Für die rasante Bergfahrt des Ölpreises seit Anfang des Jahres von 93.85 auf über 134 Dollar pro Fass lassen sich keine vernünftigen Gründe mehr finden. «Dieser enorme Anstieg hat uns auch überrascht», sagt Eliane Tanner, Erdölspezialistin bei der Credit Suisse. «Vor allem, da sich die Angebots- und Nachfragesituation eigentlich deutlich verbessert hat.» Erst am Montag hatte der weltgrösste Erdölexporteur, Saudi-Arabien, eine leichte Erhöhung seiner Produktion in Aussicht gestellt. Die Ankündigung blieb wirkungslos, der Ölpreis stieg weiter und erreichte in New York mit 139.89 Dollar zwischenzeitlich ein neues Hoch.

Weltweit laufen die Produktion und die Verarbeitung des Rohöls auf Hochtouren, während gleichzeitig die von den USA bis China nachlassende Konjunkturdynamik auf der Nachfrageseite für eine Entlastung sorgt. Ein Szenario, in dem der Ölpreis eigentlich spürbar sinken müsste ? zumal auch die wärmeren Sommermonate angebrochen sind, in denen der Verbrauch und damit der Preis normalerweise einen, natürlichen, wetterbedingten Dämpfer bekommt.

Unsichere Förderländer

Das Gegenteil ist aber der Fall und die Gründe dafür sind vielschichtig. «Die Dollarschwäche, die Inflationssorgen und diverse geopolitische Ängste treiben den Preis derzeit nach oben», erklärt Joachim Klement, Anlagestratege und Erdölspezialist bei UBS Wealth Management Research. Der enorme Kurssprung vom 6. Juni wird beispielsweise vor allem auf Äusserungen des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert zurückgeführt. Er hatte eine Militärintervention im Iran angedeutet und damit die Angst der Investoren heraufbeschworen, der Iran könne die Strasse von Hormuz sperren, die weltweit wichtigste Transportader für Öl.

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Die Märkte reagierten prompt: Der Ölpreis kletterte an einem Tag über 10 Dollar und überschritt dabei erstmals die Marke von 139 Dollar je Barrel. Infolgedessen verzeichnete der Dow Jones mit einem Minus von 3,13% den bisher höchsten Tagesverlust im aktuellen Jahr. Hoher Ölpreis, schwache Aktienmärkte so lautet eine der vielen Weisheiten im Zusammenhang mit dem schwarzen Gold.

Was dabei Ursache und Wirkung ist, bleibt jedoch oftmals ungeklärt. So gelten die aufgrund der Finanzkrise schwachen Aktienmärkte derzeit als einer der Hauptgründe für die Hausse im Öl. Denn angesichts wenig lukrativer Anleihen- und Aktienmärkte sind in den letzten sechs Monaten schätzungsweise 60 Mrd Dollar in den Rohstoffsektor geflossen. Damit belaufen sich die Rohstoffinvestments jetzt weltweit auf 240 Mrd Dollar ? im Jahre 2001 waren es erst 56 Mrd Dollar. «Die jüngsten Preissteigerungen sind auch spekulativer Natur», bestätigt Eliane Tanner. Sie schätzt, dass der Rohölpreis «spekulationsbereinigt» um 10 bis 20 Dollar tiefer liegen müsste.

Die hohe Volatilität stützt die Vermutung, dass hier derzeit vor allem Spekulanten am Werk sind. Gemäss einer Untersuchung der UBS führt die Spekulation im Rohölsektor zwar einerseits nicht dazu, dass der Preis langfristig aus dem Gleichgewicht gerät, aber sie ist Ursache dafür, dass die Volatilität deutlich zunimmt. «Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Preiskorrektur kurz bevorsteht», erklärt Joachim Klement, der einen Sturz auf 100 Dollar erwartet. Auch Eliane Tanner rechnet bald mit einem Abrutschen des Erdölpreises auf ein Niveau von rund 110 Dollar.

Tipps für Investoren

Wer in den letzten Monaten im Rohstoffsektor investiert war, sollte sich daher seine Risikobereitschaft jetzt vergolden lassen und die Gewinne nach Hause tragen. Bei einem Niveau von um die 100 Dollar pro Fass könnte man dann aber getrost wieder einsteigen. Denn darin sind sich die Experten einig langfristig wird der Ölpreis steigen, aber in kleineren Schritten als in den letzten Monaten.

 

 


Strukturierte Produkte für Wetten auf fallende Ölpreise

Obwohl Derivate auf steigende Ölpreise noch überwiegen, haben einige Emittenten auf die drohende Kehrtwende reagiert und Produkte auf einen fallenden Ölpreis emittiert. Doch Vorsicht, diese Produkte sind teilweise mit erheblichen Risiken behaftet. So wetten die Open End Shorty?s von UBS (Valor 4283070, 4283071 und 2448931) ungesichert auf einen fallenden Ölpreis, namentlich einen S&P GSCI WTI Oil Index. Diese Mini-Futures eignen sich für die kurzfristige Spekulation resp. Absicherung. Mini Short Certificates (Valor: 4285723) bietet seit Anfang Juni auch ABN Amro an. Basiswert ist der August-Future des ICE Brent Crude Oil.

Etwas mehr Sicherheit bietet der Bear Defender Vonti, ein Barrier Reverse Convertible der Bank Vontobel (Valor: 4317040) mit einem garantierten Coupon von 4,5%. Fällt die Schlussfixierung des Basiswertes (Nearest Crude Oil Future) tiefer oder gleich dem Ausübungspreis aus, wird auch der Nennwert zurückerstattet.

Mit einem Kapitalschutzprodukt mit Coupon wartet EFG FP auf. Das Win-Win-Vehikel garantiert ? wird die Barriere von 135% resp. 65% nicht durchstossen ? eine Partizipation von 70% an Kursgewinnen und -verlusten des Nymex Light.(maj)