Die Ölpreise haben zum Wochenstart ihre Talfahrt der vergangenen Monate zunächst gestoppt. Händler sprachen von einer typischen Gegenbewegung nach starken Verlusten. Der Aufwind hielt aber nur kurz an: Die sich verschärfenden Konjunktursorgen drücken die Ölpreise weiter ins Minus. Für Bauchschmerzen sorgt vor allem die wirtschaftliche Entwicklung in China: Die Industrie hat sich im Dezember wegen geringerer Auftragseingänge erstmals seit sieben Monaten rückläufig entwickelt.

Am Dienstag knackten deshalb sowohl die amerikansiche Sorte WTI als auch die Nordseesorte Brent zwei neue Tiefstmarken: Der Brent-Preis ist erstmals seit Juli 2009 unter 60 Dollar je Fass gefallen. Er verlor in der Spitze 2,3 Prozent auf 59,63 Dollar je Barrel. Der WTI-Preis rutschte zeitweise unter 55 Dollar je Fass.

Immer mehr Firmen und Länder bekunden Mühe

Damit haben sich die Preise seit Sommer quasi halbiert. Noch im Frühsommer kostete ein Fass WTI fast 108 Dollar. Die Produktion von US-Schieferöl ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hat sich bisher nicht auf eine Produktionskürzung verständigt. Wichtige Produzenten wie Saudi-Arabien wollen offensichtlich mit einer stabilen Produktion ihre Marktanteile ausweiten.

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Immer mehr Unternehmen und Firmen werden vom Preiszerfall an die Wand gedrückt. Der norwegische Noreco-Konzern hat erst gestern Montag vermeldet, dass er seine Schulden nicht mehr bezahlen kann. Und auch das erste Land wankt: Venezuela droht der finanzielle Kollaps.

Aktienmärkte im Minus

Der weitere Rückgang des Ölpreises und schlechte Konjunkturdaten aus der chinesischen Industrie haben am Dienstag jedenfalls auch die Stimmung an den asiatischen Aktienmärkten deutlich gedrückt. Der MSCI-Index asiatisch pazifischer Aktien ausser Japan gab um 0,72 Prozent nach. An der Tokioter Börse fielen die Verluste noch deutlicher aus. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index ging mit einem Minus von zwei Prozent aus dem Handel bei 16'755 Punkten. Der breiter aufgestellte Topix-Index verlor 1,88 Prozent auf 1353 Zähler.

Auch die meisten anderen asiatischen Börsen lagen am Dienstag im Minus. Lediglich Shanghai widersetzte sich dem Trend, obwohl der Einkaufsmanagerindex der Grossbank HSBC und des Markit-Instituts (PMI) für Chinas Industrie erstmals seit sieben Monaten einen Rückgang bei den Aufträgen signalisierte.

(ise/ama)