road-Pricing in Schweizer Städten.

Nötzli: Diese sogenannten Versuche sind aus unserer Sicht eher eine Zwängerei und quasi eine Desavouierung des Parlamentes durch den Verkehrsminister. Zudem zeigt die Erfahrung, dass Provisorien, die der Bund initiiert hat, noch nie wieder aufgehoben wurden.

In der politischen Diskussion engagiert sich auto-schweiz als Stimme der Automobil-Importeure eher zurückhaltend. Müsste hier nicht mit mehr politischem Engagement gekämpft werden?

Nötzli: Wir möchten uns in Zukunft stärker in die politische Diskussion einbringen und unsere Anliegen etwas gezielter, als dies bisher der Fall war, vertreten. Wir wollen intensiver als die Stimme der Automobilindustrie wahrgenommen werden.

Der Wettbewerb auf dem Schweizer PW-Markt verschärft sich zusehends, die Margen sind gering, die Banken geben nur sehr zurückhaltend Kredite - und trotzdem bauen einzelne Garagisten respektable Verkaufsräume. Wie ist dieser Widerspruch zu erklären?

Nötzli: Man kann - wenn man es richtig macht - im Garagengewerbe durchaus noch Geld verdienen. Garagen mit einem finanziell gesicherten Background sind absolut in der Lage, eine gepflegte Infrastruktur zu realisieren und zu unterhalten und auch die entsprechenden kundenorientierten Dienstleistungen anzubieten. Kleinere Garagisten dürften eher Probleme haben, die notwendige Finanzierung ihrer Infrastruktur zu gewährleisten.

In den vergangenen Jahren haben sich in der Schweiz verschiedene unabhängige Garageketten etabliert. Wie beurteilt man diese Entwicklung?

Nötzli: Im Rahmen der Gruppenfreistellungs-Verordnung - der GVO - wurde die Existenz von unabhängigen Garagebetrieben gefördert. Etliche dieser unabhängigen Betriebe wenden sich heute eher an Kundinnen und Kunden, welche ältere Fahrzeuge fahren und nicht mehr unbedingt die Markenvertretung aufsuchen. Aber auch diese Betriebe haben das Recht auf technische Unterstützung seitens der Hersteller.

Wie steht es derzeit um die berufliche Aus- und Weiterbildung im Autogewerbe ?

Nötzli: Beim Autogewerbeverband AGVS gehört die Aus- und Weiterbildung zu den zentralen Themen. In diesem Bereich werden grosse Anstrengungen unternommen, um auch in Zukunft den beruflichen Nachwuchs rekrutieren zu können.